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die bank 04 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó IT & KOMMUNIKATION

ó IT & KOMMUNIKATION Die kleinen Extras müssen das Geschäft definieren INSTANT PAYMENTS Das Euro Retail Payments Board hat das Gremium der Zahlungsdienstleister – den Zahlungsverkehrsrat – aufgefordert, bis November 2016 ein Regelwerk für Echtzeitzahlungen zu entwickeln. Ein Jahr später soll das auf SEPA-Überweisungen basierende Verfahren eingeführt sein und allen Zahlungsdienstleistern in den 34 SEPA-Ländern zur Verfügung stehen. Ein ambitionierter Zeitplan, der alle Beteiligten vor Herausforderungen stellt. Aber profitieren Händler und Verbraucher wirklich von der neuen Regelung? Und wo könnte das Geschäftsmodell für die Banken liegen? Anja U. Kraus Keywords: Echtzeit-Zahlung, Regulierung, Geschäftsmodelle, Risikovorsorge Schneller und immer noch schneller: Wir regeln unser Leben zunehmend digital, eröffnen Konten am heimischen PC und müssen nicht einmal zur Legitimation noch das Haus verlassen. Wir kaufen online und halten die Ware am nächsten Tag in den Händen. Internethändler Amazon liefert mittlerweile bestimmte Bestellungen sogar noch am gleichen Tag per Drohne aus. Warum also sollte die Bezahlung nicht auch in Echtzeit funktionieren? Nicht nur die Regulierung fordert von den Dienstleistern hier mehr Tempo und eine neue Konzeptionierung des Zahlungsverkehrs. Auch andere Wettbewerber wie etwa FinTechs setzen die Branche unter Erfolgsdruck. Richtig schnell sollen Zahlungen mittels Instant Payment werden. Das Verfahren bietet vom Grund her gute Voraussetzungen, zum „Cashless Cash“ zu werden – sofern ein Scheme bereitsteht, das europaweit für alle Payment Service Provider offen steht und von diesen umzusetzen ist. Derzeit dauert eine Überweisung durchschnittlich einen Arbeitstag. Diese Verkürzung gegenüber den von früher gewohnten Laufzeiten ist dem einheitlichen Euro Zahlungsverkehrsraum SEPA zuzuschreiben. Der Anspruch einer Echtzeitzahlung lässt sich so natürlich nicht erfüllen. EPRB-Anforderungen an Instant Payments Die Anforderungen an echtes Instant Payment sehen jedoch vor, dass die Reservierung auf dem Zahler-Konto und die Verfügbarkeit auf dem Empfänger-Konto verbindlich innerhalb weniger Sekunden erfolgt sein muss. Die genaue Taktung bleibt abzuwarten; in der Diskussion ist ein Zeitraum von fünf bis zehn Sekunden. Der Empfänger kann direkt und in vollem Umfang über die Summe verfügen. Wichtig ist, dass beide Seiten unmittelbar die der Transaktion zugrunde liegenden Informationen einsehen können, selbst, wenn am Ende das tatsächliche technische Settlement (die Gutschrift beim Empfänger) nachgelagert sein sollte. Die Transaktion muss final sein, es gibt keine Möglichkeit, „versehentliche Käufe“ zu stornieren. Ob Zahlungen in jeder Höhe möglich sein werden, steht noch nicht fest. Und, ganz klar, das System muss an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr verfügbar sein. Instant Payment ist abzugrenzen beispielsweise von Paypal. Dabei finden Zahlungen nur in einem „Paypal-internen“ Raum statt; Transaktionen werden ausschließlich zwischen registrierten Nutzern verbucht. Händler erhalten zwar sofort eine Zahlungsgarantie, aber das Settlement findet eben nachgelagert statt. Andere existierende Systeme, wie beispielsweise kesh, funktionieren zwar quasi in Echtzeit, allerdings wird auch dabei nur Geld zwischen registrierten Nutzern umgebucht – zumal: Geld, das zuvor als Guthaben bei kesh deponiert wurde. Instant Payment jedoch wird relevant für den gesamten SEPA-Anwendungsbereich, für private Nutzer ebenso wie für Firmenkunden (und übergreifend Reach). Ideen, wie Echtzeitzahlungen funktionieren können, gibt es viele. In 18 Ländern gibt es bereits Realtime-Payment-Systeme, wenngleich bislang noch kein System existiert, das sowohl nationales als auch internationales Clearing kombiniert ” 1. Der Auftrag des Euro Retail Payments Boards (ERPB) an den Zahlungsverkehrsrat EPC zur Schaffung und Implementierung eines einheitlichen Standards bis November 2016 hat neben dem Vorteil der SEPA-weiten Reichweite auch den Vorzug, dass alle Beteiligten Klarheit z. B. über die Schnittstellen haben. Regionale Insellösungen hätten zu einer noch stärkeren Fragmentierung des Markts geführt. 76 diebank 04.2016

