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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó FINANZMARKT Mit dem

ó FINANZMARKT Mit dem Zuschlag für Restrisiken wird eine einfache und konservative Methodik eingeführt, mit der auch komplexe und exotische Finanzinstrumente in pragmatischer Weise im Standardansatz berücksichtigt werden können, ohne dabei die Komplexität des Ansatzes insgesamt noch mehr zu steigern. Es sollen dabei die Risiken erfasst werden, welche nicht bereits durch das Standardverfahren mit Eigenmitteln unterlegt werden. Die Höhe des Zuschlags errechnet sich aus der Summe der Brutto-Nominalwerte der Instrumente, die über ein Residual- Risiko verfügen, multipliziert mit einem aufsichtlich vorgegebenen Multiplikator. Für exotische Underlyings (wie Wetter, Naturkatastrophen oder Langlebigkeit) wird ein Risikogewicht in Höhe von einem Prozent vorgeschlagen. In allen anderen Fällen schreibt der Baseler Ausschuss ein Risikogewicht in Höhe von 0,1 Prozent vor. Der neue Baseler Standard führt eine nicht abschließende Auflistung von weiteren Risikoarten an, die die Kriterien für das Residual-Risiko erfüllen und durch den Marktrisikostandardansatz nicht erfasst werden. Darunter fallen unter Berücksichtigung detaillierter Anforderungen das Gap-Risiko, das Korrelationsrisiko von Positionen mit unterschiedlichen Underlyings oder das Behavioural-Risiko. Dieser Liste steht eine Auflistung an Risikoarten entgegen, die eine Position nicht direkt für den Residual-Risiko-Zuschlag klassifiziert. Im Detail handelt es sich dabei unter anderem um das Smile-Risiko, eine spezielle Form des implizierten Volatilitätsrisikos bei Optionen, und das Dividenden-Risiko. Modifizierter Interner-Modelle-Ansatz Die in der Finanzmarktkrise 2007/2008 aufgedeckten Schwächen des derzeitigen regulatorischen Rahmenwerks betreffen auch die bankinternen Risikomodelle, die von Banken nach Antrag und Zustimmung der zuständigen Behörden alternativ zum Marktrisiko-Standardansatz zur Ermittlung der Mindesteigenmittelanforderung für ihre Handelsbuchpositionen verwendet werden können. Größte Kritikpunkte bei dem Interne-Modelle- Ansatz im Handelsbuch (kurz IMA-TB) waren die grundsätzliche Verwendung des Value-at-Risk-Betrags (VaR) als Risikomaß und die stark voneinander abweichenden Ergebnisse von internen Modellen diverser Banken im Vergleich zueinander und zum Standardansatz. Insbesondere die mangelnde Sensitivität des VaR-Betrags gegenüber sogenannten Tail-Events, die für alle Produkte gleich angenommene Haltedauer von zehn Tagen sowie die Verwendung eines Ein-Jahres-Zeitraums als Grundlage zur Kalibrierung der Risikoparameter waren Anlass der Aufsicht für die Kritik. Die derzeitigen Eigenmittelanforderungen basieren für das Marktrisiko bei der Verwendung interner Modelle insbesonde- 2 Mindesteigenmittelanforderungen im Interne-Modelle-Ansatz (IMA) Aggregation der Kapitalanforderungen IMA-Desk 1 IMA-Desk IMA-Desk ... N 1 ... IMA-Desk N Modellierbare Risikofaktoren bei zugelassenen Desks Nicht modellierbare Risikofaktoren Default Risk Charge (Desk-übergreifend) Mit dem Standardansatz berechnete Kapitalanforderungen für Desks ohne IMA-Zulassung Kapitalanforderungen für zugelassene Desks Gesamteigenmittelanforderungen für das Handelsbuch 10 diebank 05.2016

