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die bank 04 // 2022

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DIGITALISIERUNG

DIGITALISIERUNG SCHWERPUNKT OPRISK-FORUM WFH UND NON-FINANCIAL RISK MANAGEMENT MÖGLICHE AUSWIRKUNGEN VON COVID-19 AUF DAS RCSA 40 04 | 2022

SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG OPRISK-FORUM „Die Zeit, das Dach zu reparieren, ist, wenn die Sonne scheint“, lautet ein Zitat von John F. Kennedy. Aber wer, der nur Nieselregen kennt, hätte sein Haus auf den Sturm vorbereitet, den Covid-19 brachte? Die Banken hatten vorgesorgt. Dennoch zwang Corona viele im sinnbildlichen Unwetter hinauf aufs Dach, um eilig auf das Geschehen zu reagieren. Beispielsweise mit einer Homeoffice-Pflicht. Auswirkungen davon auf das Risk and Control Self-Assessment (RSCA) sowie Gegenmaßnahmen werden in diesem Beitrag diskutiert. Die Einschränkungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie zwangen viele Unternehmen, große Teile ihrer Belegschaft umgehend ins Homeoffice zu verlegen. Aufgrund der Plötzlichkeit der Geschehnisse blieb wenig Zeit, diesen Schritt in vollem Umfang vorzubereiten oder seine Auswirkungen genauer abzuschätzen. Insofern ist beispielsweise unklar, welchen Einfluss eine breitangelegte Verlagerung der Arbeiternehmer in heimische Arbeitszimmer auf wichtige Aktivitäten wie die Identifikation, Bewertung und Steuerung nichtfinanzieller Risiken hat. Schon länger deutete sich an, dass ein großer Teil der MitarbeiterInnen plant, auch nach dem Ende der Homeoffice-Pflicht zumindest teilweise weiter von daheim zu arbeiten, so ein HR Survey aus dem Jahr 2020 von Gartner. Insofern ist es sinnvoll, zunächst zu betrachten, welche Implikationen Arbeit aus dem Homeoffice allgemein haben kann, und davon ausgehend potenzielle Auswirkungen von Covid-19 auf das Risk and Control Self Assessment (RSCA) zu besprechen, das eine essenzielle und weit verbreitete Methode zur Identifikation, Bewertung und Steuerung nichtfinanzieller Risiken ist. Forschung zur Arbeit aus dem Homeoffice wird in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften oft unter dem englischsprachigen Begriff Work From Home (WFH) behandelt. Studien dazu untersuchen z. B. die Effekte von WFH auf individuelle Leistung, Teamleistung sowie Arbeitsplatzzufriedenheit. Die Ergebnisse zeichnen ein gemischtes Bild. Einerseits deuten sie darauf hin, dass WFH sowohl für die Beschäftigten als auch für die Organisation positiv sein kann. Beispielsweise zeigte sich in einer Feldstudie aus dem Jahr 2018 ein positiver Effekt von WFH auf Arbeitsleistung, Arbeitszufriedenheit und die Fluktuationsrate. 1 Andere Forscher 2 geben jedoch zu bedenken, dass frühere Studien möglicherweise nicht vollständig mit Covid-19-induziertem WFH vergleichbar sind, da letzteres obligatorisch und ohne größere Vorbereitung eintrat. So wurden viele Schulen kurzfristig geschlossen, und auch Partner oder andere Mitbewohner waren gezwungen, von zu Hause zu arbeiten. Aus diesem Grund ist es zweifelhaft, dass sich die positiven Auswirkungen von WFH immer uneingeschränkt entfalten können, da wichtige Voraussetzungen – wie über einen geeigneten Ort zum Arbeiten zu verfügen und dort weniger Ablenkungen ausgesetzt zu sein – nicht immer erfüllt sind. Andererseits scheint soziales Faulenzen – auch bekannt als Social Loafing – vermehrt im Kontext von WFH aufzutreten und ein problematischer Faktor für virtuelle Teams zu sein, der ihre Gesamtleistung verringern und zu der Tendenz führen kann, dass einige Mitarbeiter sich bei gemeinsamer Arbeit offenbar weniger anstrengen als bei individueller Arbeit. In einigen Untersuchungen werden als Beleg dafür bspw. Teammitglieder angeführt, die nur geringfügige Beiträge zu gemeinsamen Aufgaben leisten, an wichtigen Terminen nicht teilnehmen und ganz allgemein ihren Einsatz bei Teamarbeit auf ein Minimum beschränken. Relevante Faktoren für das vermehrte Auftreten von sozialem Faullenzen im Kontext von WFH sind wohl unter anderem eine geringere persönliche Verantwortlichkeit gegenüber dem Team sowie eine höhere Anonymität der individuellen Beiträge. Darüber hinaus berichten Studien übereinstimmend von einer verstärkten Tendenz zu Konformität in neu gebildeten Teams, die virtuelle Kommunikationsmittel wie Chats nutzen. Zusammengefasst kann also angenommen werden, dass die negativen Folgen von WFH die positiven überwiegen. Doch welchen Einfluss hat dies auf die Art und Weise wie Banken nichtfinanzielle Risiken erkennen, bewerten und steuern? Das Risk and Control Self Assessment - eine Kurzbeschreibung Das RCSA ist ein zentrales und weit verbreitetes Instrument zur Identifizierung, Bewertung und Steuerung von nichtfinanziellen Risiken. Es ist Teil mehrerer Rahmenwerke und wird insbesondere in der Finanzbranche weitgehend als Best Practice akzeptiert. Insofern ist seine Betrachtung besonders für die Beurteilung der Frage, welche Einflüsse von Covid-19 auf die Identifikation, Bewertung und Steuerung nichtfinanzieller Risiken im Finanzbereich zu erwarten sind, geeignet. Dazu sollte zunächst seine grundlegende Methodik herausgestellt werden. Beim RCSA handelt es sich um ein Instrument, das typischerweise auf Workshops basiert und darauf abzielt, Risiken mittels Expertendiskussionen zu identifizieren, zu bewerten und schließlich ihre Handhabung zu vereinbaren. In diese 04 | 2022 41

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