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die bank 05 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING

ó BANKING Unabhängigkeit und Flexibilität sind die Schlüssel zum Erfolg BANKSTRATEGIE Das Fahrwasser für Banken ist derzeit alles andere als ruhig: Sie bewegen sich in einem hoch kompetitiven Umfeld. Gleichzeitig schlagen Regulierungsvorschriften immer neue Wellen. Während Großbanken als sprichwörtliche Supertanker die Herausforderungen, die sich durch wandelnde Kundenbedürfnisse stellen, oft nur langsam bewältigen können, drohen kleinere Asset-Manager dem Regulierungsdruck nicht standzuhalten und unterzugehen. Damit ergeben sich in der aktuellen Situation Chancen für unabhängige, inhabergeführte Häuser – die Schnellboote der Bankenbranche. Sie besitzen die Flexibilität, schnell auf veränderte Marktbedingungen sowie auf Wünsche und Bedürfnisse der Kunden reagieren zu können. Gleichzeitig verfügen einige unabhängige, inhabergeführte Banken über die nötige kritische Masse und die Struktur, die erforderlich ist, um die Regulierungsvorschriften umzusetzen. Andreas Haindl Keywords: Geschäftsmodelle, Wettbewerb, Kundenorientierung, Regulierung Was sind Kunden? In vielen Bankinstituten lautet die ehrliche Antwort: die Abnehmer von Bankprodukten. Und nicht etwa: eine Quelle für Innovationen und neue Ideen. Das jedenfalls haben die Autoren der jüngsten Trendstudie Bank & Zukunft des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation herausgefunden. Die Schlussfolgerung daraus liegt auf der Hand: Angesichts des rasanten Wandels in Technologie, Konsum und Gesellschaft sind viele traditionelle Bankangebote nicht die passende Lösung für den modernen Kunden. Banken müssen wesentlich größere Anstrengungen unternehmen, wenn sie das Risiko vermeiden wollen, an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden vorbei zu navigieren. Doch was erwarten die Kunden von morgen? Sie erwarten kompromisslos hochwertige, innovative Leistungen und Produkte. Sie wünschen sich fundierte Einschätzungen, die einen echten Mehrwert bieten, sowie kompetente und individuelle Beratung – und sind dabei selbst zunehmend besser informiert und zugleich kostensensibel. Der Wettbewerb um diese Kunden, die das Geschäft von morgen bestimmen werden, ist in vollem Gange und wird in Zukunft mit einer Dynamik geführt, auf die viele Banken nicht ausreichend vorbereitet sind. Dabei bleibt kaum noch Zeit, sich auf den zu erwartenden Geschwindigkeits- und Innovationswettbewerb einzustellen. Das zeigt insbesondere die wachsende Konkurrenz aufgrund disruptiver Innovationen. Wie diese Bezeichnung schon sagt, haben die neu entstehenden Finanzdienstleister das Potenzial, die Bankenlandschaft zu erschüttern. Angefangen beim Person-to-Person-Lending, welches das klassische Kreditgeschäft von Banken bedroht, über neue Payment-Services von Konzernen, die eigentlich in der Computerindustrie oder in der Internetwirtschaft zu Hause sind, bis zum E-Private-Banking, bei dem automatische Portfolio-Optimierungen die klassischen Empfehlungen zur Asset Allocation und damit auch den Privatkundenbetreuer ersetzen. Auch bei institutionellen Kunden lässt sich dies beobachten: Im Asset Management gibt es eine Verschiebung hin zu passiven Produkten. Nach Angaben von Morningstar verzeichneten passive Investmentfonds, die derzeit noch überwiegend von institutionellen Investoren genutzt werden, im vergangenen Jahr weltweit Nettomittelzuflüsse von 420 Mrd. US-$ – aktiv gemanagte Investmentfonds hingegen verbuchten im gleichen Zeitraum lediglich Zuwächse im Volumen von 44 Mrd. US-$. Der richtige Kurs in schwierigem Fahrwasser Zum einen passivieren viele institutionelle Investoren einen Teil ihrer Kapitalanlagen, zum anderen halten sie Ausschau nach den wenigen aktiven Portfoliomanagern, denen sie zutrauen, Alpha-Renditen zu generieren, die nachhaltig über das Markt-Beta hinausgehen. Den gestiegenen Ansprüchen solcher Kunden kann gerecht werden, wer mit einem Multi-Boutique-Ansatz und aktivem Portfoliomanagement spezialisierte und innovative Produktlösungen offeriert. Die Unabhängigkeit der Portfoliomanager hat für die Kunden dabei einen immer wichtigeren Stellenwert. Insbesondere seit der Finanzkrise wiegt dieses Auswahlkriterium schwer. Zu Recht: Denn mit unabhängigen sowie exklusiven Meinungen 32 diebank 5.2015

