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die bank 04 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT Supply Chain Finance: Der Markt wächst UNTERNEHMENSFINANZIERUNG Der zunehmende Margendruck auf Unternehmen und Banken hat zur Folge, dass Profitabilitätssteigerungen künftig vermehrt durch eine Verbesserung der Effizienz der Unternehmensfinanzierung realisiert werden können. Somit lassen sich negative Auswirkungen des Shareholder-Value-Ansatzes vermeiden und vor allem die Liquidität sichern. Allerdings wird die Art der Finanzierung und die damit verbundene Sicherung der Liquidität zunehmend dadurch erschwert, dass die Banken erhöhten regulatorischen Restriktionen in der Kreditvergabe unterliegen und die Beschaffung vom Eigenkapital aufgrund von Krisen mit erhöhtem Aufwand verbunden ist. Dieser Umstand wiederum lässt bereits bekannte, aber weniger populäre Optimierungspotenziale in den Vordergrund rücken, wie Supply Chain Finance. Stefan Huch | Dennis Fache Keywords: Zahlungsverkehr, Digital Transformation, Unternehmensführung Der globale Markt für Supply-Chain-Finance (SCF)-Lösungen ist durch ein anhaltendes Wachstum geprägt. So hat sich das Marktvolumen der Finanzierungstätigkeit im Rahmen von SCF-Lösungen in den vergangenen zwei Jahren von 30 auf etwa 40 Prozent erhöht. Nach Angabe des Gartner Supply Chain Top 25 Reportings ist davon auszugehen, dass der Wachstumstrend auch in diesem Jahr sowie bis zum Jahr 2020 anhalten wird und stets zweistellige Wachstumsraten erreicht. Das ist ein vielversprechendes Marktpotenzial. Neben Nordamerika sind SCF-Lösungen vor allem in Europa entwickelt worden. Eine dominante Rolle nehmen dabei Frankreich, das Vereinigte Königreich und Deutschland ein. Das Marktvolumen liegt für diese drei Länder allein bei grenzüberschreitenden Supply-Chain-Finanzierungen bei ca. 470 Mrd. € pro Jahr, so eine Studie des Dienstleisters Demica. Dabei bietet Deutschland das größte Marktpotenzial mit rund 230 Mrd. €. Deutsche Lieferanten könnten dieser Studie zufolge in den Branchen Logistik, Handel und Automotiv mit SCF-Lösungen Betriebsmittel von mehr als 45 Mrd. € pro Jahr erwirtschaften. Für deutsche Abnehmerfirmen dieser Branchen werden zudem Betriebsmittelvorteile in Höhe von ca. 88 Mrd. € geschätzt. Der Markt für SCF-Lösungen bietet eine Vielzahl alternativer Finanzierungsquellen, z. B. zwischen Hersteller und Lieferant oder innerhalb eines Unternehmens. Banken könnten mithilfe von SCF-Lösungen die Kundenbindung insbesondere zu den OEM (Original Equipment Manufacturer) intensivieren und somit Wettbewerbsvorteile generieren. Denn vor allem die Differenzierung vom Wettbewerb wird im Zuge der Standardisierung und Digitalisierung von Bankprodukten zunehmend komplexer und kostspieliger für die Banken. Hinzu kommt, dass besonders das SCF in Phasen geringen oder negativen Wirtschaftswachstums Unternehmen die Möglichkeit bietet, die Profitabilität durch Effizienzsteigerung zu verbessern bzw. aufrechtzuerhalten. Doch trotz des Marktpotenzials ist der SCF-Markt noch immer von einer hohen Ungewissheit über Begrifflichkeiten, Anwendungsszenarien und den Nutzen der Lösungen geprägt - sowohl bei den Anbietern als auch bei den Nachfragern. Unternehmen schöpfen Potenzial noch nicht voll aus Ein Grund, warum Banken und Unternehmen das Potenzial nicht bzw. nur rudimentär nutzen, liegt häufig darin, dass eine hohe Intransparenz über bestehende SCF-Konzepte sowie deren Optimierungspotenziale entlang der Wertschöpfungskette existiert. Meist werden die mit den SCF-Konzepten verbundenen Bankprodukte als Must-have betrachtet und aufgrund der hohen Standardisierung mit geringem Potenzial zur Differenzierung bewertet. Folglich wird die Attraktivität dieser Produkte unterschätzt und nicht mit voller Konsequenz gegenüber Kunden angeboten, respektive von diesen als Rentabilitäts-Tool entsprechend selten nachgefragt. Erschwerend eilt den SCF-Lösungen der Ruf voraus, primär für Konzerne geeignet zu sein, weshalb mitunter kleine und mittelständische Unternehmen kein Interesse an deren Anwendung zeigen. So nutzen viele CFOs noch immer nicht die Möglichkeit, durch Erschließung alternativer Finanzierungsquellen die Kapitalflüsse entlang der Lieferkette zu optimieren und finanzielle Wettbewerbsvorteile, vor allem gegenüber globalen Konkurrenten, zu realisieren. Vor dem Hintergrund 44 diebank 4.2015

