Aufrufe
vor 5 Monaten

die bank 04 // 2022

  • Text
  • Wwwbankverlagde
  • Schwerpunkt
  • Mitarbeiter
  • Risiko
  • Befragten
  • Conduct
  • Markt
  • Auswirkungen
  • Unternehmen
  • Risiken
  • Banken
die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT

MARKT RUSSLAND-SANKTIONEN Fallen für Kreditund Risikomanager Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stellt die schnelle und entschlossene Abkopplung russischer Banken vom Zahlungssystem SWIFT eine Zäsur für das Treasury von KMU wie auch für die globale Finanzindustrie dar. Der Autor untersucht, welche Fallen in der aktuellen Lage für Kredit- und Risikomanager lauern. Kredit- und Risikomanager in europäischen Unternehmen und Banken sehen sich im täglichen Geschäft aufgrund des Ukraine-Kriegs mit nie erlebten Problemen konfrontiert. Die aktuelle Auseinandersetzung ist dabei keineswegs vergleichbar mit Regionalkonflikten wie in den Grenzgebieten von Georgien und Tschetschenien, der Krim-Annexion 2014 oder dem Balkankrieg vor fast 30 Jahren. Hochproblematisch ist neben dem Zugriff des Kremls auf ein Atomwaffenarsenal die weltweite Abhängigkeit der globalen Wirtschaftssysteme von Russland und der Ukraine. Nicht nur als Rohstoff-, Lebensmittel- und Energielieferanten: Gerade auch der deutsche Mittelstand pflegt enge wirtschaftliche Beziehungen mit den Staaten Osteuropas. Die schnelle und entschlossene Abkopplung russischer Banken vom Zahlungssystem SWIFT – lange als „nukleare Option“ kaum für durchführbar befunden – stellt nun eine Zäsur für das Treasury von KMU wie auch für die globale Finanzindustrie dar. Geldtransfer kommt zum Erliegen Mit der Abkopplung russischer und auch belarussischer Banken vom Zahlungssystem SWIFT, das die Kommunikation der Banken untereinander absichert, ist es ad hoc gelungen, die Aggressoren wirtschaftlich weitgehend zu isolieren. Zumindest mit westlichen Staaten ist ein Handel – wie politisch gewollt – nun kaum mehr möglich. Das von der russischen Zentralbank initiierte Zahlungsnetzwerk SPFS wie auch das chinesische Transaktionsnetzwerk CIPS, die als mögliche Alternativen diskutiert worden sind, werden für hiesige Institute keine Rolle 8 04 | 2022

MARKT spielen. Schon jetzt ist erkennbar, dass gerade Großunternehmen ihre Geschäfte proaktiv einstellen, unabhängig von der Frage, ob eine Sanktion vorliegt. Geldinstitute können ebenfalls kaum riskieren, einen umfassenden Reputationsverlust mit ggf. einhergehenden Strafen zu erleiden, indem man Geschäfte mit sanktionierten Instituten vornimmt. Auch die gern diskutierte Variante, Krypto- Währungen zum Geldtransfer zwischen russischen Unternehmen und hiesigen Playern zu nutzen, dürfte in der Realität kaum durchführbar sein. Cash ist im Treasury nach wie vor King. Verantwortliche eines KMUs dürften zum einen wenig Ambitionen haben, sich in der Welt der Kryptos zurechtzufinden, zum anderen sind die technische Ausstattung und das erforderliche Know-how nicht vorhanden. Auch wird hier das gestiegene Cyber-Risiko deutlich, da immer wieder Krypto-Diebstähle von Hackern durchgeführt werden. Infolgedessen ist davon auszugehen, dass Transaktionen und Warenverkehr bis auf Weiteres gänzlich abreißen und Krypto-Währungen noch kein Allheilmittel sind. Interbankenverkehr: Warnsysteme greifen, KMUs vor Problemen Die abrupte Abkopplung großer internationaler Player vom Zahlungsverkehr dürfte bei Außenstehenden Erinnerungen an die Finanzkrise von 2008 geweckt haben. Der Kollaps großer Spieler im Finanzsektor, kombiniert mit undurchsichtigen Transaktionsnetzen, führte im Interbankenverkehr zu massiven Verwerfungen: Banken wagten nicht, Zahlungen oder gar Kredite an Wettbewerber zu vergeben, aus Angst diese könnten zahlungsunfähig werden bzw. mit anderen angeschlagenen Geldinstituten offene Geschäfte haben. Diese Ansteckungsgefahren sind inzwischen durch mehr Transparenz und ein verbessertes Monitoring deutlich gebannt. Die Abkopplung auch großer Institute führte auch deshalb nicht zu größeren Verwerfungen bei deutschen Playern. Anders stellt sich die Lage im Bereich der Corporates dar, wo man sich in den Tagen nach der Abkopplung darüber wundern musste, dass Unternehmen, Behörden, Rating- Agenturen und Verbände schlecht vorbereitet sind: Die Abkopplung russischer Banken von SWIFT trifft den hiesigen Mittelstand hart, da Forderungsmanagementsysteme kaum in der Lage sind, die Gefahren der Transaktionsflüsse abzubilden. Ein Treasurer hat im Regelfall nur eine zentrale IBAN und BIC von Partnerunternehmen hinterlegt, damit Zahlungen – etwa an Lieferanten – geleistet werden können. Es kann jedoch nicht entlang der Wertschöpfungskette erkannt werden, ob ausgeschlossene Banken mögliche „Stolperfallen“ im Transaktionsnetz darstellen. So läuft man als Unternehmen etwa Gefahr, Waren zu senden – kann jedoch im Gegenzug keine Zahlungen erhalten, sofern Konten der Partner direkt bei sanktionierten Banken oder deren Tochtergesellschaften liegen. Dieses komplexe Treasury-Zahlungsnetzwerk ist auf Ausnahmesituationen derzeit nicht vorbereitet. Ein Nachschärfen dürfte zentrales Learning der Krise sein. Wie gravierend die Auswirkungen etwa für den Mittelstand tatsächlich sein könnten, lässt sich aktuell noch nicht beziffern. Größere Verwerfungen, die sich über ausfallende Kredite auch schnell auf der Seite der Banken bemerkbar machen könnten, scheinen hier jedoch unwahrscheinlich. Risikomanager von Corporates waren bereits über die letzten Monate hinweg angehalten, im Osteuropa-Geschäft mit Vorsicht zu 04 | 2022 9

die bank

© die bank 2014-2020