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die bank 04 // 2018

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG

DIGITALISIERUNG TRENDSETTER MIT POSITIVEN ERFAHRUNGEN Instant Payments – von der Batch- in die Realtime-Welt Seit November 2017 sind Instant-Payment-Zahlungen auch in Deutschland möglich. Tatsächlich angeboten wird diese aktuell schnellste Überweisungsvariante aber – noch – nur von der HypoVereinsbank. Und die Münchener Bank hat bislang nur gute Erfahrungen gemacht, wie im Rahmen der Veranstaltung „Zahlungsverkehr der Zukunft“ in Köln zu erfahren war. Machen Sie mit! fordert eine Rednerin ihre Zuhörer auf und versichert noch, dass es nicht weh tue, aber eine Menge Spaß bringe. – Wer diese Worte in den Räumen des Kölner Rhein-Energie-Stadions hört, denkt wahrscheinlich zunächst an sportliche Betätigung. Allerdings war die Rednerin Corinna Lauer, Spezialistin für Payment Products bei der HVB, eine der profiliertesten Fachfrauen im deutschen Zahlungsverkehr, und die Zuhörer stammten größtenteils aus dem gleichen Branchenkreis. Gemeint waren dann auch keine Dribbelübungen oder Fußball-Schüsse auf den Torwart, sondern eine neue Variante des europäischen Zahlungsverkehrs namens Instant Payments (SEPA Credit Transfer inst bzw. SC- Tinst), auch bekannt als Echtzeitüberweisung. Die hat es aber durchaus in sich und kann mit rasanten Zahlen aufwarten, die dann doch wieder an sportliche Höchstleistungen denken lassen. Die Spielregeln dieser blitzschnellen Bezahlvariante, die eines nicht mehr allzu fernen Tages die gewohnte Überweisung ablösen kann, sind einfach erklärt: Bis zu 15.000 € können pro Überweisung quasi von einer Spielfeldhälfte in die andere wechseln und sind innerhalb von maximal zehn Sekunden auf dem Empfängerkonto verfügbar. Das alles funktioniert rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr und quer durch 34 europäische Staaten, die am SEPA-Verfahren teilnehmen. Mithilfe der Echtzeit-Zahlung lassen sich die bisherigen SEPA-Überweisungen (SCT) ablösen. Besonders empfiehlt sich das Verfahren natürlich dort, wo es schnell gehen muss, etwa bei Autokäufen oder Anzahlungen. Bislang ist erst eine deutsche Bank aktiv Ob sie Instant-Zahlungen anbieten, ist für die 4.285 SEPA-fähigen Banken optional. Wenn sie sich dafür entscheiden, müssen sie zumindest passiv Instant Payments handeln können, also auf der Begünstigten-Seite erreichbar sein. Aktuell sind 578 BICs bei EBA-Clearing adressierbar. Das Unternehmen betreibt mit der RT1-Plattform die bislang einzige Clearingstelle für Instant Payments. In der Praxis bietet in Deutschland bislang nur die Unicredit-Tochter HypoVereinsbank Instant Payments (IP) an. Die Münchener waren die Vorreiter, als sie am 20. November 2017, punkt 8:00 Uhr, die erste IP-Überweisung starteten – zeitgleich mit dem Start von RT1. Ganze 2,5 Sekunden dauerte es dabei, bis der Geldbetrag auf dem Empfängerkonto in Italien gutgeschrieben wurde. Mit steigenden Userzahlen und mehr Traffic könnte sich diese Zeit in der Zukunft wahrscheinlich langfristig wohl etwas verlängern, aber die HVB hat in Sachen Abwicklungsdauer bislang nur positive Erfahrungen gemacht und 90 Prozent aller Zahlungen in weniger als fünf Sekunden abgewickelt. Ausfälle des Systems wurden nicht gemeldet, „es läuft wie geschmiert“, berichtete Corinna Lauer im Rahmen der Bank-Verlag-Fachkonferenz „Zahlungsverkehr der Zukunft“ im Kölner Stadion. Deutsche Bank, Sparkassen und Genossen stoßen im Jahresverlauf hinzu Und die Münchener werden noch eine Zeit lang Trendsetter bleiben. Die deutschen Sparkassen wollen im Sommer mit IP starten, die Genossenschaftlichen Institute sowie die Deutsche Bank haben ihren Einstieg für November 2018 angekündigt. Bis dahin gehen die von der HVB abgewickelten IP in erster Linie ins Ausland – vor allem nach Österreich, Italien, Spanien und die Niederlande. Umgekehrt kommen IP-Zahlungen, die HVB-Kunden erhalten, meist aus den Niederlanden. Ein beliebter Einsatzfall für Instant Payments sind derzeit etwa Anzahlungen für Urlaubsreisen. Ein Drittel der Transaktionen geht bereits an Firmenkunden. Aus ihren Erfahrungen mit Instant Payments berichtete Lauer, dass die Rückgabequote für Echtzeitüberweisungen etwas höher liege als bei normalen SEPA-Überweisungen. Das liege z. B. daran, dass noch nicht alle Konten, die für SEPA-Zahlungen adressiert werden können, auch für Instant-Zahlungen erreichbar sind. Ablehnungen treten etwa bei Währungs-, Spar- oder Darlehenkonten auf. Auch derartige Spezialkonten sollen künftig für Echtzeitüberweisungen geöffnet werden. Im Rahmen der weiteren Marktentwicklung wird sich das Überweisungsgeschehen weiter von SCT auf die Instant-Zahlungen verlagern. Wenn bis Ende des Jahres auch die zuvor genannten Banken und Sparkassen Instant Payments anbieten, werden endlich 70 bis 80 Prozent des deutschen Markts erreichbar sein. Damit wird es dann richtig interessant. 68 04 // 2018

