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die bank 03 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT FAZIT Dank der zu

MARKT FAZIT Dank der zu erwartenden konjunkturellen Erholung, des von vielen Experten erhofften M&A- Booms und Bilanzreparaturen infolge der Corona- Krise dürfte das Kapitalmarktgeschäft der Investmentbanken auch 2021 zumindest auf hohem Niveau verharren. Falls es jedoch nicht gelingen sollte, die Covid-19-Pandemie einzudämmen, könnten M&A-Transaktionen und Börsengänge undurchführbar werden und sich auch Unternehmensanleihen kaum platzieren lassen. In diesem Szenario könnten auch die hohen Eigenkapitalrenditen und Aktienkurse vieler US-Großbanken unter Druck geraten. Investmentbanken in einer starken Position Aufgrund der weiterhin guten Aussichten, ihrer soliden Kapitalausstattung und des resilienten Geschäftsmodells hat die Ratingagentur Moody's Investors Service zum Ende des vergangenen Jahrs die Investmentbanken mit einem stabilen Ausblick für 2021 versehen. In ihrem jährlichen Branchenausblick betonen die Experten, dass die Banken gut positioniert seien, um viele der wirtschaftlichen Unsicherheiten zu bewältigen, die in diesem Jahr auftreten dürften. Die Investmentbanken gehen mit gestärktem Kapital und ihrem robusten Liquiditäts- und Finanzierungsprofil in das Jahr 2021, heißt es in der Studie. Hinzu kommt, dass breiter aufgestellte Universalbanken, wie beispielsweise JP Morgan, Bank of America und Citi, sowie die meisten europäischen Großbanken neben dem Kapitalmarktgeschäft und der Vermögensverwaltung auch noch das Kreditgeschäft betreiben und damit den Risiken aus dem Zinsgeschäft und steigenden Insolvenzen wegen der Corona-Krise ausgesetzt sind. Gleichwohl sind die Zinsmargen der drei größten US-Großbanken mit 2,2 Prozent (Citi) bzw. 2 Prozent (JPM) noch deutlich höher als bei vielen europäischen Großbanken, die sich nach Berechnungen von Moody's im ersten Halbjahr 2020 zwischen 0,75 Prozent (UBS) und circa 1,4 Prozent (Deutsche. Bank) bewegten. Investmentbanken werden sich auf Effizienz und Wettbewerbsvorteile konzentrieren müssen, um erfolgreich zu bleiben. Das Investmentbanking ist in vielerlei Hinsicht eine traditionelle Branche, in der die Arbeitsabläufe reif für Modernisierung und Disruption sind, sagt Refinitiv-Managerin Andersson. Die Branche durchlaufe eine digitale Transformation, und der Zugang zu den richtigen digitalen Tools und Daten werde die Gewinner von den Verlierern unterscheiden. Die Krise habe zudem deutlich gemacht, dass die Fähigkeit der Banken, Geschäfte in einer virtuellen Umgebung zu strukturieren und auszuführen, ein Wettbewerbsunterscheidungsmerkmal sei. 12 03 // 2021

MARKT 3 | M&A Top 20 Global Financial Advisors - Transaktionsvolumen 2020 2019 Bank Transaktionen 2020 TA-Volumen 2020, Mrd. US-$ Transaktionen 2019 TA-Volumen 2019, Mrd. US-$ Veränderung YoY 1 1 Goldman Sachs 338 816,6 283 974,3 - 16,2 % 2 3 Morgan Stanley 261 797,4 215 811,9 - 1,8 % 3 2 JP Morgan 261 627,6 250 881,6 - 28,8 % 4 6 Bank of America 205 515 170 508,3 1,3 % 5 7 Credit Suisse 124 355,6 135 288,8 23,1 % 6 4 Citi 167 346 184 637,7 - 45,7 % 7 8 Barclays 156 247,1 154 269,5 - 8,5 % 8 18 UBS 141 208,1 112 125,3 66,1 % 9 5 Evercore 163 205,1 154 542,1 - 62,2 % 10 10 Lazard 165 193,8 245 239,8 - 19,2 % 15 19 Deutsche Bank 69 129,5 81 112,1 15,5 % Quelle: Global Data. Profitabilität der Investmentbanken driftet auseinander Die Profitabilität der globalen Investmentbanken – gemessen an der Kennzahl Return on Assets (RoA) – ist im Zeitraum 2017 bis zum ersten Halbjahr 2020 deutlich auseinandergedriftet. Während die US-Banken durchschnittlich einen RoA von 0,8 Prozent (Citi) bis ca. 1,2 Prozent (JP Morgan) generierten, wiesen die europäischen Investmentbanken nach einer Analyse der Ratingagentur Moody's einen RoA von 0,75 Prozent (UBS) bis quasi 0 Prozent (Deutsche Bank) aus. Bei BNP, Société Générale und Credit Suisse belief sich der RoA im Schnitt auf 0,5 Prozent. Zudem sind die US-Banken auch gemessen an der Eigenkapitalrendite vor Steuern (RoE) mit durchschnittlich 10,9 Prozent nach wie vor profitabler als die europäischen Banken mit nur rund 7,7 Prozent. Allerdings hat sich die Profitabilität der europäischen Banken seit dem zweiten Quartal 2020 nach einer Analyse des Beratungshauses zeb deutlicher verbessert als bei den US- Konkurrenten. Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei den Cost-Income-Ratios zu beobachten. Mit 59 Prozent liegt das Aufwand-Ertrag- Verhältnis der europäischen Institute seit dem dritten Quartal 2019 erstmals unter der Quote der US-Banken mit circa 62 Prozent. Offenbar ist es den europäischen Instituten weitaus stärker gelungen, ihre Kosten und operative Effizienz zu verbessern als vielen US-Banken. Angesichts der guten konjunkturellen Aussichten in den USA und der rückläufigen Risikovorsorge ist auch im laufenden Jahr mit einer angemessenen Gesamtkapitalrendite der US-Großbanken zu rechnen. Damit dürfte sich die Profitabilitätslücke zwischen amerikanischen und europäischen Großbanken auch in diesem Jahr nicht schließen lassen. Die ohnehin gute Rentabilität vieler Investmentbanken dürfte auch aufgrund des guten Geschäftsmixes auf absehbare Zeit auf diesem Niveau verharren. Viele Institute haben in den letzten Jahren große Anstrengung unternommen, um den Ertragsmix auf stabilere Geschäftsbereiche – wozu auch die Vermögensverwaltung zählt – umzustellen. Unter den sechs größten US-Banken hat Morgan Stanley das größte Vermögensverwaltungsgeschäft. Im abgelaufenen Jahr erwirtschaftete die Vermögensverwaltungssparte Erlöse von 5,68 Mrd. US-$ und damit fast eine halbe Milliarde US-$ mehr als von den Analysten erwartet, was auch mit der Übernahme von E-Trade zusammenhängt. Die stabile Ergebnisentwicklung ist auch an der geringen Volatilität der Halbjahrs-Ergebnisse im Zeitraum von 2010 bis zum ersten Halbjahr 2020 abzulesen. Größere Abweichungen gab es nur bei der Credit Suisse (ca. 150 Prozent) und der Deutschen Bank (ca. 300 Prozent). Autor Karl-Heinz Goedeckemeyer ist Wirtschaftspublizist und Finanzanalyst in Frankfurt am Main. 03 // 2021 13

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