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die Bank 04 // 2017

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT gen treffen,

MANAGEMENT gen treffen, bekommt einen QR-Code, geht damit zu einem der Self-Service-Terminals der SBB und zahlt dort den gewünschten Betrag ein. Im Geschäftsmodell von Western Union werde Bargeld auf längere Sicht noch eine entscheidende Rolle spielen, ist der Volkswirt überzeugt. Noch immer würden zum Beispiel die Deutschen am liebsten im Einzelhandel mit Bargeld zahlen. Nach Angaben des EHI Retail Institute lag dieser Anteil im Jahr 2015 bei 52 Prozent. Knapp jeder Vierte beglich die Rechnung mit EC-Cash/ Girocard, 14 Prozent wählten das elektronische Lastschriftverfahren und nur sechs Prozent die Kreditkarte. Binnen zehn Jahren hat sich der Anteil der Bargeldzahler nur um zwölf Prozentpunkte verringert. Ein neues Hybrid-Modell, das die Western Union Anfang 2017 in Deutschland starten will, soll deshalb auch alte und neue Welt miteinander verbinden. Wie in der Schweiz kann der Kunde die Transaktion via App beginnen, bekommt einen Code und zahlt das Geld dann an einer der Western-Union-Geschäftsstellen ein. Mit ihren rein digitalen Diensten will Western Union vor allem neue Kundengruppen erschließen. Interne Untersuchungen haben gezeigt, dass die Hälfte dieser Nutzer zur Gruppe der sogenannten Millennials gehöre, die also um die Jahrtausendwende mit dem Internet groß geworden ist. Mit 80 Prozent habe der Löwenanteil dieser Kunden Western Union zuvor noch nicht genutzt. Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher Schon 2012 hatten die Amerikaner in San Francisco ein Innovationslabor eingerichtet, um zu testen, wie sich Geld künftig auf neuen Wegen übertragen lässt. So können die Nutzer der Chatprogramme WeChat in den USA und Viber in Asien sich heute schon ganz unkompliziert untereinander Bares per Knopfdruck zuschicken. Denkbar sei dieser Weg grundsätzlich auch in Deutschland. „Wir wollen unsere Produkte dort integrieren, wo Kunden Bedürfnisse sehen. Wenn etwa ein Sohn seiner Mutter einen Glückwunsch zum Geburtstag schickt, kann er zeitgleich 50 € für einen tollen Blumenstrauß senden“, erklärt Seitner. Wolle jemand Geld transferieren, versuche Western Union so viele Optionen wie möglich anzubieten. In der Schweiz etwa läuft derzeit ein Pilotprojekt mit der Schweizer Bundesbahn (SBB). Via Handy kann der Sender die Vorbereitun- Neue Kundengruppen erschließen Noch steuern Überweisungen von Mensch zu Mensch den Löwenanteil zu Umsatz und Gewinn bei. Doch neue Standbeine sollen das Geschäft auf eine breitere Basis stellen. So werde künftig das Geschäft mit Überweisungen an und zwischen Unternehmen forciert, kündigt Seitner an. Aus Western Union, dem amerikanischen Traditionsunternehmen, soll die globale Marke WU werden. Unterdessen wird immer wieder Kritik an den hohen Gebühren für die Geldtransfers laut. Western Union ist in vielen Gegenden die einzige Möglichkeit, Geld zu überweisen und zu empfangen. Es gibt kaum Konkurrenz, und das lässt die Gebühren steigen. Kritikern stößt das Motto des Konzerns „Moving money for better“ (Geld verschicken für eine bessere Welt) denn auch eher bitter auf. Seit Jahren fordert die Weltbank, dass Dienste wie Western Union ihre Gebühren senken – auf höchstens drei Prozent. Seitner sieht das naturgemäß anders, verweist auf das engmaschige weltweite Filialnetz und die steigenden Kosten für die Regulatorik. Die Digitalisierung bringe aber mit Blick auf die Kosten für den Kunden Vorteile. Versendungen von online zu online könnten günstiger angeboten werden als der Versand von Standort zu Standort. Und immerhin: Bei Geldtransfers in Katastrophengebiete wie Italien oder Haiti berechnet Western Union keine Gebühren. Autorin: Eli Hamacher. 64 04 // 2017

