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die bank 03 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ÜBER DEN TELLERRAND

ÜBER DEN TELLERRAND SCHAUEN Was Banken und Versicherer von FinTechs lernen können Was macht viele FinTechs so erfolgreich? Und was könnten andere Unternehmen von ihnen kopieren? Ein wichtiger Punkt ist es, auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden einzugehen, sagt Frank Kebsch. Nehmen wir an, Sie möchten ein neues Geschäftskonto eröffnen. Bei etablierten Banken ist das häufig eine schmerzhafte Erfahrung, denn der Prozess kann sich tagelang hinziehen und erfordert das Einreichen vieler Dokumente. Zudem muss der Kunde persönlich in einer Geschäftsstelle erscheinen und – bei mehreren Geschäftsführern – müssen alle dorthin. Will man hingegen bei einer FinTech-Bank ein Geschäftskonto eröffnen, reichen wenige Minuten, ein paar Klicks, und die Anmeldung ist abgegeben. Bis der Kunde erfolgreich den KYC-Prozess durchlaufen hat, kann es natürlich auch ein paar Tage dauern, allerdings ist das immer noch ein Bruchteil der Zeit, die es bei den traditionellen Finanzinstituten braucht – ohne lästigen Filialbesuch, ohne Medienbruch und mit so wenig Dokumenten wie möglich. Das Beispiel zeigt, wie FinTechs in den letzten Jahren zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für die etablierten Banken geworden sind. Sie gelten in der Außenwahrnehmung oft als digitale und langersehnte Lösung auf alle Probleme in der Finanzwelt. Warum ist das so, und wie können traditionelle Banken aufholen? Wer hat aktuell die Nase vorn: Banken oder FinTechs? Endkunden-FinTechs sind agiler als etablierte Banken und gehen auf die Bedürfnisse ihrer Kunden ein: Eine einfache Anwendererfahrung und eine einfache Bedienung sparen Zeit. Da hinken etablierte Banken hinterher – sie gehen nicht schnell genug mit der Digitalisierung mit und können deshalb nicht die gleichen Services liefern. Abgesehen von einer kundenfreundlichen Anwendererfahrung bieten FinTechs ihren Kunden nämlich genau das, was sie wollen, und zwar dann, wenn sie es brauchen. Neueste Technologien machen es möglich. Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wurden in dieser Hinsicht von etablierten Banken lange vernachlässigt. Beispielsweise verwenden die Buchhaltungsabteilungen von KMUs oft eine Vielzahl unterschiedlicher Instrumente. Der Umgang mit mehreren Lizenzen, Schnittstellen und Daten ist zeit- und ressourcenintensiv. Aus diesem Grund haben FinTechs begonnen, vollständig digitale Lösungen zu entwickeln, die es Unternehmen erlauben, ihre Finanzen, Rechnungen und Abrechnungen effizienter zu verwalten. Die Unterstützung bei einem so wichtigen Teil der KMU-Operationen gibt den Unternehmen mehr Flexibilität und Sicherheit bei der Einhaltung von Vorschriften, was ihre Geschäftsmodelle schneller vorantreibt. Auch das Beantragen von Krediten bei traditionellen Banken kann für KMUs ziemlich schwierig und zeitaufwendig sein. Lange Bearbeitungszeiten für einen Kredit wirken sich negativ auf die finanzielle Flexibilität der Unternehmen aus und behindern den Fluss der benötigten Liquidität, z. B. für den Einkauf von neuen Waren. 44 03 // 2020

Neu entwickelte FinTech-Produkte, die speziell auf die Bedürfnisse von KMUs zugeschnitten sind, lösen nicht nur das Problem der langen Bearbeitungszeiten, sondern vereinfachen auch den Antragsprozess und erhöhen gleichzeitig dessen Transparenz. Das Vertrauen der Kunden in Banken und Versicherer Aber auch Banken haben einen entscheidenden Vorteil: Sie besitzen das Vertrauen der Kunden, dank einer häufig jahrzehntelangen Beziehung. Oft ist es nämlich so, dass Kunden generationenübergreifend ihrer „Hausbank” treu bleiben. Ähnlich gestaltet es sich bei Versicherungen. Es überrascht deshalb nicht, dass die Etablierten bei der Anzahl der Kunden und der damit einhergehenden Größe der Infrastruktur die Nase vorn haben. Allerdings sind FinTechs und insbesondere Challenger-Banken auch hier auf der Aufholspur. Die Öffnung des Finanzsektors Spätestens das Inkrafttreten der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) im Herbst 2019 befeuerte die Zusammenarbeit von traditionellen Banken, Versicherern und Fin- Techs. Die Richtlinie wurde von der europäischen Kommission erlassen, um Open Banking zu unterstützen. Der Finanzmarkt wird so Drittanbietern zugänglich gemacht. Die Banken verlieren das Monopol der Kunden, da diese sich in der Theorie ihr ideales Finanzprodukt zusammenstellen können. Wir wissen heute allerdings, dass die Realität anders aussieht, und Banken oftmals dem Wunsch nach Open Banking durch fehlende oder mangelhafte API-Schnittstellen nicht nachkommen können und auf FinTech-Plattformen zurückgreifen müssen. Die Richtlinie eröffnet Marktführern anderer Industrien die Möglichkeit, im Finanzsektor mitzumischen. Finanzen stehen im Grunde hinter allen Industriezweigen, Immobilien, Mobilität und Gesundheit, um einige Beispiele zu nennen. Dazu kommt, dass es in den vergangenen zehn Jahren eine große Zahl von FinTech-Gründungen mit spezifischen Angeboten gab. Diese durch die Digitalisierung hervorgebrachten Veränderungen im Finanzsektor führen zur Übersättigung des Markts, der folglich immer kompetitiver wird. Eine Zukunft haben hier nur FinTechs, die sich zu einer Software-as-a-Service- (SaaS-) und Product-as-a-Service-(PaaS-)Plattform zusammenschließen. Diese Entwicklung nennt sich Platformification. 03 // 2020 45

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