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die bank 04 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT Ein Verbot wäre wenig zielführend EIGENHANDEL Ein Verbot des Eigenhandels von Banken, wie in einer Gesetzesinitiative der EU-Kommission vorgesehen, ist problematischer als zunächst angenommen. Es würde die Risikoaufnahme von Banken und auch das systemische Risiko nicht notwendigerweise reduzieren. Ebenfalls würden Bankenabwicklungen nicht wesentlich erleichtert. Im Gegenzug könnte das Verbot jedoch dazu führen, dass eigentlich erwünschte Handelsaktivitäten nicht mehr durchgeführt werden. Jan Pieter Krahnen | Felix Noth | Ulrich Schüwer Keywords: Regulierung, Bankengeschäft Um Banken daran zu hindern, überhöhte Handelsrisiken einzugehen, wäre es besser, alle Handelsaktivitäten in eine rechtlich selbstständige Broker-Dealer-Gesellschaft auszugliedern. Diese Einheit könnte Teil der gleichen Bank-Holdinggesellschaft sein, müsste sich aber getrennt davon refinanzieren. Eine solche Trennung würde die Quersubventionierung zwischen Banken- und Handelsgeschäft eindämmen und das Ansteckungsrisiko minimieren. Gleichzeitig wären aber weiterhin Synergien zwischen Bankgeschäften, dem Handel für Kunden und dem Eigenhandel möglich. Volcker, Vickers und Liikanen im Vergleich Ein aktuelles White Paper des SAFE-Forschungszentrums vergleicht verschiedene Vorschläge für Strukturreformen des Bankensektors miteinander: die Volcker- Regel in den USA, den Vickers-Bericht in Großbritannien und den Liikanen-Bericht, bzw. den Vorschlag der EU-Kommission in der EU. Alle drei Vorschläge zielen darauf ab, das Risiko zu reduzieren, das von den Handelsaktivitäten der Banken ausgeht. Das Paper konzentriert sich dabei auf ein Kernelement dieser Vorschläge: den jeweiligen Ansatz, wie ein Verbot oder eine Abtrennung des Wertpapierhandels, insbesondere des Eigenhandels, vom „klassischen“ Bankgeschäft realisiert werden kann. Alle Handelsaktivitäten könnten in eine rechtlich eigenständige Broker-Dealer-Gesellschaft ausgegliedert werden, ähnlich wie im Vickers-Bericht für Großbritannien und im Vorschlag der Expertengruppe unter dem Vorsitz von Erkki Liikanen für die EU vorgesehen. Bei der Umsetzung aller Reformvorschläge besteht die Herausforderung darin, Wertpapiergeschäfte entweder als Kundengeschäft, Treasury-Geschäft oder Eigenhandel zu klassifizieren. Eindeutige Trennlinien zwischen diesen Aktivitäten zu ziehen und diese zu überwachen ist schwierig, da die heutigen Geschäftsmodelle der Banken hochkomplex sind. Das macht ein Verbot nur einer dieser Aktivitäten schwierig, wenn nicht unmöglich. JP Morgans sogenannter „Wal von London“ im Jahr 2012 ist ein gutes Beispiel dafür, wie schwer zu erkennen ist, ob eine komplexe Transaktion ein Sicherungs- oder Eigenhandelsgeschäft ist. Das führt dazu, dass selbst bei einem Eigenhandelsverbot hochriskante Handelsgeschäfte, die das Eigenkapital der Bank gefährden, immer noch möglich wären – vorausgesetzt, die Bank kann diese plausibel als Sicherungs- oder Market-Making-Geschäfte tarnen. Im Gegenzug könnte das Verbot von Eigenhandel zu unbeabsichtigten Konsequenzen führen: Banken könnten (vorteilhafte) Sicherungs- oder Market-Making- Dienstleistungen zurückfahren, da sie eine falsche Klassifizierung als Eigenhandelsgeschäft durch die Aufsicht fürchten. Solche Fehlklassifizierungen sind wahrscheinlicher, wenn die Sicherungs- oder Market-Making-Geschäfte sehr komplex sind und zu Fehlinterpretationen verleiten. Das Ergebnis wäre ein unbeabsichtigter Verlust an Finanzstabilität und Marktliquidität. Unterschiedliche Trennlinien zwischen erlaubten und verbotenen Handelsaktivitäten Die Strukturreformvorschläge, die aktuell in den USA, in Großbritannien und in der EU diskutiert und umgesetzt werden, unterscheiden sich hinsichtlich des Umfangs an Dienstleistungen, den die Abtrennungsverordnungen umfassen, sowie im Hinblick darauf, wie die Abtrennung umgesetzt werden soll. Die Volcker-Regel zieht die „magische“ Trennlinie zwischen erlaubten und verbo- 56 diebank 04.2016

