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die bank 03 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT » Die Börsen

MARKT » Die Börsen scheinen sich gerade in einer paradoxen Geisteshaltung zu befinden. « Dr. Jan Ehrhardt, stellv. Vorstandsvorsitzender DJE Kapital AG. » Unter Donald Trump sind höhere geopolitische Risiken zu befürchten. « Nick Peters, Multi-Asset-Fondsmanager bei Fidelity International. » Marktwirtschaftliche Erwägungen wie Produktivität, Rentabilität oder Effizienz spielen bei Trump keine Rolle. Das Thema Digitalisierung findet bei ihm nicht statt. « Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung GmbH » Nur wenn die Bankenprobleme gelöst werden, können die populistischen Bewegungen geschwächt werden. « IW-Direktor Prof. Dr. Michael Hüther. 10 03 // 2017

MARKT tig getraut. So verkauften sie unmittelbar nach den Wahlen Aktien im Wert von nahezu 100 Mio. US-$. Weitere Ausverkäufe könnten anstehen, denn viele Bankmitarbeiter aus der zweiten und dritten Reihe werden in den USA auch mit Aktien und Optionen belohnt, ohne dass sie deren Verkäufe offenlegen müssen. Risiko einer Trump-Blase Für den breiten Markt sieht es dagegen ganz anders aus. Die Gefahr einer Enttäuschung ist groß. „Viele Marktteilnehmer hoffen auf eine ,Trumpflation‘, also eine durch Trumps Wirtschaftspolitik bewirkte Rückkehr der Inflation“, glaubt Nick Peters, Fondsmanager bei Fidelity International. Die Gefahr einer Fehlinterpretation ist allerdings groß. Sofern starke Daten allzu optimistisch interpretiert würden, könnten bei einer Enttäuschung ziemliche Marktturbulenzen mit erhöhter Volatilität drohen. Die Erwartung, höhere Infrastrukturausgaben unter Trump würden die Nachfrage nach Industrieprodukten und damit die Gewinne von Industrieunternehmen anheizen, könnte sich nicht erfüllen. „Diese Blase kann leicht platzen“, warnt Peters, denn fraglich sei, ob Trump seine vollmundigen Wahlkampfversprechen überhaupt einlösen kann. Zudem haben Infrastrukturprojekte lange Vorlaufzeiten. Höhere Infrastrukturausgaben werden sich daher vermutlich erst nach Monaten, wenn nicht gar Jahren, positiv bemerkbar machen. „Von manchen Wahlversprechen wird man wohl in den nächsten vier Jahren aus dem Weißen Haus nichts mehr hören, was auch nicht unbedingt bedauerlich wäre“, prognostiziert Patrick Franke von der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen. Der Volkswirt rechnet damit, dass es vor allem beim Thema Steuersenkung zügig vorangehen wird und dass sich womöglich schon im April konkret abzeichnet, in welchem Umfang Haushalte und Unternehmen entlastet werden sollen. Mit einer grundlegenden Verbesserung der Steuersystematik rechnet Ökonom Franke allerdings nicht: „Von einer geringeren Einkommenssteuer werden vor allem die Einkommensstärksten profitieren, was den konjunkturellen Impuls begrenzt.“ „Historisch waren immer jene US-Präsidenten besonders erfolgreich, die auf eine starke wirtschaftliche Entwicklung der USA setzen konnten. Als Paradebeispiel ist hierfür Bill Clinton zu nennen, der trotz – oder eher wegen – des in seiner ersten Amtszeit in Kraft getretenen Freihandelsabkommens mit Kanada und Mexiko 24 Millionen Arbeitsplätze in den USA geschaffen hat. So hat er die Grundlage für Haushaltsüberschüsse in seiner zweiten Amtszeit gelegt“, meint Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung GmbH. Trumps Politik dagegen sei konsequent rückwärtsgewandt. „Trumps Stil ist Planwirtschaft per Twitter“, sagt Schön. Die Perspektive eines Analysten einnehmen „Die Dinge werden nicht wieder normal werden“, sagt Brad Tank vom US-Asset-Manager Neuberger Berman. Die Politik habe es mit einem Präsidenten zu tun, der in Echtzeit laut denkt. Von allen Zielen auf der Tagesordnung der neuen Regierung dürfte keines mehr Auswirkungen haben als die Steuerreform, glaubt auch Tank. Es sei noch immer nicht klar, wie viel Transparenz hier gegeben ist, obschon der Haushaltsentwurf der Republikaner bereits seit acht Monaten vorliege. „Die Frage ist nun, wie viel davon übrigbleibt“, so Tank. Die EU in der Defensive Für die internationale Politik ist dies alles eine ganz neue Erfahrung. Die Situation bereitet auch der Europäischen Union größeres Unbehagen. Die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen drohen, den Freihandel einzuschnüren und die Wirtschaft langfristig auszubremsen. Nach Jahrzehnten des Wachstums drohen der EU und dem Freihandel erstmals harte Rückschläge: Donald Trumps Präsidentschaft stellt die transatlantischen Beziehungen auf die Probe – der Protektionismus ist auf dem Vormarsch. Zudem bedrohen die wirtschaftliche Krise in Italien und der Brexit die Zukunftsfähigkeit der Union. Europa muss sich auf diese Unsicherheiten einstellen und Handlungsfähigkeit beweisen. „Brüssel muss verhindern, dass sich die Union weiter auflöst“, sagt der Kölner Ökonom Professor Michael Hüther. Die vier Grundfreiheiten – freier Verkehr von Personen, Waren, Kapital und Dienstleistungen – dürfen nicht in Frage gestellt werden. Langfristig haben London und Washington mehr zu verlieren als die EU. Dem Protektionismus entschieden entgegentreten Das größere Sorgenkind der Eurozone ist allerdings Italien: Banken und Unternehmen leiden unter einer anhaltenden Kreditkrise und drohen handlungsunfähig zu werden. Die Finanzaufsicht muss den Druck hoch halten, um verschleppte Probleme mit notleidenden Krediten zu lösen. „Nur wenn die Bankenprobleme gelöst werden, kommt die italienische Wirtschaft wieder auf die Beine und können die populistischen Bewegungen geschwächt werden“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. Da sich der Euroraum weiter erholt, Energiepreise und Inflationserwartungen steigen, droht keine Deflation mehr. Die Europäische Zentralbank muss nun die Finanzstabilitätsrisiken in den Blick nehmen, die sich durch die Niedrigzinsphase für Banken und Versicherungen ergeben. „Daher sollte in zwei Schritten der negative Einlagezins für Banken auf Null gesetzt und der Leitzins auf 0,25 Prozent erhöht werden“, rät Hüther. Wenn sich die Wirtschaft weiter erholt, müsse das Anleihekaufprogramm im Jahr 2017 auslaufen und danach die Zinswende mit allmählichen Zinserhöhungen beginnen. Auch international sollte die EU ihren Einfluss geltend machen. „Brüssel muss die Prinzipien des Freihandels stärken und sich einem Protektionismus à la Trump entschieden entgegenstellen“, sagt Hüther. Europa ist stark – muss dies aber jetzt unter Beweis stellen. Autor: Stefan Hirschmann 03 // 2017 11

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