MANAGEMENT Der Chef Herbert Seitner hat ein Faible für Reisen. Bei der Eine-Million-Euro-Frage muss Herbert Seitner nicht lange überlegen. Wie er diesen Betrag, bekäme er ihn plötzlich geschenkt, anlegen würde? Anders als bei Kollegen aus der Finanzwelt kommen dem gebürtigen Österreicher nicht sofort die Klassiker wie Aktien, Anleihen oder Betongold in den Sinn. „Ich würde mit meiner Frau eine Weltreise machen.“ Zu seinem Job bei einem der führenden Anbieter von weltweiten Geldtransfers passt der Plan gut. Seitner, der Volkswirtschaft an der Universität Wien studiert hat, stieß 2006 zu Western Union, sammelte zunächst Erfahrungen als Direktor für Planung und Analyse sowie als Vice President Finance für ausgewählte Regionen, bevor er im Frühjahr 2014 zum Vizepräsidenten für Zentraleuropa aufstieg. In dieser Funktion verantwortet er die Positionierung des Finanzdienstleisters in 13 Schlüsselmärkten, zu denen neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch Polen zählt. Begonnen hat der heute 41-Jährige seine Laufbahn als Finanzdirektor beim Zahlungslösungsanbieter First Data Corporation sowie als Europachef bei Hewlett Packard. Sein erstes Geld verdiente der Österreicher schon als 15-Jähriger, während der sechswöchigen Ferien in der Logistikabteilung eines chemischen Unternehmens. Umgerechnet um die 300 € habe er damals als Lohn bekommen und sei wahnsinnig stolz gewesen, erinnert sich Seitner. Das vergesse man ebenso wenig wie das erste größere Investment – ein blauer VW Golf 3 während des ersten Jobs – und die erste Aktienanlage, die „ein Investment zur falschen Zeit am richtigen Ort“ gewesen sei. Als Zeitpunkt für seine Börsenpremiere hatte sich der Einsteiger die Zeit des New Economy-Booms ausgesucht. Immerhin, das Unternehmen gibt es noch, und es ist nicht wie zahlreiche andere pleitegegangen. Fit hält sich der Manager neben Wintersport mit Yoga. Wann immer möglich, zieht es ihn in die Welt hinaus, am liebsten in die USA, nach Kalifornien. Seitner lebt mit seiner Frau in Zürich. Von dort ist für den begeisterten Skifahrer auch der Weg in Top-Skigebiete etwas kürzer als von Frankfurt, wo er unter der Woche arbeitet. Das Unternehmen Western Union wurde 1851 in Rochester im Bundesstaat New York als „The New York and Mississippi Valley Printing Telegraph Company“ gegründet. 1861 stellte das Unternehmen die erste transkontinentale Telegraphenlinie fertig, 1869 folgte der erste Börsenfernschreiber und 1870 ein standardisierter Zeitservice. Nach Telegrammen, Börsentickern und Faxen bot Western Union 20 Jahre nach der Gründung erstmals Bargeldtransfers an, zunächst nur in den USA. Erst in den frühen 1980er Jahren dehnte der Konzern nach sinkenden Gewinnen und steigenden Schulden das Geschäft auf Gebiete außerhalb der USA aus und zog sich langsam aus den telekommunikationsbasierten Anlagen zurück. 1994 schließlich wurde das Unternehmen aufgekauft und nach einer späteren Fusion ausgegliedert sowie an die Börse gebracht (2006). Western Union ist an der New York Stock Exchange und im S&P 500 Index gelistet. Ein großer Teil des Konzerns gehört heute klassischen Investmenthäusern und großen Banken wie Capital Research Global Investors, Vanguard, Fidelity Investments, Blackrock, Bank of New York Mellon, SEB, Wells Fargo. Vorstandsvorsitzender ist seit 2010 Hikmet Ersek, wie das Gros seiner Kunden ein Migrant. Geboren in Istanbul, der Heimat seines türkischen Vaters, ging Ersek mit 19 Jahren nach Wien in die Heimat seiner Mutter. Er studierte Wirtschaft, startete seine Karriere 1986 bei einer Kreditkartenfirma, die später in Mastercard aufging. Nach einer Station bei General Electric kam er Ende der 90er Jahre zu Western Union. Sein Aufstieg bis an die Spitze eines US-Konzerns zählt zu den ungewöhnlichen Karrieren in der Finanzwirtschaft. Neben Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, der seit 2008 den Aluminiumhersteller Alcoa führt, Martin Richenhagen, CEO beim Landmaschinenhersteller AGCO, und dem Türken Muhtar Kent, der seit 2008 an der Spitze von Coca Cola steht, sind Europäer die absolute Ausnahme als CEO bei US-amerikanischen Unternehmen. 04 // 2017 65

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