FINANZMARKT ó re auf drei Kennzahlen: den Value at Risk (VaR), den Stressed Value at Risk (SVaR) und die Incremental Risk Charge (IRC). VaR und SVaR werden künftig durch eine neue Kennzahl ersetzt, die auf dem Expected Shortfall (ES) mit einem Konfidenzniveau in Höhe von 97,5 Prozent basiert. Der ES-Wert gibt an, welche Abweichung bei Eintritt eines extremen Ereignisses, also die Überschreitung des VaR-Werts, zu erwarten ist. Daneben wird die IRC durch die Default Risk Charge (DRC) ausgetauscht. Neben diesem methodischen Wandel ergeben sich auch Herausforderungen aus Änderungen oder neuen Anforderungen an die Dateienhistorie und deren Qualität ” 1. Die Aggregation der Kapitalanforderungen zur Gesamteigenmittelanforderung ist im neuen IMA-TB gegenüber dem derzeitigen Vorgehen aufwendiger ” 2. Im derzeitigen Baseler Rahmenwerk und auch in der CRR 5 ist es noch möglich, den benötigten 10-Tage-VaR-Betrag aus einem 1-Tages-VaR-Wert mittels der „Wurzel-T-Regel“ zu skalieren. Dies ist im neuen Ansatz nicht mehr erlaubt. Stattdessen müssen überlappende 10-Tages-Veränderungen der Risikofaktoren verwendet werden. Zudem soll der neue Ansatz die unterschiedliche Liquidität der verschiedenen Risikofaktoren besser abbilden. Hierfür werden die von der Aufsicht definierten Risikofaktoren in fünf Klassen mit verschiedenen Liquiditätshorizonten eingeteilt. Mittels der vorgegebenen Liquiditätshorizonte wird der Expected Shortfall über eine vorgegebene Formel skaliert ” 3. Mit dem überarbeiteten Interne-Modelle-Ansatz wird ein neues Konzept zur Analyse und Definition von Risikofaktoren eingeführt. Risikofaktoren für die nicht wenigstens vierundzwanzig Marktpreise im Abstand von höchstens einem Monat innerhalb eines Jahres vorliegen, werden nicht in die oben beschriebene ES-Berechnung aufgenommen. Für jeden dieser nicht-modellierbaren Risikofaktoren wird der Verlust in einem Stressszenario berechnet. Hierbei wird zwischen spezifischem Kreditrisiko (Idiosyncratic Risk) und sonstigen Risikofaktoren unterschieden. Backtesting ist das zentrale Verfahren, um die Performance eines Modells ex post messen zu können. Aus diesem Grund kommt dem Backtesting im IMA-TB eine zentrale Rolle zu und fließt über den Wert des aufsichtlichen Multiplikationsfaktors (m c ) direkt in die Bestimmung der Eigenmittelanforderungen ein. Derzeit gibt es noch kontroverse Diskussionen, ob und inwieweit die Möglichkeit besteht, ein Backtesting für den Expected Shortfall durchzuführen. 6 Folglich basiert das Backtesting im IMA-TB weiterhin auf dem VaR-Betrag. Im Rahmen des Backtesting ist für den VaR dabei zusätzlich zum 99-Prozent- jetzt auch ein 97,5-Prozent-Quantil zu verwenden. Um Verzerrungen durch Portfolioveränderungen zu vermeiden, wird eine Haltedauer von einem Tag verwendet und das Backtesting gegen zwei verschiedene P&L-Varianten durchgeführt (Profit & Loss-Varianten „Actual Trading Outcome“ und „Hypothetical Trading Outcome“). Ein weiterer zu beachtender Punkt ist, dass das Backtesting auf Ebene der Handelstische (Trading Desks) durchgeführt werden muss. Übersteigt die Anzahl der Backtesting-Überschreitungen einen Schwellenwert, wird die Modellzulassung für den betreffenden Desk nicht erteilt oder entzogen und die Eigenmittelanforderungen müssen mit dem Standardansatz berechnet werden. Weitere umfassende Änderungen für Handelsbuchinstitute ergeben sich aus neuen organisatorischen Herausforderungen sowie dem neuen Zulassungsprozess für interne Modelle. Für eine IMA-TB-Zulassung bestehen zwei auf P&L-Attribution basierende Kriterien, welche ebenfalls auf Handelstisch-Ebene anzuwenden sind. Hierfür gibt der Baseler Ausschuss eine Definition des Begriffs „Handelstisch“ vor (” 4), die zum Beispiel auch bei der Abgrenzung des Handelsbuchs vom Anlagebuch Relevanz hat. Die genannten Kriterien dienen zur Überprüfung, ob ein ES-Modell alle relevanten Risikofaktoren des jeweiligen Handelstischs angemessen modelliert. Fazit Der „Fundamental Review of the Trading Book“ wird zusammen mit den anderen – informell als „Basel IV“ bezeichneten – Reformschritten 7 die Art der Risikomessung in Banken grundle- 3 Fünf Liquiditätsklassen bei den Risikofaktoren Klasse Liquiditätshorizont (in Tagen) 1 10 2 20 3 40 4 60 5 120 Risikofaktoren Zinsen in Währung der Bank sowie EUR, USD, GBP, AUF, JPY, SEK, CAD Aktien (in Hauptindices) Wechselkurs (Hauptwährungspaare) Zinsen in anderen Währungen Aktien (nicht in Hauptindices) Aktien-Volatilität (in Hauptindices) Wechselkurs (andere Währungspaare) Energie, Edelmetalle (Preis) Credit-Spread-Staaten (Investment Grade) Zins-Volatilität Wechselkursvolatilität und andere FX-Faktoren Energie, Edelmetalle (sonstige Risikofaktoren) Credit-Spread-Staaten (High Yield) Credit-Spread-Unternehmen (Investment Grade) Aktien-Volatilität (nicht in Hauptindices) und sonstige Equity-Risikofaktoren Credit-Spread-Unternehmen (High Yield) sonstige Rohwahren (Preise) Rohwaren (andere Risikofaktoren) Credit-Spread sonstige (inkl. allen strukturierten Produkten und CDS) 05.2016 diebank 11

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