BANKING ó und Einschätzungen geht die Chance einher, Überrenditen zu erzielen – ein wichtiger Faktor für das Asset-Management und das Brokerage. Diese Kundenwünsche erfüllen zu können, erfordert allerdings hohe Investitions- und Projektbudgets. Gleichzeitig nimmt der Druck auf die Preise und Margen weiter zu. Denn die Commoditisierung schreitet auch bei Dienstleistungen sowie Beratungs- und Anlageprodukten von Banken voran. Viele Dienstleistungen und Produkte sind aus Sicht des Kunden inzwischen so austauschbar, dass der Absatz in erster Linie eine Frage der Preissetzung ist. Einer der bedeutendsten Faktoren für den Kostendruck ist und bleibt die Umsetzung der Regulierungsvorschriften. Ob MiFID II, MAD II oder Basel III – die Regulierungswelle hat eine hohe Geschwindigkeit erreicht. So verwundert es nicht, dass die Prozessanpassungen aufgrund regulatorischer Auflagen eine der zentralen Herausforderungen sind. Der Druck durch die Regulierungen ist groß, verursachen sie doch Kapital-, Liquiditäts- und Verwaltungskosten, erfordern in vielen Fällen zusätzliches Eigenkapital und binden Management- und Umsetzungskapazitäten. Große Institute – weniger flexibel Für die Finanzinstitute sind mit der Finanzmarktrichtlinie MiFID II hohe Investitionen in die Bereitstellung und Aufbereitung von Daten verbunden. Darüber hi-naus werden mit MiFID II die Zuwendungen im Wertpapiergeschäft neu geregelt. Auch wenn die finale Version der neuen Fassung erst für Sommer dieses Jahres erwartet wird, zeichnen sich bereits einschneidende Veränderungen ab. Es ist davon auszugehen, dass es zu einem Unbundling von Trading- und Research-Kommissionen kommt. Eine Folge: Jährliche Research-Budgets müssen vorab mit den Kunden vereinbart werden. Zudem dürften diese Budgets geringer ausfallen und einem konkreten Auswahlverfahren unterliegen, das die Verteilung der Kommissionen regelt. Auch in dieser Hinsicht spielt Unabhängigkeit eine wichtige Rolle. Aufgrund der regulatorischen Veränderungen ist es extrem wichtig, Research- Lösungen anzubieten, die dem Kunden einen Mehrwert bieten gegenüber Einschätzungen, die lediglich Konsensmeinungen transportieren. Gerade das letzte Beispiel zeigt, dass die Herausforderungen aufgrund wachsender Ansprüche seitens der Kunden und Regulatoren für die Banken nicht nur Risiken bedeuten, sondern auch Chancen bieten – vorausgesetzt, sie befassen sich frühzeitig mit den Veränderungen und reagieren. Mittel- bis langfristig bleibt den meisten Banken allerdings nichts anderes übrig, als eine grundlegende Veränderung ihres Geschäftsmodells ins Auge zu fassen. Banken können nur langfristig erfolgreich sein, wenn sie über ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell verfügen und sich konsequent an den Bedürfnissen ihrer Kunden ausrichten. In den Bereichen, auf die sie sich konzentrieren, müssen sie klare Differenzierungsmerkmale aufzeigen, um gegen den wachsenden Druck – durch bestehende Konkurrenten ebenso wie durch disruptive Innovationen und FinTechs – bestehen zu können. Gleichzeitig müssen sie sich frühzeitig mit den regulatorischen Anforderungen auseinandersetzen: Denn die Frage, wie und in welchem Maße sie die Regularien umsetzen, hat nicht nur Auswirkungen auf mögliche aufsichtsrechtliche Maßnahmen, sondern kann für mögliche Veröffentlichungspflichten und ihr Rating relevant sein. Lösung mit Steuermann: unabhängig und inhabergeführt Unabhängige Banken bringen für diese Herausforderungen die besten Voraussetzungen mit. Sie können schnell und flexibel auf moderne Kundenansprüche, die sich verändernden Wettbewerbsbedingungen und neue Regulierungsvorschriften reagieren. Nur wenn eine Bank die nötige kritische Größe erreicht hat, rechnen sich für sie mittel- bis langfristig die Investitionen in innovative Produkt-, Research- und Beratungslösungen und sind Aufwendungen für die Umsetzung der immer umfangreicheren Regulierungsvorschriften finanzierbar. Inhabergeführte Vollbanken wie MainFirst haben dabei einen weiteren Vorteil: Die Kapitalbeteiligung der Führungskräfte fördert eine Kultur der Langfristigkeit und des vorsichtigen Risikomanagements. Daraus resultiert, dass inhabergeführte Banken meist über solide Bilanzen verfügen und größere Kontinuität hinsichtlich der handelnden Personen aufweisen. Die Kunden wiederum profitieren von einer Fokussierung auf langfristigen Kundennutzen und kurzen Entscheidungswegen aufgrund flacher Hierarchien – die Innovationskraft ist entsprechend hoch. Fazit Unter dem Strich kommt es für jede Bank darauf an, profitable Geschäftsfelder zu identifizieren, zu besetzen und auszubauen. Diese dürfen allerdings nicht zu klein sein – denn sonst ist die Gefahr zu groß, von der Regulierungswelle überrollt zu werden. MainFirst hat sich für institutionelle Kunden auf jene Felder konzentriert, auf denen die Unabhängigkeit und Flexibilität der Bank am besten eingebracht werden kann: das Asset Management und das Aktiengeschäft mit den Bereichen Equity Research, Brokerage und Equity Capital Markets. Die Unabhängigkeit spiegelt sich in der Freiheit der Fondsmanager wider, ihre Strategien eigenverantwortlich und mit strikter Stilkonsistenz umsetzen zu können sowie in fundierten und nicht selten kritischen Research-Meinungen zu den Zukunftsaussichten von Unternehmen. Was sich ergibt, ist eine Win-win-Situation: Die zugeschnittenen Angebote sind für Kunden wie Leuchttürme im weiten Ozean der Bankdienstleistungen. Und für das flexible, inhabergeführte Bankhaus glätten sich dadurch die Wogen des Wettbewerbs. ó Autor: Dr. Andreas Haindl ist Vorsitzender des Vorstands der MainFirst Bank AG. 5.2015 diebank 33

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