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die bank 03 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING Strategische

ó BANKING Strategische Herausforderungen für Europas Banken STRATEGIE Im Kern sind fünf strategische Herausforderungen zu erkennen, die auf fast jede europäische Bank zutreffen und die es sich auch im Hinblick auf die zu ergreifenden strategischen Maßnahmen lohnt, in ihren Wechselwirkungen genauer zu betrachten. Im Detail sind dies erstens eine nicht abebbende Welle regulatorischer Verschärfungen, insbesondere für die großen systemrelevanten Banken, zweitens die zunehmende Belastung durch das niedrige Zinsniveau und eine sich verflachende Zinskurve, drittens der schwierige Wiederaufbau der Reputation angesichts zahlreicher anhaltender Rechtsstreitigkeiten, viertens die weiterhin relativ hohe Ressourcenbindung durch Non Core und Non Performing Legacy Assets, und schließlich fünftens der Eintritt neuer Wettbewerber im Zuge der unaufhaltbaren Digitalisierung der Bankgeschäfte. Axel Wieandt Keywords: Regulierung, Geschäftsmodell, Digitalisierung, Organisation Die Anzahl der Banken in der Eurozone ist rückläufig: 1 Per Ende 2013 gab es nach EZB-Berechnungen noch 5.948 Banken, nach 6.100 Banken im Jahr 2012 und 6.690 im Jahr 2008. Nicht nur die Anzahl der Institute allein geht zurück, sondern auch die aggregierte Bilanzsumme aller Banken, die 26,8 Bio. € Ende 2013 betrug, was einem Minus von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sogar einem Rückgang von 20 Prozent gegenüber 2008 entspricht, wenngleich dies immer noch 280 Prozent des BIPs der Eurozone ausmacht. 2 Die Anpassungsprozesse in der europäischen Bankenbranche nach der Finanzkrise sind jedoch noch lange nicht zu Ende. Am deutlichsten sieht man das bei den Eigenkapitalrenditen (RoEs), welche die europäischen Banken aktuell erwirtschaften. Sie liegen immer noch deutlich unter den Kapitalkosten. 3 Besonders schlecht ist es in dieser Hinsicht um die Banken in Deutschland bestellt: Die durchschnittliche Eigenkapitalrentabilität der deutschen Banken liegt einer aktuellen Studie zufolge bei 1,26 Prozent. 4 Nur sechs Prozent aller Banken in Deutschland überhaupt verdienen die Kapitalkosten. 5 Die drei größten börsennotierten deutschen Banken weisen allesamt ein P/B Multiple von deutlich weniger als 1,0 x auf. Die Situation für viele US-amerikanische Banken und Banken aus den Emerging Markets sieht in punkto Rentabilität und Aktienmarktbewertungen dagegen deutlich besser aus. Diese Konstellation macht die Stärkung der Eigenkapitalausstattung für die europäischen Banken, insbesondere für die deutschen Banken, im internationalen Vergleich relativ schwer. Eine wesentliche Ursache für das offensichtliche Ungleichgewicht ist natürlich auch die schwierige, sich eintrübende wirtschaftliche Situation in der Eurozone, insbesondere in der südlichen Peripherie, sowie die schwelende Strukturkrise des Eurosystems insgesamt. In Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass die hiesigen Institute in einem weitgehend undurchlässigen Drei- Säulen-Bankensystem agieren müssen. Die dadurch bedingte Fragmentierung des Bankenmarkts und die Kreditzinswettbewerbsverzerrungen durch Sparkassen bzw. Banken in der Trägerschaft von Kommunen, Städten, Ländern und auch des Bundes sind weitere Ursachen für die Performance- und Bewertungsschwäche deutscher Banken. Auch wenn es gerade hierzulande immer noch populär ist, das Renditestreben der Banken zu geißeln, so muss man doch festhalten, dass die laufende Profitabilität immer noch der erste Schutzwall für die Verlustabsorption bleibt. Eine gesunde Volkswirtschaft braucht starke, profitable Banken. Umgekehrt benötigen die Banken zum Gedeihen auch eine prosperierende Volkswirtschaft. Nicht abebbende Welle regulatorischer Verschärfungen Eine der größten Herausforderungen für die europäischen Banken ist nach wie vor die Geschwindigkeit der Veränderungen – in der Regel also Verschärfungen – im regulatorischen Umfeld. Begrüßenswertes und richtiges Ziel dieser regulatorischen Maßnahmen ist die Erhöhung der Stabilität des weltweiten Finanzsystems und die Beendigung des „Too Big To Fail“ (TBTF). Die Umsetzung von Basel III läuft in Europa mit der Implementierung des CRD-IV-Pakets, nämlich der Capital Requirements Regulation (CRR) und der Ca- 28 diebank 3.2015