BETRIEBSWIRTSCHAFT ó tenen Handelsaktivitäten zwischen Eigenhandels- und Kundenhandels-Transaktionen. Im Gegensatz dazu sieht der Liikanen-Vorschlag keine besondere Behandlung von Eigenhandel vor, sondern den Barnier-Vorschlag im EU-Parlament befinden sich derzeit in einer Sackgasse. Es besteht die Möglichkeit, dass EU-Kommissar Hill den Gesetzgebungsvorschlag zurückzieht. Autoren: Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen (Goethe-Universität Frankfurt und LOEWE-Zentrum SAFE), Jun.-Prof. Dr. Felix Noth (Universität Magdeburg, IWH und SAFE) und Dr. Ulrich Schüwer (Universität Mainz und SAFE). fl Die Herausforderung besteht darin, Wertpapiergeschäfte als Kundengeschäft, Treasury-Geschäft oder Eigenhandel zu klassifizieren. verlangt, dass alle Handelsgeschäfte, sei es auf eigenes Risiko oder für Kunden, entweder in Krisensituationen ausgegliedert werden können („Avenue 1“) oder grundsätzlich vom Privatkundengeschäft getrennt werden („Avenue 2“). Nach Vorlage des Liikanen-Berichts hat die EU-Kommission im Januar 2014 eine Gesetzesvorlage („Barnier-Vorschlag“) herausgebracht, die ein vollständiges Verbot von Eigenhandel für Großbanken in Europa vorsieht. Andere Handelsgeschäfte, wie zum Beispiel Market-Making-Aktivitäten oder Sicherungsgeschäfte der Banken auf eigenes Risiko, sollen erlaubt bleiben. Der Vorschlag gibt dem zuständigen Aufseher das Recht, die Abtrennung aller Handelsaktivitäten zu fordern, falls ein Problem auftritt, das potenziell die gesamte Bank und das Finanzsystem gefährden könnte. Die Verhandlungen über Für Großbritannien hat Sir John Vickers eine teilweise Trennung des britischen Privatkundengeschäfts vom weltweiten Großkundengeschäft und Investmentbanking vorgeschlagen, den sogenannten „retail ring-fence“. Der Vorschlag mündete in der „Financial Services (Banking Reform) Bill“, die bis 2019 umgesetzt werden soll. Die Idee hinter diesem Trennungsvorschlag ist es, staatliche Garantien auf die so geschützten („ring-fenced“) Banken zu beschränken, da deren Bankdienstleistungen als wichtiger Beitrag zur Wirtschaftsaktivität angesehen werden. Gleichzeitig sollen die Anreize für nicht geschützte Banken, übermäßige Risiken aufzunehmen, reduziert werden. Der Vickers-Vorschlag sieht keine besondere Behandlung von Eigenhandel vor; dieser kann innerhalb des Kernprivatkundengeschäfts oder außerhalb davon durchgeführt werden. Forschungszentrum SAFE Das Forschungszentrum „Sustainable Architecture for Finance in Europe“ (SAFE) widmet sich der Forschung und Politikberatung zum Thema Finanzen. Träger des von der hessischen Exzellenzinitiative LOEWE geförderten Zentrums sind das Center for Financial Studies und die Goethe-Universität Frankfurt. Alleinstellungsmerkmale des Forschungsprogramms von SAFE sind die umfassende Betrachtung aller Teilbereiche moderner Finanzmärkte, die Bearbeitung themenübergreifender Fragestellungen, die Bereitstellung selbst erstellter deutscher und europäischer Datensätze, die die Merkmale europäischer Institutionen und Haushalte berücksichtigen, sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Finanzökonomen mit Mikro- und Makroökonomen und Juristen. Zweite Säule von SAFE ist ein Policy Center, dessen Ziel es ist, unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse über aktuelle Finanzmarktthemen in die Politik zu tragen. 04.2016 diebank 57

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