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die bank 03 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

Sind

Sind die Banken beim Thema Klimawandel bereits ein wichtiger Stakeholder für die Unternehmen? Eine Umfrage von Deloitte unter CFOs hält ein klares Ergebnis bereit: Der Druck, beim Thema Klima zu handeln, kommt vor allem von Kunden und Mitarbeitern, das sagen mehr als 80 Prozent der befragten Finanzvorstände. Rund 60 Prozent dagegen gaben an, bislang keinerlei Druck durch die Kreditgeber zu spüren. Dieses Ergebnis verwundert nicht, da sich die Banken erst auf den Weg gemacht haben. Bei HSBC sind wir bereits aktiv geworden. Wir haben im Jahr 2018 begonnen, für diejenigen Kunden, die aus unserer Sicht am stärksten von Transitionsrisiken betroffen sind, Fragebögen zu entwickeln. Ziel ist es, unser Verständnis für ihre Strategie bezüglich des Klimawandels zu schärfen; gleichzeitig wollten wir herausfinden, welche Transitionsrisiken diese Kunden derzeit für sich sehen. Die Fragen haben wir in vier Kategorien aufgeteilt: Risiken, Governance & Strategie, Metrics & Targets sowie Geschäftsmöglichkeiten. Parallel haben wir sechs Sektoren identifiziert, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind: Automobil, Öl & Gas, Energie & Kraftwerke, Chemie, Metalle & Bergbau und Bau. ÿ 1 Wir sind die Fragen mit den Kunden aus den sechs genannten Branchen gemeinsam durchgegangen. Bei der Selektion haben wir uns an den internationalen Industriestandards (SIC Codes) orientiert, die zur Branchenklassifizierung zu Beginn jeder Kundenbeziehung angewendet werden. So können wir einerseits feststellen, ob und wie die Kunden schon auf Klimarisiken reagieren. Und wir filtern jene heraus, die zum Beispiel potenzielle „Stranded Assets“ in ihren Büchern haben. Die Informationen aus dem Fragebogen werden als eine erste Prüfung des Transitionsrisikos in unser Kreditrisiko-Management überführt. Aktuell führen wir weltweit mit 750 Kunden Gespräche, davon rund 90 in Deutschland. In diesem Jahr kommen weitere Sektoren und deren Kunden dazu, um das Transitionsrisiko vollumfänglich abbilden zu können. Wir wollen unsere Kunden in der Übergangszeit begleiten. Das gelingt uns, indem wir über den Fragebogen mit ihnen ins Gespräch über ihre Strategie kommen. Letztlich nehmen wir als Bank damit auch eine gesamtwirtschaftliche Verantwortung wahr. Wir lernen, ob die Finanzierungen unserer Kunden zu den Herausforderungen passen, denen sie möglicherweise gegenüberstehen. Auch das kann ein Diskussionspunkt sein. All das zeigt: Transitionsrisiken werden uns schneller und intensiver beschäftigen als wir noch vor wenigen Jahren beim Klimagipfel von Paris gedacht haben. Frankreich und Großbritannien sind vorgeprescht, die deutsche Aufsicht folgt. Die Banken sollten sich von der Aufsicht jedoch nicht in bürokratische Prozesse mit wenig Aussagekraft treiben lassen. Sie sollten vielmehr selbst aktiv werden – um mehr Transparenz in ihre Kreditbücher zu bringen, um mit ihren Kunden in einen vertiefenden Dialog zu kommen, und nicht zuletzt: weil der Klimaschutz jeden angeht. Autorin Carola von Schmettow, Sprecherin des Vorstands, HSBC Deutschland. 28 03 // 2020

WELCHE TRANSITIONSRISIKEN ERWARTEN DIE KUNDEN? HSBC hat einen Fragebogen entwickelt, um die Folgen des zunehmenden Klimaschutzes auf das Geschäftsmodell der Kunden zu ermitteln. Die Fragen sind in vier Kategorien aufgeteilt: (1) Risiken, (2) Governance & Strategie, (3) Metrics & Targets sowie (4) Geschäftsmöglichkeiten. 1. Risiken: Diese Kategorie enthält Fragen zu den wahrgenommenen Folgen des zunehmenden Klimaschutzes. Beispielhafte Fragen sind: Z Haben sich die Initiativen gegen den Klimawandel bereits auf Ihr Unternehmen ausgewirkt? Falls ja, inwiefern? Z Bewerten Sie die folgenden Risiken, denen das Unternehmen in den kommenden Jahren im Zusammenhang mit dem Klimawandel ausgesetzt ist, zum Beispiel als hoch oder gering, kurzfristig oder mittelfristig? » Physisches Risiko » Risiko der veränderten Nachfrage » Wettbewerbsrisiko » Regulatorisches Risiko » Reputationsrisiko 2. Governance & Strategie: Diese Kategorie an Fragen beschäftigt sich mit der konkreten Strategie, die das Unternehmen im Zug seiner Transformation zur kohlenstoffarmen Produktion verfolgt. Beispielhafte Fragen können sein: Z Hat der Vorstand eine Strategie verabschiedet, um den CO 2-Ausstoß zu reduzieren, entweder auf Unternehmensebene oder in bestimmten Ländern? Z Falls keine Strategie existiert: Gibt es einen festgeschriebenen Plan, um die Treibhausgasemissionen zu verringern? 3. Metrics & Targets: Diese Fragen befassen sich mit den Vorgaben und Zielsetzungen, die das Unternehmen innerhalb seiner Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt, zum Beispiel: Z Fragen nach dem Zeitraum, innerhalb dessen der CO 2-Ausstoß reduziert werden soll; Z Fragen nach dem geplanten Ausmaß der CO 2-Reduktion. 4. Geschäftsmöglichkeiten: Mit diesen Fragen wollen wir herausfinden, wie wir unsere Kunden besser unterstützen können und wie wir unsere eigene Nachhaltigkeitsstrategie weiter optimieren können. Eine beispielhafte Frage wäre: Z Benötigt der Kunde finanzielle Unterstützung für die Veränderung hin zu einem CO 2-verbrauchsärmeren Geschäftsmodell? 03 // 2020 29

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