BETRIEBSWIRTSCHAFT ó 1 Abgrenzung klassische Supply Chain vs. Financial Supply Chain klassische Supply Chain Financial Supply Chain Einkauf Qualifizierung Finanzierung Logistik/ Lager Preisfindung des sich ständig verändernden globalen Umfelds ist dieser Mangel an Umsetzung unverständlich. Herausforderungen wie die Maximierung liquider Mittel, die Verwaltung von Working Capital sowie die Kreditbedarfe der Lieferantenbasis werden immer wichtiger, um die Rentabilität und den Shareholder Value zu erhöhen. Vor allem in Branchen mit einem hohen Grad an Globalisierung, komplexen Lieferketten sowie langen Lager-, Durchlauf- oder Lieferzeiten ist anzunehmen, dass SCF-Lösungen vollumfänglich genutzt werden. Jedoch lässt sich auch hier ein deutlicher Mangel an der Anwendung dieser Lösungen erkennen. Vor allem kleine und mittelständische Lieferanten sind hiervon stark betroffen. Bei ihnen lassen sich häufig geringe Bonität, hohe Finanzierungskosten sowie ein erschwerter Zugang zu Krediten als Folge der Vernachlässigung des Einsatzes von SCF-Lösungen feststellen. Die Optimierung des Kapitalflusses mithilfe des SCF wird nicht genügend ausgeschöpft. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass die Unternehmen weiterhin hohe Kapitalkosten, Liquiditätsengpässe, erhöhtes Ausfallrisiko und zunehmend verschlechterte Beziehungen zu den OEMs aufweisen. Unternehmen Absicherung Materialien Produktion Informationen Auftragsabwicklung Finanzmittel Rechnung Logistik/ Distributionszentrum Prüfung Zahlung Absatz Verkauf Viele Begriffe, kein einheitliches Verständnis Um den Markt des SCF vollumfänglich zu verstehen, bedarf es eines einheitlichen Verständnisses der Begriffe. So kursieren sowohl in der Literatur als auch in der Praxis eine Vielzahl unterschiedlicher Begriffsdefinitionen. Insbesondere die begriffliche Abgrenzung zum Financial Supply Chain Management (FSCM) ist nicht gegeben oder nur unzureichend erklärt. In der unternehmerischen Praxis vermischen sich oftmals die Beratungsansätze, mit denen Banken ihre SCF-Produkte vertreiben. So bietet beispielsweise die Commerzbank Produkte unter dem Oberbegriff Supply Chain Finance an, leitet jedoch die dazugehörigen Lösungen aus der physischen Supply Chain des Unternehmens ab. Die Deutsche Bank hingegen orientiert sich an der Financial Supply Chain der Unternehmen und fasst ihr Angebotsportfolio als Financial Supply Chain Solutions zusammen. Bei der Uni Credit Group stellt Supply Chain Finance einen Teil des Global Trade Managements dar. Auch der Umfang des Produktangebots differiert. So beschränkt sich das Produktverständnis von Supply Chain Finance der UniCredit auf Finanzierungsprodukte, wohingegen die Deutsche Bank auch Cash Management in ihre Financial Supply Chain Solutions einordnet. Eine Möglichkeit, den Begriff des Supply Chain Finance grundlegend zu erläutern, liegt in dem Verständnis, das SCF als Ergänzung des klassischen Supply Chain Managements (SCM) zu sehen. Während das SCM durch die Optimierung logistischer Prozesse charakterisiert ist, stehen beim Supply Chain Finance die finanziellen Aspekte der Lieferkette sowie deren Optimierung im Fokus. Im Kern dreht es sich beim SCF somit um die Frage, welcher Akteur (z. B. Lieferant) in der Lieferkette was (z. B. Bestände) und wie (z. B. Factoring) finanziert. ” 1 Auf Basis dieser Betrachtung lässt sich eine Abgrenzung der beiden Begriffsdefinitionen wie folgt darstellen: ó Financial Supply Chain Management ist die ganzheitliche Optimierung des Finanzflusses entlang der gesamten Supply Chain innerhalb eines Unternehmens und zwischen den verschiedenen Partnern. ó Supply Chain Finance ist die Methode der konkreten Umsetzung der Optimierung der Finanzströme entlang der Supply Chain unter systematischem Einbezug von Finanzdienstleistern. Im Hinblick auf die DNA von Supply Chain Finance lassen sich drei elementare Bausteine hervorheben, die hilfreich sind, die zahlreichen zugrunde liegenden Konzepte des SCF wesentlich zu strukturieren: ó Finanzierung: Durch Verbesserung der Kreditkonditionen und der Kreditvergabe für Lieferanten und Einkäufer sowie durch den Einsatz innovativer Finanzierungsmethoden wird eine Senkung der Kapitalkosten angestrebt. ó Cash & Working Capital Management: Die Reduktion des im Umlaufvermögen gebundenen Kapitals vermeidet Liquiditätsengpässe und die freigesetzten liquiden Mittel können optimal eingesetzt werden. Voraussetzung hierfür sind ein 4.2015 diebank 45

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