Aufrufe
vor 1 Jahr

die bank 03 // 2020

  • Text
  • Banken
  • Unternehmen
  • Deutschland
  • Risiken
  • Digitalisierung
  • Mitarbeiter
  • Wirtschaft
  • Deutschen
  • Frankfurt
  • Themen
die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT genen Robo

MANAGEMENT genen Robo (WeltInvest) Konkurrenz. Auf die Kompetenz Scalables, das seinen Robo gleichfalls Dritten als White-Label-Lösung anbietet, greift Raisin dabei nicht zu. Zu den B2B-Partnern von Scalable Capital zählen zum Beispiel die Targobank oder die zu Santander gehörende Openbank ebenso wie Siemens Private Finance. Anfang März wurde die neueste Partnerschaft bestätigt, die mit Österreichs größter Bankengruppe, Raiffeisen. Für deren digitale Vermögensverwaltung „WILL“ betreibt Scalable Capital im Rahmen einer B2B- White-Label-Lösung die Plattform. Eine weitere Banken-Kooperation soll noch im ersten Halbjahr erfolgen. Insgesamt 66 Mio. € haben die Münchener bislang eingesammelt, davon rund 25 Mio. € in der jüngsten Finanzierungsrunde im Sommer 2019. Zuletzt wurde das FinTech mit 290 Mio. € bewertet (Post Money), doppelt so hoch wie in der vorherigen Runde Ende 2017. Die größten Investoren sind neben Black- Rock (rund 38 Prozent) Holtzbrinck Ventures (knapp 21 Prozent) und Tengelmann Ventures (knapp 7 Prozent). Die vier Gründer Podzuweit, Prucker, Mittnik sowie Adam French, der das Großbritannien-Geschäft vom Londoner Büro aus steuert, halten zusammen noch rund ein Drittel an ihrem Unternehmen, das in Deutschland, Österreich und Großbritannien präsent ist und bis Oktober 2019 auch in der Schweiz aktiv war. Wann der Break-Even erreicht wird? Da bleibt Podzuweit eher vage. In zwei bis vier Jahren solle es soweit sein. Mehr als 120 Mitarbeiter sind heute in den Niederlassungen in München und London beschäftigt, rund 160 sollen es bis zum Ende des Jahres werden. Ihr 900 Quadratmeter großes Büro in bester Citylage werden die Münchner deshalb schon bald gegen ein mehr als doppelt so großes Office in der Nachbarschaft tauschen. „Wir ziehen in ein Gebäude des Roten Kreuzes, in dem kleine Firmen sehr willkommen sind und wir uns deshalb die Miete leisten können“, freut sich Podzuweit, der auch privat die Kosten im Blick behält: Mit Freundin und kleiner Tochter wohnt er in Berlin-Mitte, am Firmensitz in München teilt er sich mit seinem Bruder und dem Gründerkollegen Mittnik eine WG. Die Eltern Podzuweit brauchten anscheinend gute Nerven, denn mit 15 Jahren beschlossen Erik und sein Zwillingsbruder Frederik, nach Norderney „auszuwandern“: Die ostfriesische Insel lockte die begeisterten Surfer mit Wind satt. Weil eine Tante bereits auf der Insel wohnte, erklären sich die Eltern schließlich einverstanden. Also ziehen die Berliner Jungs alleine um, besuchen zunächst die Schule auf der Nordseeinsel und surfen in der Freizeit. Für das Hobby nehmen die Wassersportbegeisterten sogar in Kauf, dass sie nach der zehnten Klasse täglich fast zwei Stunden mit Boot und Bus nach Norddeich und zurück fahren müssen, um ein Gymnasium besuchen zu können. Nach dem „Ostfriesenabitur“ im hohen Norden – Podzuweit bezeichnet sich selbst als Zahlenmensch und belegte Leistungskurse in Mathe und Physik – geht es erst einmal konventionell weiter: Studium der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre an der Universität in Kiel und an der Warwick Business School in UK; 2006 gelingt Podzuweit mit 25 Jahren der Einstieg bei der renommierten Investmentbank Goldman Sachs. Sieben Jahre lang sammelt er in London und Frankfurt Erfahrungen im Bereich der verbrieften Derivate. Dann leistet sich Erik Podzuweit einen erneuten Bruch, und er macht „eine Internetausbildung“, wie er es selbst beschreibt – wenn auch in der Funktion eines „Co-CEO Germany“. Arbeitgeber war Westwing, ein Münche- 62 03 // 2020

MANAGEMENT DIE CHEFS ner Online-Händler für Wohnaccessoires, den Delia Fischer erst zwei Jahre zuvor gegründet hatte. Fast wie im richtigen Leben war die Ausbildung nach knapp zwei Jahren vorbei, und Podzuweit startete in ein neues Abenteuer: Scalable Capital. Während der 38-Jährige aus seinem Leben erzählt, zückt er immer wieder das Handy, zeigt Fotos von Bruder Frederik (der Industrie-Designer hat das Unternehmen Deep One mitgegründet, das z. B. ein Gerät anbietet, mit dessen Hilfe Gehörlose Musikschwingungen spüren können), und natürlich von Tochter Teda, die seit vergangenem Sommer die ganze Familie, Großeltern inklusive, in Schwung hält. Als Familienvater und Unternehmer ist er zwar seiner Leidenschaft, dem Surfen, treu geblieben. Rugby, das der Sportfreak einst beim Bundesligisten SC Frankfurt 1880 – mit dem er sogar deutscher Meister wurde – spielte, hat er wegen der großen Verletzungsgefahr allerdings aufgegeben. Nicht abschrecken lassen hat sich der damalige Zivildienstleistende von seinen ersten missglückten Anlageversuchen. „Mit Aktien der Deutschen Telekom bin ich voll auf die Nase gefallen“, erinnert sich Podzuweit, hat das aber eher als Ansporn genommen. Die Geschäftsführung teilt sich der Scalable-Chef (im Foto links) mit seinen beiden Mitgründern, dem früheren Goldman-Sachs-Kollegen Florian Prucker (Mitte) und seinem ehemaligen Statistik-Professor Dr. Stefan Mittnik. Podzuweit kümmert sich als „Außenminister“ des Unternehmens um Investoren, Kunden und Marketing. Prucker (37), der Betriebswirtschaft und Elektronik an der TU München studierte, baute für Goldman eine paneuropäische elektronische Handelsplattform für Privatanleger auf, brachte somit technisches Knowhow in das Start-up ein. Mittnik, Professor für Finanzökonomie und Direktor des Center for Quantitative Risk Analysis an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, forscht zu Fragen der Analyse, Modellierung und Prognose von Finanzmarktrisiken. Der heute 64-Jährige hat das Risikomanagement-Modell entwickelt, auf dem der Algorithmus des Robo Advisors basiert. 03 // 2020 63

die bank

© die bank 2014-2020