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die bank 04 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

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ó BANKING Die Bodenständigen GESCHÄFTSMODELLE Eine Adresse braucht der Taxifahrer nicht. Das Bankhaus Seeliger kenne in Wolfenbüttel wirklich jeder, sagt er. Nur einige Minuten später hält der Wagen vor einem imposanten Gebäude. Mit seiner schneeweißen Fassade hebt sich die vor 222 Jahren gegründete Privatbank markant von den vielen bunten Fachwerkhäusern am historischen Marktplatz ab. Berührungsängste haben die Wolfenbüttler nicht. „Da geht jeder hin“, weiß der Taxifahrer. Die einzige inhabergeführte Privatbank in Niedersachsen, zugleich eine der ältesten in Deutschland, begnügt sich mit ihrem Standort in der Fachwerk- und Lessingstadt Wolfenbüttel. Filialen hat sie nie betrieben. Getreu der Firmenphilosophie, dass sich immer ein Interner und ein Externer die Leitung teilen, führen heute Friedrich-Carl Heidebroek und Christoph Schmitz als persönlich haftende Gesellschafter das Geschäft. Heidebroek machte schon seine Ausbildung bei Seeliger, Schmitz kam 2012 von der NordLB. Bereits 1958 hatte sich die Familie aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Die Seeligers halten heute nur noch als Kommanditisten knapp fünf Prozent. Eli Hamacher diebank: Das Bankhaus C. L. Seeliger feiert in drei Jahren sein 225-jähriges Jubiläum und rangiert bei den ältesten Privatbanken in Deutschland auf Rang zehn. Schon seit 1825 sitzt das Institut im selben Haus, einem historischen Gebäude im Herzen der Stadt. Wie wird hier die Tradition bewahrt? Heidebroek: Herzog August d. J. von Braunschweig und Lüneburg erwarb dieses Haus 1646 von den Erben eines reichen Bürgers. Er ließ es als Fürstliche Apotheke einrichten. Später ging das Bürgerhaus in den Besitz des Apothekers Dünnhaupt über, von dem wiederum die Seeligers es 1825 kauften und seither als Stammsitz ihres Unternehmens nutzen. Unser Portal trägt immer noch das herzogliche Wappen und den Leitspruch „Alles mit Bedacht“. Dieses Motto haben die Seeligers übernommen. Die historische Umgebung prägt unser Handeln und Denken. Entscheidungen gründen wir auf einem festen Wertegerüst: Tradition, Integrität, Kompetenz. Nachhaltiger Erfolg war der Bank stets wichtiger als kurzfristiges Gewinnstreben. diebank: Schon der Gründer Heinrich Anton Christoph hat es mit seinen drei Vornamen den Archivaren nicht leicht gemacht. Die nachfolgenden Seeligers hatten ebenfalls immer mindestens drei, manche sogar vier Vornamen. Blicken Sie noch durch, wenn Sie einen Namen hören? Schmitz: Das C. L. im Namenszug steht für Carl Ludwig Bernhard, den Sohn des Gründers. Unsere Besprechungsräume tragen alle einen Namen seiner Nachfolger. Da bleibt man in Übung. diebank: Wenn Sie das Bankhaus in einem Profil mit fünf kurzen Sätzen beschreiben sollten, wie würden diese dann lauten? Heidebroek: Wir sind eine Bank für Private, für kleine und mittelständische Unternehmen. Wir sind schnell, unkonventionell und unbürokratisch. Die Wünsche der Kunden stehen immer im Mittelpunkt. Für sie versuchen wir stets individuelle Lösungen zu finden. Denn wir denken uns in die Unternehmen hinein. diebank: In Wolfenbüttel leben 52.000 Einwohner, um die Sie mit Deutscher Bank und Commerzbank, mit Volksbank und Sparda- Bank konkurrieren. Womit kann ich als Kunde rechnen, wenn ich zu Ihnen komme? Schmitz: Wir buhlen nicht mit den günstigsten Konditionen um die Kunden, sind aber auch nicht die Teuersten. Der Massenzahlungsverkehr ist nicht unser Geschäft. Andere Banken am Platz geben zum Beispiel für eine Einlage über vier Jahre aktuell 1,3 Prozent, bei uns sind es 0,3 Prozent. Anders als bei einer reinen Online-Bank punkten wir aber mit einem sehr persönlichen Kontakt zu allen Kunden und besonderem Service. diebank: Zum Beispiel? Heidebroek: Langjährige Mitarbeiter geben bei uns Überweisungsträger noch per Hand ein statt sie zu scannen. Mit geübtem Auge entdecken sie schnell Fehler, sei es, dass eine Kommastelle falsch gesetzt wurde oder die gesamte Überweisung nach einem Betrugsfall aussieht, was leider immer häufiger vorkommt. Andere Banken schicken die Formulare kommentarlos zurück. Viele Kunden holen auch noch ihre Auszüge persönlich bei uns ab und nehmen die Gebühren dafür in Kauf. Den Kontakt nutzen sie gern für ein Gespräch. Wenn ich etwas erfahre und es einem Mitarbeiter berichte, weiß der meist schon Bescheid. Ein Mitarbeiter der Bank fährt zudem jeden Tag nach Braunschweig, besucht Unternehmen und bringt deren Tagesgelder mit. 38 diebank 04.2016

