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die Bank 04 // 2017

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT INTERVIEW

MANAGEMENT INTERVIEW Deutsche wurden zu Barzahlern erzogen Mit Zahlungsverkehr kennt sich Oliver Hommel bestens aus. Seit 15 Jahren arbeitet er in diesem Bereich, seit drei Jahren als Experte bei der Management- und Technologieberatung Accenture. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt darin, Banken und Sparkassen in Fragen des digitalen Zahlungsverkehrs und der im Umfeld entstehenden Ökosysteme zu beraten. Zuvor war der Diplomvolkswirt u. a. als Abteilungsdirektor des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) zuständig für Kartenstrategie und Kartenprodukte der Gruppe und beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) für die Kartenstrategie verantwortlich. In dieser Zeit hat Hommel die deutsche Kreditwirtschaft in internationalen Gremien vertreten und europäische Standardisierungsinitiativen mit vorangetrieben. die bank: Die Deutschen lieben Bargeld. Laut EHI Retail Institute werden immer noch 52 Prozent der Käufe im Einzelhandel mit Scheinen und Münzen beglichen. Wie erklären Sie sich den hohen Anteil? An Alternativen mangelt es ja nicht. Hommel: Banken und Sparkassen, aber auch der Handel sind nicht ganz unschuldig an der Entwicklung. Beide haben die Deutschen jahrzehntelang zu Barzahlern erzogen. So war seitens der Kreditinstitute der Bargeldbezug lange das Hauptargument für das Girokonto-Angebot. Hinzu kam der Aufbau einer Überversorgung mit Geldautomaten. Der Handel hat seinen Kunden zudem über Jahre suggeriert, Kartenzahlungen seien nicht gern gesehen. Zwar verändert sich das seit einigen Jahren, aber Verhaltensänderungen brauchen nun mal Zeit. Um den Menschen klarzumachen, dass bargeldloses Zahlen von allen Beteiligten erwünscht ist, kann eine intensivere Kommunikation helfen. die bank: Der iPhone-Hersteller Apple bietet heute u. a. schon in den USA, China, aber auch in Frankreich und der Schweiz seinen Bezahldienst Apple Pay an. Google kontert mit Android Pay. Was würde deren Start in Deutschland für den hiesigen Markt bedeuten? Hommel: Der Markteintritt derart prominenter Spieler könnte das Rennen um Mobile-Payment-Lösungen in Deutschland beschleunigen und als Katalysator dienen. Darauf lassen zumindest die Erfahrungen in anderen Märkten schließen. So hat der Start von Apple Pay in der Schweiz beispielsweise dazu geführt, dass sich die Banken recht rasch zusammengeschlossen haben, um dem etwas entgegensetzen zu können. die bank: Welche Chancen würden Sie einem Bezahldienst Apple Pay in Deutschland einräumen? Hommel: Die Marktdurchdringung von Apple-Geräten mit iOS-Betriebssystem und Kreditkarten ist in Deutschland deutlich geringer als z. B. in der Schweiz oder in Großbritannien. Daher werden die Transaktionszahlen am Anfang sicherlich eher gering sein. Aber Apple Pay hat das Potenzial, seine feste Nische im Payment- Markt zu finden und zu behaupten – zumal Apple ja sehr loyale Kunden hat, die dann gern jeden Service des Unternehmens in Anspruch nehmen. die bank: Welche Chancen räumen Sie den Pilotprojekten deutscher Geldhäuser ein? Wer hat die Nase vorn? Hommel: Die derzeitigen Pilotprojekte haben eher den Charakter technischer Machbarkeitsstudien. Am Ende wird der Anbieter die Nase vorn haben, der sich an den Bedürfnissen der Kunden orientiert. Kunden erwarten mehr als eine reine Payment-Lösung. Zahlungsverkehr wird immer mehr mit seiner Umwelt verschmelzen und unsichtbarer werden. Erfolgreiche Lösungen müssen daher das gesamte Ökosystem betrachten und nicht nur den reinen Bezahlvorgang. die bank: In China ist das Bezahlen per Smartphone längst üblich. Das Land gilt sogar international als Vorreiter. Was läuft in China anders als in Deutschland? Hommel: Zum einen entwickelt sich der digitale Markt in China ohnehin schneller als in Deutschland. Allerdings wurde dort und anderswo das Potenzial elektronischer Transaktionen weit früher erkannt. Auch die staatliche Förderung dürfte im Fall- Chinas die Entwicklung beschleunigt haben. Staatliche Initiativen zur Förderung bargeldloser Transaktionen sehen wir in 66 04 // 2017

MANAGEMENT 2., überarbeitete und erweiterte Auflage Modellrisiko und Validierung von Risikomodellen Oliver Hommel zieht Karten vor. Regulatorische Anforderungen, Verfahren, Methoden und Prozesse Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage Deutschland aber eben nicht, dabei hätte dies auch für den Staat und die Gesellschaft viele Vorteile. So würden Diebstahl und Raub an Attraktivität verlieren, die Schattenwirtschaft könnte schrumpfen. die bank: In Ländern wie Dänemark nutzen bereits mehr als drei Millionen Kunden eine App der Den Danske Bank, über die Privatpersonen einander kleine Beträge überweisen können. In den USA können sich Kunden des Chatdiensts We- Chat gleichfalls untereinander Geld schicken. In Deutschland bieten mehrere Fin- Techs diese Möglichkeit an. Weit verbreitet sind die Handy-zu-Handy- Überweisungen jedoch nicht. Warum? Hommel: Ein Grund ist sicherlich, dass Konsumenten möchten, dass der gesendete Betrag wie Bargeld sofort für den Empfänger verfügbar ist. In Ländern wie Dänemark, Schweden oder Großbritannien gibt es dafür schon die notwendigen Abwicklungssysteme. In Deutschland wird dies erst in den kommenden Jahren mit dem neuen europäischen Instant-Payment-Verfahren möglich werden. Wichtig wird dann sein, dass möglichst schnell möglichst viele Banken mitmachen, um so die notwendigen Netzwerkeffekte zu erreichen. die bank: Wann werden Handys oder Smart Watches die Geldbörse mit Münzen und Scheinen auch in Deutschland komplett verdrängt haben? Hommel: Wir werden sicherlich auch noch in zehn Jahren in bestimmten Bereichen Bargeld nutzen. Der Anteil wird aber zugunsten elektronischer Transaktionen drastisch und schneller zurückgehen als bisher. Insgesamt wird es in den kommenden Jahren bunter am Markt. Ich rechne mit einer wachsenden Auswahl an Zahl- und Abwicklungsverfahren und dem Nebeneinander unterschiedlicher Technologien wie Kartenzahlung, Mobile Payment und Online-Zahlungen. die bank: Teilen Sie persönlich die Liebe der Deutschen zum Bargeld? Hommel: Ich versuche, so weit wie möglich, bargeldlos zu leben. Ganz gelingt das aber auch mir nicht. In vielen Alltagssituationen ist es einfach nicht möglich, mit Karte oder Mobiltelefon zu zahlen. die bank: Herr Hommel, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Eli Hamacher. Jetzt Marcus R. W. Martin | Peter Quell | Carsten S. Wehn (Hrsg.) bestellen Modellrisiko und Validierung von Risikomodellen Marcus R. W. Martin, Peter Quell, Carsten S. Wehn (Hrsg.) ISBN 978-3-86556-470-2 Artikel-Nr. 22.496-1700 79,00 € www.bank-verlag-shop.de medien@bank-verlag.de 04 // 2017 67

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