IT & KOMMUNIKATION ó Die Kreditwirtschaft ist sich der Dringlichkeit des Themas bewusst. Schon Ende 2014 gaben 80 Prozent der von PPI befragten Institute zu Protokoll, sie sähen hohen bis sehr hohen Handlungsbedarf bei der Etablierung von SEPA Realtime Payments. 1 Haupttreiber sind laut einer weltweiten Studie von SWIFT jedoch die regulatorischen Anforderungen. Und dabei hat nicht zuletzt die Europäische Zentralbank auf ein flottes Tempo gedrängt. Forderte die EZB im November 2014 die Entwicklung und Implementierung eines einheitlichen Schemes für Instant Payments, so formulierte der ERPB nur drei Wochen später bereits den Bedarf nach einer europaweiten Lösung. Ein halbes Jahr später wurde der EPC zur Vorlage eines Instant SEPA Credit Transfer Scheme (SCTinst) bis November 2015 aufgerufen. Ende November schließlich erfolgte dann die zuvor genannte Aufforderung, das für den gesamten SEPA-Raum einheitliche Regelwerk innerhalb nur eines Jahres vorzulegen. 2 Vielfache Einsatzmöglichkeiten Einsetzbar sind Echtzeitzahlungen prinzipiell im gesamten Spektrum des Zahlungsverkehrs, und die Möglichkeiten sind vielfach: Von Zahlungen im Handel am POS-Terminal über private P2P-Transaktionen bis hin zu Governmental Payments, also dem Begleichen von Steuern oder Gebühren. Ein riesiger Einsatzbereich dürfte vor allem der E-Commerce werden. Instant Payments könnten theoretisch auch auf den Bereich der Wechsel oder Dokumentenakkreditive Auswirkungen haben. Gelieferte Ware ließe sich z. B. noch auf dem Lkw überprüfen und könnte just vor dem Abladen in Echtzeit bezahlt werden – wobei der Händler sein Lieferrisiko ggf. anhand geeigneter Incoterm-Lieferbedingungen relativieren könnte. EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch, zugleich Vorsitzender des ERPB, spricht von Vorteilen aus der Anwendung von Instant Payments sowohl aufseiten der Händler als auch der Verbraucher. Das sei dahingestellt. Dem redlichen Käufer dürfte es gleichgültig sein, ob seine Zahlung direkt beim Händler eintrifft oder ob der Händler nur eine Garantie zur Zahlung einer Summe X von einer dritten Partei erhält. Grundsätzlich ist eine Akzeptanz für solche Verfahren jedoch am Markt vorhanden, das belegte auch bereits die EHI Studie „E-Commerce-Markt Deutschland 2014“. Demnach konnte Paypal vor zwei Jahren auf dem Gesamtmarkt schon mehr als 20 Prozent Umsatzanteil an den Zahlungsarten verbuchen. Das Institut ibi Research an der Universität Regensburg geht davon aus, dass die Mehrheit der Endkunden, und dazu zählen Händler ebenso wie Käufer, aus dem Einsatz von Instant Payments Nutzen ziehen könnte. Wo ein E-Commerce-Händler heute vor dem Warenversand den Eingang einer Überweisung abwartet, ergebe sich der objektive Nutzen einer schnelleren Kauf- und Versand-Abwicklung. Hinzu komme der „subjektive Nutzen“, dass sich Real Time so nicht nur bei der physischen Lieferung, sondern auch in der Bezahlung durchsetze. Für den Händler liegt der Vorteil von Instant Payment zuallererst im Preis. Ihn beschäftigt die Umwandlungsrate (Verhältnis Besucher auf der Webseite zu getätigten Käufen). Für eine gute Conversion Rate ist es wichtig, dass der Kunde an der virtuellen Kasse sein bevorzugtes Bezahlsystem findet, sonst bricht er den Kauf schnell ab. Allerdings zeigt die ibi-Untersuchung auf, dass der beim Kunden beliebte Rechnungskauf den Händler derzeit 8,30 € pro 100 € Warenkorbinhalt kostet – bei einer Sofort- Überweisung sind dies nur 1,90 €. In diesem Bereich veranschlagte Prof. Hans-Gert Penzel vom ibi auch die Kosten von Instant Payment. „Der Händler muss einen Nutzen sehen für diesen Service, dann ist er auch bereit, etwas dafür zu zahlen“, sagte Penzel im Rahmen der Fachkonferenz „Zahlungsverkehr der Zukunft“ in Köln, „damit haben Sie Ihren Business-Case.“ Geschäft für Banken nur über Zusatzdienstleistungen Das Geschäftsmodell ist derzeit nämlich noch die große Unbekannte in diesem Szenario. Wie und wo können die Banken von Instant Payments profitieren? Zahlungsverkehrsspezialist Thomas Egner (Commerzbank) stellte eben dieses in Frage. „Es gibt Geschäftsmöglichkeiten in Verbindung mit Instant Payments, aber es gibt keinen isolierten Business Case!“ Die Möglichkeit für Banken, Geld zu verdienen, muss sich demnach aus Zusatzdienstleistungen generieren lassen. Zu bedenken sind natürlich auch Haftungsfragen. Auch steht der Gedanke im Raum, wie Banken ihre Risikovorsorge erhöhen müssen, um den Empfängern sofort Zahlungen garantieren zu können, deren Settlement de facto erst am Folgetag stattfinden wird. Welche Summen dabei auf die Banken zukommen, ist aktuell noch nicht abzusehen; sie werden auch von einem maximalen Überweisungsbetrag abhängig sein. Im SCTinst sind 15.000 € als Maximalbetrag für Summen genannt, die mittels Instant Payment übertragen werden. Dieser Betrag ist aber nur ein Diskussionsstart und könnte nach einem Jahr neu angepasst werden, führte Thomas Egner aus. Denkbar seien auch bi- oder multilaterale Regelungen oder Normen für spezielle Communitys, wenn eine (europäische) Plattform dies unterstützt. Denn auch hier müsse eine Marktfragmentierung vermieten werden, erläuterte Egner. Der Aufbau und Betrieb einer Clearing- Plattform geht einher mit der immensen Aufgabe für die Banken und den gesamten Zahlungsverkehr, die IT für Echtzeit- Zahlungen fähig zu machen. Gefragt ist eine Systemarchitektur, die große Transaktionsvolumina nicht nur effizient, sondern auch sicher, hochverfügbar und multikanalfähig bewältigen kann. „Da stehen Ausgaben an, die sich gewaschen haben“, hieß es am Rande der Kölner Konferenz. 04.2016 diebank 77

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