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die bank 03 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE Auch

BERUF & KARRIERE Auch Christoph Auerbach, Personalleiter bei der HypoVereinsbank, haben die positiven Erfahrungen mit einer hohen Quote bei Remote Work im Lauf der Pandemie darin bestätigt, dass hybride Modelle sehr gut funktionieren können. Dafür hat die Bank auch einiges getan. Führungskräfte begleitet sie mit Trainings für Management auf Distanz. Für die Mitarbeiter schaffte die Bank mehrere Tausend Notebooks an. Mit Elektronikgroßhändlern wurden verschiedene Rabattaktionen vereinbart, damit die Angestellten ihren heimischen Arbeitsplatz nach individuellen Wünschen aufrüsten konnten, sei es mit einem zweiten großen Bildschirm, einer externen Tastatur oder etwa einem verstellbaren Schreibtisch. Alle Beschäftigten bekamen dafür eine einmalige Aufwandsentschädigung von bis zu 1.500 Euro. Kommunikation intensiviert Die Kommunikation mit den Mitarbeitern wurde seit Beginn der Pandemie weiter intensiviert. Neben Calls, in denen das Management über Aktuelles berichtet, ist ein neuer Kanal entstanden: Regelmäßige Podcasts greifen aktuelle Themen auf, die die Mitarbeiter beschäftigen. So beleuchtet ein Podcast die Pandemie aus einer 360-Grad-Perspektive, jüngst sprach zum Beispiel ein Glücksforscher. Virtuelle Weihnachtsfeiern in einzelnen Teams mit Weinprobe, Waffelbacken und Cocktail-Kursen sollten auch in der Krise das Jahr gut ausklingen lassen. Für eine Lebkuchen-Challenge versendete die Bank per Post die Zutaten, das Back-Ergebnis konnten die Banker-Bäcker posten. Den fünf Gewinnern winkte ein Gespräch mit Felix Neureuther. Die vielen Maßnahmen haben sich aus Sicht von Auerbach ausgezahlt. „Unsere Umfragen belegen, dass die Mitarbeiter sehr zufrieden sind, auch mit unserem sehr effektiven Corona-Sicherheitskonzept, und das Zusammengehörigkeitsgefühl ist gestiegen.“ Martin Fischedick, Bereichsvorstand Group Human Resources bei der Commerzbank, sieht es als „Geschenk des Himmels“, dass man dank mobiler Geräte und Tokens technisch bestens gerüstet war, als die Pandemie ausbrach. Dazu beigetragen habe auch, dass schon vor Ausbruch des Virus eine Betriebsvereinbarung den Arbeitnehmern ermöglicht hatte, bis zu einem Drittel der Jahresarbeitszeit mobil arbeiten zu können. „Für uns ist das schon länger Teil der Arbeitskultur“, sagt Fischedick, der auch den Krisenstab der Bank leitet. Wie Aksu beobachtet auch er keine gesunkene Produktivität. Fischedick selbst arbeitet zwar meist im Büro, ab und an jedoch remote. „Als Führungskräfte der obersten Ebenen wollen wir auch ein Signal in die Bank senden, dass wir unabhängig von der Hierarchie der Empfehlung der Bundesregierung folgen.“ Sorgen bereiten dem Bereichsvorstand die ständig neuen Lockdown-Regeln ebenso wie die seit Ende Januar 2021 geltende Corona-Arbeitsschutzverordnung, „Im Detail waren am Anfang viele Punkte der Verordnung unklar.“ Doch nicht alles läuft rund. Laut Organomics-Umfrage fehlt den Mitarbeitern vor allem der Austausch mit den Kollegen (90 Prozent). Zwei Drittel finden es zudem schwierig, Arbeit und Freizeit klar voneinander zu trennen. Dabei gilt das Arbeitsgesetz auch zu Hause. Arbeitgeber müssten sicherstellen, dass weiterhin Höchstarbeitszeiten, Ruhepausen und Ruhezeiten sowie das Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit eingehalten würden, sagt Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Sie seien zudem verpflichtet, arbeitsmedizinische Vorsorge, Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsschutzmaßnahmen zu überwachen. 68 03 // 2021

BERUF & KARRIERE Zu viele virtuelle Meetings Neben den rechtlichen Problemen seien mit dem Homeoffice persönliche Belastungen verbunden, betont Abeln. So habe eine Umfrage unter Bank-Mitarbeitern im September 2020 ergeben, dass deren Mehrbelastung erheblich gestiegen sei. Nach Aussage der Befragten war dies seltener auf ein zu hohes Arbeitsaufkommen, sondern meist auf nutzlose Town-Hall- Meetings, virtuelle Team-Events, unablässige Zoom-Meetings und Micro-Management der Vorgesetzten zurückzuführen. Neben den typischen IT-Problemen und den regulatorischen Vorgaben – Dokumente dürfen zum Beispiel zu Hause nicht ausdruckt werden – wurden vor allem die fehlende Kommunikation und Zusammenarbeit, die Eintönigkeit, aber auch die Mehrbelastung durch Kinderbetreuung als Nachteile betrachtet. „Der Mensch kann verloren gehen. Wer zum Beispiel ohne Partner und Familie lebt und keine Kontakte sucht, dem kann das viele Alleinsein durchaus schwerfallen“, beobachtet HR-Expertin Aksu. Auch die Führungskräfte müssen sich umstellen. Gut zwei Drittel können Probleme eines remote arbeitenden Kollegen schlechter einschätzen als im Büro, so die Organomics- Umfrage. Jeder Zweite hat zudem Probleme damit, die Führung auf Distanz umzusetzen. „Wer als Führungskraft bisher permanent von seinen Mitarbeitern umgeben war, kann schnell mit der neuen Situation überfordert sein“, sagt Thomas Bittner, Geschäftsführer der Organomics GmbH. Zu den Erfolgsfaktoren zählt er flexible Arbeitszeiten, eine individuelle Unterstützung der Mitarbeiter, persönliche Kommunikation, aber auch die Arbeit an der Team-Identität. Die befragten Experten betonten, dass zudem Vertrauen in die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter eine Voraussetzung für den Erfolg von Homeoffice sei. „Mobile Work während des Lockdowns stellt die Mitarbeitenden natürlich vor noch ganz andere Herausforderungen“, räumt Aksu von der Santander Consumer Bank ein, die selbst erfahren hat, wie schwierig es bisweilen ist, Homeoffice und Homeschooling effizient zu verbinden. Modelle für die Zeit nach der Pandemie Wie und ob die Beschäftigten mit der neuen Situation klarkommen, dafür haben viele Banken durchaus ein Ohr. Regelmäßig starten sie Umfragen zum aktuellen Stand und wollen dabei auch wissen, welches Modell für die Zeit nach der Krise favorisiert wird. Während viele Institute noch nach dem richtigen Mix suchen, ist bei der HypoVereinsbank schon eine Entscheidung gefallen. „Mitarbeitende ohne direkten Kundenkontakt können nach der Krise 40 Prozent pro Woche remote arbeiten, bei den anderen sind 20 Prozent möglich“, sagt Au- 03 // 2021 69

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