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die bank 03 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

KLIMASCHUTZ

KLIMASCHUTZ Transitionsrisiken: Wenn das Klima zum Kreditrisiko wird Klimaschutz ist der große „Game Changer“ unserer Zeit. Er verändert die Spielregeln, die wir kennen – und beschert den Banken sogenannte Transitionsrisiken. Wie können Institute diesen Risiken begegnen? Im Dezember 2015 haben sich die Mitgliedstaaten der Klimarahmenkonvention in Paris darauf verständigt, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Bis heute haben 188 Länder dieses Abkommen ratifiziert. Was in Paris weit weg wirkte, sickert nun über Empfehlungen und Vorgaben in die unterschiedlichen Volkswirtschaften hinein. Inzwischen interessieren sich auch Bankenaufseher dafür, ob wir die Folgen der neuen Vorgaben kennen und verstehen. Vorreiter sind die französische und die englische Zentralbank. Schon in diesem Jahr wollen sie für die großen Institute des jeweiligen Landes Szenarien für klimabezogene Stresstests erproben. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde plant ein entsprechendes Vorhaben für das Jahr 2022. Die zentrale Frage lautet: Welche Folgen haben strengere Vorgaben zum Klimaschutz, wenn sich eine Bank bei einem Unternehmen engagiert – etwa mit einem Kredit? Die deutsche Aufsicht setzt derzeit auf Empfehlungen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis aus Empfehlungen Vorschriften werden. Es kommt eine neue Regulierungswelle auf uns Banken zu und wird uns zwingen, die Risiken, die aus strengeren Nachhaltigkeitsvorschriften auf Unternehmen wirken, in unseren Bankbüchern transparent zu machen. HSBC beschäftigt das Thema Nachhaltigkeit schon länger. Wir überprüfen alle wesentlichen Kreditengagements und -anfragen auf Nachhaltigkeitsrisiken. Seit 2004 wird in der Bank ein weltweit einheitliches Sustainability-Risk-Rating eingesetzt, das Regelungen für bestimmte Branchen wie Agrarrohstoffe, Bergbau- und Metallwirtschaft, Chemie, Energiewirtschaft, Rüstung sowie Wald- und Wasserwirtschaft vorsieht. Die HSBC Sustainability Risk Policies und ihre Umsetzung werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf aktualisiert. Seit 2017 beziehen wir klimabezogene Risiken in unsere freiwillige Berichterstattung ein. Die Folgen einer stärkeren Regulierung gehen jedoch weit darüber hinaus. Sie betreffen ganz konkret die Werthaltigkeit der Kreditportfolien. Um die finanziellen Auswirkungen aus dem Klimaschutz zu ermitteln, haben wir uns in einem ersten Schritt mit der Risikoklassifizierung der „Task Force on Climate-related Financial Disclosures“ beschäftigt. 26 03 // 2020

Sie unterscheidet drei Arten von Risiken. Erstens gibt es physische Risiken, etwa durch Überschwemmungen von Produktionsstätten oder Lieferschwierigkeiten bspw. durch Rhein-Niedrigwasser. Physische Risiken treiben vor allem die Versicherer um. Zweitens gibt es Haftungsrisiken. Sie können dann ins Spiel kommen, wenn potenziell durch Umweltänderungen Geschädigte argumentieren, dass bestimmte Unternehmen (Mit-) Verursacher der Erderwärmung seien und entsprechend zur Rechenschaft gezogen würden. Die dritte Risikoklasse sind die Transitionsrisiken, die durch den Übergang in eine CO2-arme Wirtschaft entstehen. Das sind zum Beispiel Risiken, die aus politisch motivierten Veränderungen resultieren, etwa wenn fossile Brennstoffe gezielt verteuert und Umweltabgaben eingeführt werden. Sie können dazu führen, dass betroffene Unternehmen mit signifikanten Ertragsrückgängen rechnen müssen und ganze Geschäftsmodelle ins Wanken geraten. In dieser Übergangszeit können Kosten entstehen, die für viele Unternehmen herausfordernd werden. Ein Beispiel ist der Trend zu Elektroautos und anderen alternativen Energien, der die gesamte Automobilindustrie massiv verändern wird. Eine anderes Transitionsrisiko sind Vermögenswerte, die an Wert verlieren, sogenannte „Stranded Assets“. So dürfte laut einer Studie der Universität London weltweit nur noch ein Drittel der fossilen Energiereserven erschlossen werden. Rund 50 Prozent der bekannten Ölreserven müssten unter der Erde bleiben. Gleiches droht für 90 Prozent der Kohlereserven, sollte kein effizientes CO2-Filterverfahren entwickelt werden. Diese Vorräte stehen heute noch als Aktivposten in den Bilanzen großer Energieunternehmen. Können sie nicht gehoben werden, werden diese Reserven möglicherweise wertlos. Transitionsrisiken können aber auch steigende Belastungen aus dem Handel mit CO2-Zertifikaten sein. Für die Industrie liegt der Preis für eine Tonne CO2 derzeit bei rund 25 € – das ist fast eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr 2018. 25 € sind aber auch der Betrag, den das nachgebesserte Klimapaket der Bundesregierung für die Bereiche Verkehr und Heizen vorsieht. Der Preis soll schrittweise auf 55 € steigen. Doch auch dieser Preis ist noch immer weit von dem entfernt, was nach Expertensicht nötig ist. Große Herausforderungen für die Unternehmen Der Umbau der Geschäftsmodelle, potenzielle „Stranded Assets“ und steigende Kosten für CO2-Emissionen sind große Herausforderungen für Unternehmen. Künftig wird die Aufsicht deshalb von uns deutlich genauer wissen wollen, was mit dem Wert unserer Aktiva passiert, wenn etwa der CO2-Preis kräftig ansteigt. Oder sie will wissen, wie sich der Wert unserer Kredite verändert, wenn zum Beispiel Verbrennungsmotoren in China – dem wichtigsten Automarkt der Welt – nur noch beschränkt oder auch gar nicht mehr zugelassen werden sollten. Aktuell können wir diese Frage nicht im letzten Detail beantworten. Wir sollten aber so schnell wie möglich dazu in der Lage sein, schon aus ureigenem Interesse. Klimabezogene Risiken und Chancen werden sich in Zukunft noch stärker im Geschäft unserer Kunden materialisieren – und sich auch in der Werthaltigkeit unseres Kreditportfolios niederschlagen. 03 // 2020 27

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