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die bank 05 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT Banken haben in der Vergangenheit verstärkt Fristentransformation betrieben. Hierzu leiht sich die Bank bei privaten Anlegern oder anderen Finanzinstitutionen auf dem Finanzmarkt kurzfristig Geld aus und finanziert mit diesen Ausleihungen Unternehmen und Projekte mit längeren Kreditlaufzeiten. Diese Kredite werden dann revolvierend finanziert. Dieses Vorgehen bietet bei normaler Zinsstruktur, bei der die langfristigen Zinsen über dem Niveau der kurzfristigen Zinsen liegen, den Vorteil, dass die Banken aus dieser Zinsdifferenz einen wichtigen Ergebnisbeitrag erzielen können. Die Liquiditätskrise auf dem Interbankenmarkt nach der Insolvenz der US Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 hat jedoch gezeigt, dass die kurzfristig revolvierende Refinanzierung langfristiger Investitionsobjekte problematisch sein kann, wenn die Zinssätze für die kurzfristige Refinanzierung der Kredite in einer Krise sprunghaft ansteigen. Die Vorschläge des Baseler Ausschusses sehen daher die Einführung einer Net Stable Funding Ratio ab dem Jahr 2018 vor. Diese Kennzahl setzt die verfügbare Refinanzierung in Relation zur geforderten Refinanzierung. Sie soll nach vollständiger Umsetzung bei mindestens 100 Prozent liegen, da dann die Banken in der Lage sind, eine fristenkongruente Refinanzierung auch in Krisenzeiten für mindestens ein Jahr sicherstellen zu können 2 . Konsequenzen für die Finanzierung Da Projektfinanzierungen grundsätzlich mit einer hohen und langfristigen Kapitalbindung im Bankenbereich einhergehen, wird die sukzessive Einführung bindender Kennzahlen im Liquiditätsmanagement der Banken gravierende Auswirkungen auf die Finanzierung von Großprojekten haben. Großprojekte werden häufig mit einem Zeithorizont von über zwanzig Jahren finanziert, während Banken selten eine Refinanzierungsdauer von über fünf Jahren darstellen können. Eine durch die Einführung der Net Stable Funding Ratio bedingte Erschwerung der Fristentransformation führt dazu, dass Bankenkonsortien zukünftig Projekte nicht mehr über den gesamten Finanzierungszeitraum begleiten können. Andere institutionelle Finanzinvestoren, die weniger streng reguliert werden, könnten die so entstehende Finanzierungslücke schließen. Diese Investoren suchen gerade in Niedrigzinsphasen Anlagemöglichkeiten mit attraktiven Renditen, die beispielsweise in Infrastrukturprojekten oder in Projekten im Bereich Green Finance zu finden sind. Derartige Finanzinvestoren verfügen jedoch nicht in dem Ausmaß über die Erfahrung mit Projektfinanzierungen wie Banken, die seit vielen Jahren in diesem Segment aktiv sind. Darüber hinaus möchten Finanzinvestoren die Gelder i. d. R. langfristig, nicht im Rahmen einzelner Ziehungen, sondern eher in einer Summe endfällig zur Verfügung stellen. Die Investment-Guidelines der jeweiligen Institution zielen häufig auf Anlageformen mit geringerem Risiko ab, sodass gerade die riskante Start-up-Phase von Projekten mit den erforderlichen flexiblen Kreditinanspruchnahmen nicht im Fokus dieser Investoren steht. Banken sind nach wie vor die Finanzinstitutionen, die die höchste Expertise bei der Evaluierung und Strukturierung von Projektfinanzierungen besitzen. Sie bieten den Projektgesellschaften gerade in der Bauphase des Projekts die Möglichkeit, Kreditvolumina entsprechend des Baufortschritts flexibel in Anspruch nehmen zu können und sind in der Lage, die gerade in der Bauphase auftretenden hohen Finanzierungsrisiken großer Projekte im Rahmen der Risikoverteilung auf die beteiligten Banken im Bankenkonsortium aufzuteilen. Sie verfügen über die entsprechenden Abteilungen, die die mit dem Projekt einhergehenden Zins- und Währungsrisiken managen können und sind in der Lage, den Zahlungsverkehr abzuwickeln. Durch die verschärfte Regulierung im Liquiditätsmanagement werden sie aber zukünftig nur schwer in der Lage sein, Projekte