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die bank 03 // 2018

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT 1 | Die

MANAGEMENT 1 | Die Länder Europas nach wahrgenommener Korruption Erläuterungen: Die Farben entsprechen den Werten des Corruption Perception Index (CPI) in 10er Schritten. Entsprechend repräsentiert die Farbe hellgelb CPI-Werte von 90 bis 100 (fast keine Korruption, siehe Dänemark), dunkelorange (z. B. Italien; CPI 40-50; starke Korruption) oder rot (z. B. Bosnien, CPI 30-40; sehr starke bis extreme Korruption). Die Farben entsprechen nicht ganz den aktuellen Korruptionswerten von 2016. Diesen zufolge hat Frankreich mit 69 eine deutlich geringere Korruption als Portugal (62) und Spanien (58). Insgesamt ist das Nord-Süd-Gefälle der Korruption in Westeuropa gut sichtbar. Quelle: Transparency International Deutschland e. V. das Gläubigerbanken behindert, als auch durch die Politik erleichtert. Premier Tsipras hatte vor seiner Wahl die Devise ausgegeben: „Keine Wohnung in die Hand der Banker.“ 2017 handelte er „informell“ mit den Banken aus, säumige Kreditnehmer bis zu einem Kreditvolumen von 300.000 € nicht zu verfolgen. Der griechische Bankenverband behauptete, es gebe eine solche Vereinbarung nicht, bestätigte aber, man wolle sich auf „große“ Fälle beschränken. Der Fall beleuchtet, dass das formelle Recht in einem korrupten Land reine Makulatur sein kann. In Italien lautet das geflügelte Wort für systematische Tilgungsausweichung „schlechte Zahlungsmoral“. In Bezug auf die geplante europäische Einlagensicherung kann man hier das Problem erkennen, dass dieselben Leute, die durch Tilgungsausweichung ihre Banken der Insolvenz näherbringen, über die Einlagensicherung ihre Gelder sichern könnten. Die Einleger sind nicht immer nur Opfer. Vielmehr könnten sie zugleich auch Täter sein. Dieselbe Kritik trifft auch das Target-System der Zentralbanken, das es korrupten Kreditnehmern erleichtert, sich zuerst am jeweiligen Finanzsystem zu bereichern (und es dadurch zu destabilisieren), um dann via Target die erlangten Gelder in Sicherheit zu bringen. Im Target-System kommen Schuldner überwiegend aus überdurchschnittlich korrupten Ländern. Dieselbe Kritik trifft schließlich auch den ESM, der in letzter Konsequenz zur Folge hat, dass Banken in einer Finanzkrise mit frischem Geld aus nicht korrupten Ländern rekapitalisiert werden können. Die Bedeutung der Rechtssicherheit Ein Teil der Literatur beschäftigt sich mit dem Rechtssystem. Ein unzuverlässiges Rechtssystem ist ein Schmiermittel der Korruption. Schwache Rechte für Kreditgeber sind mit Korruption korreliert. Becker und Stigler hatten schon 1974 vermutet, dass Korruption eine extreme Ausprägung eines Rechtssystems ist, in dem Gesetze nicht ordnungsgemäß durchgesetzt werden. Shleifer und Vishny (1997) zeigen, dass in Ländern, in denen Kreditgeber nicht gut geschützt sind, sich wirtschaftliche Macht in Clans ballt und korrupte Verhaltensweisen anzutreffen sind. Die Bedeutung der Tilgungsausweichung durch ein schwaches Rechtssystem in korrupten Ländern wird auch in der Untersuchung von 2010 von Boudriga, Taktak und Jellouli deutlich. Die Autoren verwendeten den „Strength of Legal Rights Index“ als alternatives Korruptionsmaß und korrelieren diesen mit den NPL für die Länder der sog. MENA- Region (Länder Nordafrikas und des Nahen und Mittleren Ostens). Sie fanden einen hohen, negativen Zusammenhang zwischen NPL und der Qualität des Rechtssystems. Weitere Fragestellungen Es gibt viele weitere Untersuchungen. Auch Finanzkrisen der 80er und 90er Jahre scheinen eine Korrelation mit Korruption aufzuweisen. Viel diskutiert wurde etwa der Fall der Hanbo Steel Corporation, die am Beginn der Südostasienkrise insolvent wurde, woraus 32 03 // 2018

