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die bank 03 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT SERIE

MANAGEMENT SERIE FINTECHS: SCALABLE CAPITAL VOR ALLEM BANKER VERTRAUEN AUF ANLAGETIPPS VOM ROBO Binnen fünf Jahren ist Scalable Capital vom No Name zur Nummer eins unter den digitalen Vermögensverwaltern in Deutschland aufgestiegen. Als erster Anbieter durchbrach das Münchener FinTech bei den Assets under Management die 2 Mrd. €-Marke. Unsere Autorin sprach mit Erik Podzuweit, dem Mitgründer des FinTechs, über den schnellen Aufstieg in einem Markt, an dem die Revolution noch auf sich warten lässt. 58 03 // 2020

MANAGEMENT Wer die Chefs von Deutschlands führenden Robo Advisors kennenlernen möchte, hat es nicht weit. Fast Tür an Tür sitzen die noch jungen digitalen Vermögensverwalter wie Liqid oder quirion auf dem Ku‘damm im Herzen der Hauptstadt, und auch Erik Podzuweit, Mitgründer von Scalable Capital, empfängt zum Interview an der Berliner Traditionsmeile. Dort hat der 38-Jährige ein kleines Büro im Coworking Space „We Work“ angemietet. Eigentlich ist der Firmensitz ja in München. Sehr vermögende Kunden überlässt der digitale Anlagehelfer jedoch nicht ausschließlich der Intelligenz der Maschine. Die treffen Podzuweit und seine Kollegen auf Wunsch persönlich, bundesweit, in eigens für den Anlass gemieteten Räumen. Trotz schnellen Aufstiegs wollen sie die Kosten im Griff behalten. Neben seiner Erfahrung in der Finanzwelt und dem sympathischen, jugendlichen Auftreten des Gründers dürfte gerade diese Sparsamkeit seinem wichtigsten Investor imponiert haben. Den trafen Podzuweit und Mitgründer Florian Prucker 2016 in Zürich. Dort gewährte BlackRock-CEO Larry Fink den beiden Youngstern eine einstündige Audienz. Fink reiste im Firmenjet an, die Jungunternehmer kamen mit dem Flixbus. Der Amerikaner residierte im Grand Hotel Dolder hoch über der Stadt, die Deutschen teilten sich ein kleines Doppelzimmer in einer Pension. „Das fand Fink super“, erinnert sich Podzuweit, und statt die Beiden wie erwartet zu „grillen“, sei der Star-Investor ganz nostalgisch geworden und habe von früher erzählt. Vom vielversprechenden Geschäftsmodell, in das BlackRock schließlich Millionen pumpte, hatten sich Mitarbeiter der Wallstreet-Legende schon vorab überzeugt. Denn Finks Europa-Chef kannte das Duo noch aus seiner Zeit bei Goldman Sachs und hielt auch nach dem Abschied, strategisch klug, Kontakt zum weltweit größten unabhängigen Vermögensverwalter. Ein Kontakt, der sich für das Umsetzen einer nicht eben bescheidenen Vision als sehr hilfreich erweisen sollte. Man wolle die Vermögensverwaltung demokratisieren, so das Credo der Scalable-Gründer, als sie Ende 2014 starteten. Transparenter, einfacher und deutlich günstiger sollte der Vermögensaufbau werden, so die Idee. Die Revolution hat noch nicht stattgefunden Doch fünf Jahre nach der Gründung lässt die Robo-Revolution noch auf sich warten. Die Hoffnungen der Branche hätten sich nicht erfüllt, bilanziert etwa Matthias Hübner, Partner bei der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman. Viele Anbieter hätten die Bedeutung einer bekannten Marke und die Kosten für die Kundenakquise unterschätzt. Die Zielgruppe – internetaffine Kunden mit Interesse an Wertpapieren – sei zudem in Deutschland nicht allzu groß. Die Zahlen sprechen für sich: Das verwaltete Vermögen hat sich in Deutschland 2018 laut Oliver Wyman auf 2,8 Mrd. € zwar mehr als verdoppelt. Ursprünglich war man aber von 3 bis 4 Mrd. € ausgegangen, ein Wert, der erst 2019 erreicht worden sein dürfte. Gemessen an den 600 Mrd. €, die deutsche Privatanleger laut Bundesbank in Investmentfonds halten, sind die Robo-Investitionen ein Klacks. Zahlen allerdings, die weder dem Optimismus noch der guten Laune von Erik Podzuweit etwas anhaben können. Kein Wunder: Pünktlich zu Weihnachten 2019 machte er sich das beste Geschenk selbst. „Als erster digitaler Vermögensverwalter haben wir die 2 Mrd. €- Marke durchbrochen“, sagt er nicht ohne Stolz. Für die erste Milliarde an Assets under Management habe man rund zweieinhalb Jahre gebraucht, für die zweite nur noch anderthalb. Mit mehr als 60.000 Portfolios betreue Scalable die höchste Anzahl unter allen unabhängigen deutschen Vermögensverwaltern. So richtig Schwung in das Geschäft gebracht hat vor allem die Partnerschaft mit der ING. Seit Mitte September 2017 sind die Beiden ein schlagkräftiges Team. Während die nach Kundenzahl drittgrößte Bank in Deutschland ihren mehr als acht Millionen Kunden ein neues, digitales Angebot machen konnte, profitiert das FinTech seitdem von dessen Vertriebspower. Wie das im Einzelnen funktioniert, zeigt beispielhaft ein Schreiben, das die ING im Dezember 2019 an ihre Kunden verschickte. Darin teilte das Institut mit, dass es statt der bereits verschwindend geringen 0,01 Prozent fortan nur noch winzige 0,001 Prozent auf sein Extra-Konto zahlen werde. Die schlechte Nachricht wurde mit dem Hinweis verbunden, dass man sein Geld auch bei Scalable anlegen könne. Von den 2 Mrd. €, die Scalable verwaltet, kommen mittlerweile bereits satte 50 Prozent über die ING. Von solchen Erfolgen kann das Gros der Robo Advisors nur träumen. Als ernstzunehmende Wettbewerber unter den geschätzt 25 deutschen Playern gelten cominvest von der Commerzbank, Liqid und quirion der Quirin Bank (siehe Kasten). Als Grund für die eher schleppende Entwicklung der Branche nennt Berater Hübner die Angst vor der Kannibalisierung eigener Fonds der Banken. Ein klassischer Mischfonds mit einem Ausgabeaufschlag sei im Zweifel attraktiver für die Geldhäuser. Eine Einschätzung, die Podzuweit teilt. Wie andere Experten glaubt er, dass sich der Markt weiter konsoli- 03 // 2020 59

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