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die bank 03 // 2019

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 2 | zehnjährige

MARKT 2 | zehnjährige Bundesanleihe: Realzins vs. Nominalzins in % 8 6 4 2 0 8 6 4 2 0 in % -2 -4 -2 -4 Jan 94 Jan 99 Jan 04 Jan 09 Jan 14 Jan 19 Realzins Nominalzins Quelle: Bloomberg. zent seitwärts. Zuletzt legte sie wieder etwas zu und steht bei 10,7 Prozent. ÿ 3 Kapitalangebot wird zurückgehen Die Ersparnisschwemme wird noch einige Jahre andauern. Wenn die Baby-Boomer nach und nach in den Ruhestand gehen, werden sie ihre Ersparnisse wieder auflösen und das Kapitalangebot wird ganz allmählich zurückgehen. Der Druck auf die Zinsen lässt dann nach. In Deutschland erreichen die ersten geburtenstarken Jahrgänge das Renteneintrittsalter zu Beginn des nächsten Jahrzehnts. Bis die letzten Baby-Boomer (Jahrgang 1969) das Renteneintrittsalter erreichen, werden aber noch weitere 15 Jahre vergehen, sodass erst dann die volle Wirkung des demografischen Wandels erreicht wird. Auf der Nachfrageseite wird der Zins insbesondere von Konjunktur und Wachstum bestimmt. Je höher das Wirtschaftswachstum, desto mehr Kredite werden nachgefragt. Zu den im Trend gesunkenen Zinsen passt, dass die Wachstumsraten in den etablierten Volkswirtschaften über die Jahrzehnte zurückgegangen sind. Aktuell zeigen die eingetrübten Konjunkturaussichten einmal mehr, wie sensibel die Zinsen auf tatsächliche oder auch nur erwartete Nachfrageschwäche reagieren. Seit einigen Jahren wird in Fachkreisen zudem die Gefahr einer Säkularen Stagnation diskutiert. Darunter versteht man die Möglichkeit einer lang anhaltenden Phase der Stagnation oder sehr geringer Wachstumsraten, weil die Investitionen im Verhältnis zu den Ersparnissen zu gering ausfallen und damit die Nachfrage insgesamt zu schwach ist. Wäre dies der Fall, bliebe auch der Druck auf die Zinsen dauerhaft erhalten. Große Wirtschaftsräume stark gewachsen Nun ist die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren mit rund drei Prozent pro Jahr gewachsen und auch die großen Wirtschaftsräume – USA, Europa, China und sogar Japan – konnten erfreulich starkes Wachstum erzielen. Dass die Wirtschaft ihre Dynamik verlieren könnte, mag man in Zeiten des digitalen Umbruchs ebenfalls nicht glauben. Doch obwohl man in dieser Situation kaum von Stagnation sprechen kann, blieb das Zinsniveau sehr niedrig. Zumindest zum Teil kann dies mit dem technischen Fortschritt erklärt werden: Der 10 03 // 2019

MARKT 3 | Deutschland – Realzinsen und Haushaltsersparnisse von 1997 bis 2017 in % 6 5 4 3 2 1 0 -1 -2 -3 Jan 97 Jan 02 Jan 07 Jan 12 Jan 17 12 10 8 6 4 2 0 -2 -4 -6 in % Realzinsen Deutschland Haushaltsersparnisse (rechte Skala) Quelle: Bloomberg. digitale Wandel wirkt sich dämpfend auf die Nachfrage nach Kapital aus, weil das Wachstum im digitalen Teil der Wirtschaft weniger kapitalintensiv ist, als wir es aus der regulären Wirtschaft gewohnt sind. Digitale Güter lassen sich oft zu Grenzkosten von Null verkaufen. Oftmals wird die Wertschöpfung in der Digitalökonomie nicht einmal in den volkswirtschaftlichen Statistiken erfasst, weil die Dienstleistungen kostenlos abgegeben werden. Wenn Wirtschaftswachstum künftig zunehmend immateriell stattfindet, hat dies negative Folgen für die Kapitalnachfrage und für die Zinsen. FAZIT Der kurzfristige Zinsausblick hängt maßgeblich davon ab, ob sich die Risiken weiter zuspitzen oder ob sie nach und nach an Bedeutung verlieren. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die USA und China bei ihrem Handelsstreit Kompromisse finden werden. Auch die italienische Regierung dürfte von der Realität eingeholt werden und einen weniger ausgabefreudigen Kurs einschlagen. Sollte dies eintreten, wird die globale Konjunktur wieder an Dynamik gewinnen. Die Zinsen können dann relativ zügig wieder zu den Niveaus aus dem Herbst 2018 zurückkehren. Die Zinsen werden wohl noch einige Jahre auf niedrigem Niveau verharren. Eine Rückkehr zu Zinsniveaus, die in den Jahrzehnten vor der globalen Finanzkrise als normal galten, wird es vorerst sehr wahrscheinlich nicht geben. Lediglich ein überraschend starker Anstieg der Inflation könnte die Zinsen deutlicher nach oben treiben. Da ein solcher Zinsanstieg aber nur ein Ausgleich für die Inflation wäre, würde sich am niedrigen Realzins nichts ändern. Eine echte Zinswende, die diese Bezeichnung verdient, steht also nicht vor der Tür. Autor Dr. Jörn Quitzau ist Volkswirt und Leiter Wirtschaftstrends beim Bankhaus Berenberg. 03 // 2019 11

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