MANAGEMENT 2 | Europäische Nord-, Süd- und Ostländer, NPL-Quoten und Korruption Hoher Anteil NPL Südländer Ostländer Niedriger Anteil NPL Nordländer Niedrige Korruption Hohe Korruption Quelle: Transparency International Deutschland e. V. 6 Mrd. US-$ an faulen Krediten resultierten. Im Verlauf der späteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass bei der Kreditvergabe Korruption mit im Spiel gewesen war. Der Anteil der NPL am Gesamtkreditvolumen ist positiv korreliert mit der Arbeitslosenquote in einem Land, Arbeitslosigkeit und Korruption sind positiv korreliert, hingegen sind Korruption und BIP/Kopf negativ korreliert. Akca, Ata und Karaca wiederum zeigen, dass Inflation und Korruption positiv korreliert sind. Nach Detragiache, Gupta und Tressel bremst Korruption die Entwicklung der Finanzmärkte und das Wirtschaftswachstum. Goel und Hasan beleuchteten dazu auch den Faktor des Bankeigenkapitals. Sie fanden, dass Banken in korrupten Ländern versuchen, den zu erwartenden höheren Ausfällen mit mehr Eigenkapital entgegenzuwirken. ÿ 2 beleuchtet die Dichotomie zwischen Korruption und Non Performing Loans in der Europäischen Union. Die Literatur belegt also einen deutlichen Zusammenhang zwischen Kreditgeschäft und Korruption. In korrupteren Regionen verzeichnen Banken mehr Kreditausfälle und verbuchen mehr Non Performing Loans. Korruption im Kreditgeschäft ist dabei auf allen Seiten anzutreffen: Korrupte Schuldner führen „Tilgungsverweigerung“ durch, indem sie die unsicheren Rechtssysteme ausnutzen. Korrupte Politiker weigern sich, die Rechtssicherheit für Gläubiger zu verbessern und/oder agieren gleich ganz am Rechtssystem vorbei. Korrupte Mitarbeiter der Kreditgeber lenken Kapital an unsolide Schuldner und in ineffiziente Projekte. FAZIT Korruption ist kein Phänomen Einzelner, sondern ein kollektives Zusammenwirken. Hingearbeitet wird dabei auf den „Tag des Erfolgs“, die Kreditauszahlung. Dann werden die Gelder verteilt und jeder erhält seinen Anteil. Der Rückzahlung entzieht man sich in einem löchrigen Rechtssystem mit fadenscheinigen Gründen. In Bezug auf die europäische Einlagensicherung ergibt sich daraus Folgendes: Die deutsche Position, wonach eine solche Einlagensicherung erst nach Beseitigung von NPL-Altlasten eingeführt werden könne, ist zu vordergründig, denn die Literatur zeigt, dass durch Korruption immer neue NPL entstehen. Deshalb muss auch das Neuentstehen von NPL verhindert bzw. geregelt werden. Dem ist die EBA nachgekommen. Sie hat Richtlinien vorgeschlagen, denen zufolge neue NPL ab 2018 innerhalb von zwei Jahren mit ausreichend Eigenkapital unterlegt werden müssen. Diese Regelungen erscheinen viel zu weich. Aber selbst so weiche Regeln wurden von Ländern mit hohem Korruptionsgrad kritisiert. Zusammenfassend muss man die Forderung erheben, dass in Zukunft bei allen Projekten, die mit Geldtransfers in Länder mit hohem Korruptionsgrad verbunden sind oder sein können, das Thema Korruption ex ante explizit anzusprechen ist und die voraussichtlichen Folgen der Korruption für das Projekt darzulegen sind. Die Literatur hat gezeigt, dass Länder mit einem besseren Rechtssystem, in dem Gläubiger ihre Rechte wirksam geltend machen können, weniger Korruption, höheren Wohlstand und weniger faule Kredite haben. Wer an korrupte Länder leichtfertig Finanzmittel verteilt und nicht dafür Sorge trägt, dass die Mittel auch wieder zurückfließen, der leistet weiterer Korruption Vorschub und stabilisiert korrupte Systeme. Autor Prof. Dr. Friedrich Thießen ist Inhaber des Lehrstuhls Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der TU Chemnitz. Interessierte Leser können bei der Redaktion die umfangreiche Literaturliste des Autors zu diesem Beitrag anfordern. 03 // 2018 33

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