Die Chefs BANKING ó Friedrich-Carl Heidebroek (54, r.) und Christoph Schmitz (52) kennen sich schon seit der Berufsschule. Der eine lernte bei Seeliger in Wolfenbüttel, der andere bei Löbbecke in Braunschweig. Schmitz machte dann zunächst Karriere im Firmenkundengeschäft bei der NordLB, als Vorstandsmitglied bei der Baugenossenschaft Wiederaufbau eG und schließlich bei der Braunschweigischen Landesparkasse, bevor ihn 2012 ein Headhunter als persönlich haftenden Gesellschafter zu Seeliger holte. Zu diesem Zeitpunkt stand sein neuer Kollege schon elf Jahre an der Spitze der Bank. Als Sohn eines Landwirts, der sich schon als Jugendlicher auf dem Bauernhof mit Pflügen Geld verdiente – „und abends ging’s per Trecker in die Disco“ – brachte Heidebroek den nötigen Sinn für das wichtige Agrarbanking mit. Der Oldtimer-Fan Schmitz steuert wertvolle Erfahrungen aus der Immobilienbranche und dem Firmenkundengeschäft bei. Beide sind eng in der Region vernetzt, sei es über die Vollversammlung der IHK, Lions und Rotary, Aufsichtsräte und Beiräte oder beim Bürgerverein Wolfenbüttel. Dass die gebürtigen Braunschweiger beruflich nie Niedersachsen verlassen haben, stört sie nicht. Heidebroek hat sich sogar neben dem elterlichen Bauernhof ein Haus gebaut und radelt ab und an die 35 Kilometer zur Arbeit. fi INTERVIEW diebank: Was können Sie besser als Ihre Mitbewerber? Schmitz: Das Bankhaus Seeliger betreut vermögende Privatkunden des unternehmerischen Mittelstands und der Landwirtschaft in der Region Wolfenbüttel / Braunschweig, im südlichen und mittleren Niedersachsen sowie in Sachsen-Anhalt. Zum Leistungsspektrum zählen neben den klassischen Bankprodukten insbesondere die Vermögensanlage und das Kreditgeschäft. Aufgrund der traditionsreichen Geschichte ist das Bankhaus der Landwirtschaft verbunden. Das ist sicher unser stärkstes Alleinstellungsmerkmal. diebank: Welche wirtschaftliche Bedeutung hat das Agrarbanking für Ihr Geschäft? Heidebroek: 30 Prozent der Kredite vergeben wir an Landwirte für den Kauf von Ackerland, Betriebsmitteln und Maschinen. Ein großes Thema war zum Beispiel die Aufrüstung von Dächern mit Photovoltaik. Und auch die Digitalisierung spielt in der Branche heute eine große Rolle. Ein moderner, voll computergesteuerter Rübenroder kostet allein 500.000 €. diebank: Hat die Landwirtschaft als tragende Säule des Geschäftsmodells denn überhaupt noch eine Zukunft? Heidebroek: Unbedingt! Die Betriebe in unserer Region bauen Weizen, Zuckerrüben, Raps und Kartoffeln an und sind mit einer Größe von 100 bis 2.000, manchmal sogar 3.000 Hektar sehr gut aufgestellt. Ein durchschnittlicher deutscher Betrieb hat nur 50 Hektar. Sehr gute Ackerböden und das feuchte Klima begünstigen das Wachstum. Aktuell erleben wir einen Run auf die knappen landwirtschaftlichen Flächen. Folglich steigen die Preise. Der Trend zur Größe treibt die Industrialisierung voran. Das erfordert entsprechende Investitionen. Viele unserer Mitarbeiter kommen aus der Landwirtschaft. Sie haben dann noch eine Ausbildung bei der Bankakademie drauf gesattelt. diebank: Wenn Sie mit nur drei Adjektiven die wichtigsten Erfolgskriterien für ein kleines Privatbankhaus beschreiben müssten, dann... Schmitz: ...wären das „schnell“, „seriös“ und „unkompliziert“. diebank: Nehmen nicht alle Banken für sich in Anspruch, seriös zu sein? Heidebroek: Die Einlagen unserer Kunden setzen wir nur für Kredite ein, die ein ehrlicher Kaufmann auch versteht. Deshalb haben wir die Finanzkrise auch nicht mitverursacht. Wenn alle Banker persönlich haften müssten, hätte es diese gar nicht gegeben. Davon bin ich überzeugt. diebank: Welche Leistungen bieten Sie in Ihren Geschäftsfeldern an? Schmitz: Beim Private Banking bieten wir individuelle Vermögensberatung und das Vermögensmanagement an sowie Investmentberatung. Im zweiten Geschäftsfeld, der Kreditberatung, finanzieren wir Unternehmen, Handwerk und Freiberufler. Hinzu kommen das Agrarbanking sowie die Projekt- und Immobilienfinanzierung. 04.2016 diebank 39

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