DIGITALISIERUNG Spannende Themen verlangten nach Konzentration. on. Referentin Corinna Lauer. Nach einer Umfrage des European Payment Councils geht die überwiegende Mehrheit der befragten Fachleute davon aus, dass im Jahr 2020 die „kritische Masse“ erreicht sein wird. Spätestens dann werden auch auf der Clearing-Seite mehr Kapazitäten benötigt. Instant Payment mischt die Karten neu Im November 2018 soll dann TIPS in Betrieb gehen, das TARGET Instant Payment Settlement System, das auf Initiative der EZB geschaffen wurde. Die Echtzeitüberweisung steht sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen zur Verfügung. Das System ist ein Teil von TARGET 2, dem Echtzeit-Bruttozahlungssystem des Eurosystems. Der Dienst soll – zumindest in den ersten beiden Jahren – günstiger als eine normale SEPA-Überweisung angeboten werden und nur maximal 0,2 Cent pro Transaktion kosten. Was für die Banker besonders interessant ist: TIPS bietet Clearing und Settlement aus einer Hand – mit Zentralbankgeld. Dadurch ergibt sich allerdings eine neue Kluft: Die zwischen der alten „Batch-Welt“, in der die meisten Banken noch operieren, und der neuen „Realtime-Welt“. Es wird deshalb eine Schnittstelle gebraucht zwischen den Automated Clearing Houses und den CoreBanking-Systemen der Banken. Dazu benötigt man eine Lösung, die die diversen Eingangskanäle (Online Banking bzw. Banking-App und in Zukunft noch die neue PSD 2-Schnittstelle oder eine Bezahl-App) aufnimmt und an das Clearinghaus in Realtime weiterverarbeitet sowie die entsprechenden Informationen der Bank im Batch-Verfahren – wie wohnt – zur Verfügung stellt. ge- Welche Möglichkeiten zur Einbindung von TIPS in bestehende Infrastrukturen bereits bestehen oder gerade geschaffen werden, erläuterte E-Banking-Experte Armin Müller. Er stellte eine Architekturlösung vor, die darauf vorbereitet ist, den höheren Traffic nach der TIPS-Startphase aufzufangen und die eine skalierbare Parallelverarbeitung aller Transaktionen ermöglicht. Auch die Disposition und die Abfrage von Embargolisten können hierüber erfolgen. Das vorgestellte Modell sieht eine hochverfügbare, zentrale Verarbeitungs-Plattform vor. Die Daten werden während der Verarbeitung in einer In-Memory-Datenbank gehalten, die Arbeiten laufen in verteilt-vernetzten Working Nodes mit einem Active Writing Node ab. Die kompletten Datenbestände unterliegen einer Realtime-Synchronisation, sodass bei Störungen eines Nodes eine sofortige Übernahme durch den redundanten Bereich ohne Ausfall sichergestellt ist. Realitätsnahe Lasttests auf einem Node ergaben eine Performance von 2.000 Transaktionen pro Sekunde, aber Müller stellte weitere Optimierungen in Aussicht. Angeboten werden mehrere Realisierungs-Optionen. Unter anderem ist es möglich, das Überweisungs-Limit entweder durch die Bank oder durch den Dienstleister oder durch den Dienstleister als Backup durchzuführen. Das generelle Transaktionslimit von 15.000 € kann je nach Kunde auch abweichend eingerichtet werden. Ebenso ist es möglich, Tages- bzw. Auftragslimite sowohl gegenüber allen als auch nur gegenüber bestimmten Banken oder Auftraggebern zu setzen. Auch für den Bereich Disposition lassen sich die verschiedensten Parameter realisieren. Die Dispositionsprüfung erfolgt entweder durch die Bank oder durch ihren Dienstleister. Disponiert die Bank selbst, überprüft der Dienstleister nur optional gegen das Limit- Modul und übergibt anschließend die ausgehende Instant-Payment-Zahlung an die Bank bzw. eingehende IP-Zahlungen von EBA- Clearing oder der EZB in Real- oder Neartime zur weiteren Verarbeitung. Noch umfangreicherer Service ist denkbar für die Variante, wenn der Dienstleister auch für die Disposition zuständig ist. In diesem Fall sind auch die Berücksichtigung von Kontostand, allen E-Banking-Zahlungen, allen Kartentransaktionen sowie allen Vormerkungen – auch von nicht in eigenen Systemen gespeicherten Transaktionen – möglich. Ebenso gehört natürlich auch hier die Prüfung ausgehender sowie die Berücksichtigung eingehender Instant-Payment-Zahlungen dazu, außerdem die Prüfung auf Aufträge an der PSD 2-Schnittstelle. Eine runde Sache also – fast so rund, wie die Lederkugel, die sonst die Hauptrolle im Stadion spielt. Autorin: Anja U. Kraus. 04 // 2018 69

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