in gewohnter Weise langfristig zu finanzieren. Suche nach Lösungswegen Da das drohende Finanzierungsdilemma in der Finanzbranche immer stärker in den Fokus rückt, werden neue Finanzierungslösungen erwogen, in denen Banken und institutionelle Investoren, wie Versicherungen oder Pensionsfonds, gemeinsam Projekte finanzieren können 3 . Angedacht werden u. a. Finanzierungslösungen, in denen die Banken ihre Projektfinanzierungsexpertise in der Planungs- und Bauphase einbringen und so die risikoreichere Start-up-Phase der Projekte begleiten und finanzieren. Im Anschluss sind sie dann jedoch aufgrund der erhöhten regulatorischen Anforderungen dazu gezwungen, die weitere langfristige Finanzierung der Projekte anderen institutionellen Investoren zu übertragen. Diese werden dann die Finanzierung der im Betrieb befindlichen Projekte bis zum Ende sicherstellen und davon profitieren, in einer weniger riskanten Projektphase in die Finanzierung einsteigen zu können. Während der Bauphase werden neben den Eigenkapital gebenden Sponsoren (wie z. B. staatliche Institutionen, Bauunternehmen) Banken weiterhin die Finanzierung der Projekte über syndizierte Kredite übernehmen. Sie verfügen über die gerade in dieser Phase erforderliche Expertise in der Risikoevaluation, der Cashflow-Modellierung sowie Strukturierung der Finanzierung und sorgen für ein entsprechendes Monitoring des Projekterfolgs. Die Aufteilung des Kreditvolumens in einzelne Kredittranchen, die entsprechend des Baufortschritts gezogen werden können, sorgt für die in dieser Phase erforderliche sukzessive Finanzierung des Bauvorhabens. Nach Fertigstellung des Projekts können die Banken aufgrund der neuen regulatorischen Liquiditätskennziffern die Betriebsphase zukünftig nicht mehr vollständig durchfinanzieren. Durch die Einführung von Mini-Perm-Strukturen in die 54 diebank 5.2015

BETRIEBSWIRTSCHAFT ó Ausgestaltung der Kreditverträge können für die Projektgesellschaft Anreize geschaffen werden, die langjährige Betriebsphase durch andere Finanzinstitutionen außerhalb des Bankenbereichs finanzieren zu lassen. Dabei werden harte (hard) und weiche (soft) Mini-Perm-Strukturen unterschieden. Harte Mini-Perm-Strukturen kommen in der Projektfinanzierung kaum zum Einsatz. Sie weisen eine Laufzeit von fünf bis sieben Jahren auf und sehen vor, dass automatisch ein Kreditausfallereignis eintritt, wenn es der Projektgesellschaft nicht gelingt, eine Anschlussfinanzierung zu arrangieren. Softe Mini-Perm-Strukturen hingegen weisen eine sehr lange Laufzeit von häufig über 20 Jahren aus. Hier werden jedoch bei der Ausgestaltung der Kreditverträge Anreize geschaffen, eine frühzeitige Alternativfinanzierung anzustreben, die die Kreditverpflichtung zeitnah ablöst. So können beispielsweise mit der Kreditlaufzeit ansteigende Margenaufschläge oder Cash Sweeps vereinbart werden, bei denen der freie Cashflow nach Schuldendienst nicht mehr für die Ausschüttung an die Sponsoren zur Verfügung steht, sondern mit Fortschreiten der Kreditlaufzeit mehr und mehr zur Kreditrückführung aufgewandt werden muss 4 . Diese Form der Strukturierung wirkt sich negativ auf die Eigenkapitalrendite der Sponsoren aus, da diese für die restliche Kreditlaufzeit weniger oder keine Ausschüttung erhalten. Dieser Mechanismus soll zur Incentivierung beitragen, eine frühzeitige Ablösung des Kreditengagements aufseiten der Kreditnehmer in der Betriebsphase des Projekts anzustreben. Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen müssen die ihnen überlassenen Finanzmittel langfristig anlegen und haben aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen auf den Finanzmärkten Probleme, in den etablierten Assetklassen die erforderlichen Renditen zu erwirtschaften. Sie stehen unter erhöhtem Anlagedruck, sind aber aufgrund der rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen nur bedingt in der Lage, erhöhte Risiken einzugehen, um höhere Renditen zu erwirtschaften. Die Sicherstellung der Anschlussfinanzierung in der Betriebsphase von Großprojekten könnte zukünftig eine attraktive Anlagemöglichkeit für diesen Investorenkreis darstellen, da hier die Finanzmittel langfristig, mit einer attraktiven Rendite und – da die Finanzierung der wesentlich riskanteren Bauphase weiterhin bei den Banken verbleibt – vergleichsweise sicher angelegt werden können. Die Ausgabe von Projekt- Bonds stellt hierbei eine weitere bereits existierende Möglichkeit dar, um gerade Infrastrukturprojekte als weitere Assetklasse einem breiteren Investorenkreis zu erschließen und dabei die Anschlussfinanzierung der Projekte sicherzustellen. Wesentliche Hemmnisse Der Markt für Projekt-Bonds ist aber im Vergleich zur klassischen Projektfinanzierung über syndizierte Kredite noch unterentwickelt. Projekt-Bonds haben gegenüber syndizierten Krediten den entscheidenden Nachteil, dass die Projektgesellschaft das Finanzierungsvolumen in einer Summe und nicht entsprechend des tatsächlichen Finanzbedarfs im Rahmen einzelner Kredittranchen und Ziehungen zur Verfügung gestellt bekommt. Auch die Rückführung der Verpflichtung kann nicht zeitnah aus den erwirtschafteten Cashflows erfolgen, da die Tilgungen i. d. R. erst endfällig möglich sind. Sollte das Projekt in der Betriebsphase einen Sanierungs- oder Restrukturierungsbedarf aufweisen, so ist die Umsetzung derartiger Maßnahmen bei einer Bondfinanzierung wesentlich problematischer als die Vereinbarung von Sanierungsmaßnahmen innerhalb eines Bankenkonsortiums. Darüber hinaus besteht für internationale Investoren häufig ein Währungsrisiko, da die Cashflows aus den Projekten in heimischer Währung anfallen und ein Hedgen langfristiger Währungsrisiken häufig nicht möglich ist 5 . Fazit Der Markt für Projektfinanzierungen befindet sich im Umbruch. Die Umsetzung der neuen regulatorischen Anforderungen unter Basel III wird vor allem im Hinblick auf die Einhaltung der Kennzahlen im Liquiditätsmanagement dazu führen, dass Banken sich zwangläufig aus der langfristigen Projektfinanzierung zurückziehen müssen und nur noch die Bauphase und ggf. die ersten Jahre der Betriebsphase begleiten können. Mini-Perm- Strukturen werden zukünftig an Bedeutung gewinnen und die Kreditnehmer dazu veranlassen, zeitnah eine Anschlussfinanzierung zu arrangieren, die die syndizierten Kredite frühzeitig ablösen. Institutionelle Investoren werden aufgrund des erhöhten Anlagedrucks im aktuellen Niedrigzinsumfeld vermehrt versuchen, die entstehende Finanzierungslücke zu schließen und ihre Gelder langfristig in Großprojekte anlegen. Projekt-Bonds stellen eine mögliche Anlageform dar, die aufgrund der aufgeführten Hemmnisse jedoch bislang noch nicht sehr verbreitet ist. Strategische Partnerschaften zwischen Banken, Versicherungen und Pensionsfonds können helfen, diese dargestellten Hemmnisse abzubauen und sowohl für die Projektinitiatoren als auch für die Banken und institutionellen Investoren auch zukünftig maßgeschneiderte Lösungen sicherzustellen. ó Autorin: Dr. Anja Wiebusch ist Professorin für Finanzierung und Allgemeine Betriebswirtschaftlehre am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Kiel. 1 Vgl. Basel Committee of Banking Supervision (2011): Basel III: A global regulatory framework for more resilient banks and banking systems. Bank of International Settlements, June 2011. 2 Vgl. Basel Committee of Banking Supervision (2014): Consultative Document. Basel III: The Net Stable Funding Ratio, Bank of International Settlements, January 2014. 3 Vgl. Brodheser, P., Kleiner, M. (2013): Infrastrukturfinanzierungen – ein Markt mit Zukunft für Banken und institutionelle Investoren. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen (10), S. 29-33. 4 Vgl. KPMG (2009):The use of mini-perms in UK PFI- Passing fad or here to stay? 5 Vgl. Ehlers, T. (2014): Understanding the challenges for infrastructure finance. BIS Working Papers No 454. 5.2015 diebank 55

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