BANKING ó pital Requirements Directive (CRD), seit dem 1. Januar 2014. Die wesentlichen Bausteine des Pakets sind bekanntlich eine engere Definition des aufsichtsrechtlichen Kapitals, eine stärkere Gewichtung des harten Kernkapitals, höhere Mindestkapitalquoten, eine stärkere Risikogewichtung der Counterparty Exposures, ein neuer antizyklischer Kapitalpuffer, die Einführung einer Mindest-Leverage- Ratio sowie die Regeln für die Liquidity Coverage Ratio (LCR) und die Net Stable Funding Ratio (NSFR). Darüber hinaus sieht das CRD-IV-Paket weitere Maßnahmen vor, unter anderem Kapitalzuschläge für systemrelevante Banken (SIBs) und die Möglichkeit zur Einführung zusätzlicher Kapitalpuffer für systemische Risiken auf nationaler Ebene. Es bleiben jedoch zahlreiche Unsicherheiten und Inkonsistenzen, welche die Implementierung des CRD-IV-Pakets für die Banken erschweren: Zahlreiche Unsicherheiten und Inkonsistenzen Für die Umsetzung der neuen Mindestkapitalquoten existiert zwar eine Übergangsfrist bis 2018, die Kapitalmärkte verlangen aber von den Banken in der Regel schon viel früher eine schnellere vollständige Implementierung. Zudem haben die Aufseher in Basel begonnen, die internen Modelle zur Risikogewichtung der Aktiva zu untersuchen und Benchmarks und Mindestschwellen zu diskutieren. Nicht nur die internen Modelle für Kredit- und Marktrisiko sind in Basel auf dem Prüfstand, sondern auch die Kapitalansätze für operationelle Risiken. So ist es wenig verwunderlich, dass die neue europaweite Bankenaufsicht bei der EZB auf eine weitere Harmonisierung der internen Modelle drängt. Die Unsicherheit bezüglich der tatsächlichen Kapitalanforderungen im eingeschwungenen Zustand, ob auf Basis geltender Regeln oder im Hinblick auf regulatorische Neuerungen, ist also immer noch nicht beseitigt. Die Regeln für die LCR stehen jetzt zwar weitgehend fest, machen allerdings zukünftige Zentralbankoperationen schwieriger, da bei der Inanspruchnahme von Tendern mit einer Laufzeit von mehr als 30 Tagen die relativen Beschränkungen für die High Quality Liquid Assets (HQLA) in drei Kategorien, nämlich Level 1, 2A (40 Prozent) und 2B (15 Prozent), berücksichtigt werden müssen. Positiv ist an dieser Stelle zu bemerken, dass sich nicht nur Pfandbriefe sondern auch Verbriefungen – nach entsprechenden Haircuts – als Level 2 HQLA qualifizieren. Für die NSFR gibt es einen Beobachtungszeitraum bis 2016, nach dessen Ablauf erst die genauen Herausforderungen spezifiziert werden sollen. Allerdings ist heute schon klar, dass es zu einer Einschränkung im Angebot von Langfristfinanzierungen kommen wird und sich auch der Kampf um Kundeneinlagen verschärfen dürfte, unabhängig davon, wie die Anrechenbarkeit für das Stable Funding noch nachkalibriert wird. Die Leverage Ratio muss von diesem Jahr an bereits berichtet werden. Nach Finalisierung der Berechnungsmethodik soll ab 2018 eine Mindest-Ratio von aktuell drei Prozent Tier-1-Kapital gelten. In der Schweiz, Großbritannien und den USA werden aber bereits höhere Mindestquoten von vier, fünf oder sogar sechs Prozent für systemrelevante Banken bzw. deren Retailtöchter diskutiert. Der Back Stop wird also für viele Banken zum bindenden Front Stop und schafft damit einen vermutlich ungewollten Anreiz, den Risikogehalt der Bilanz zu erhöhen. Zweiter Regulierungsschritt vor dem ersten Angesichts dieser Entwicklungen – nämlich einer höheren Risikogewichtung durch die Einführung von Benchmarks für die internen Ratingmodelle, einer höheren Mindest-Leverage-Ratio, dem Vergolden des Basel-III-Standards in einigen Ländern sowie der indirekten Verschärfung der Kapitalanforderungen durch Stresstests – wird Basel IV de facto bereits eingeführt, bevor Basel III überhaupt vollständig implementiert ist. Zur Beseitigung des TBTF wurden zusätzlich zu den höheren Kapitalanforderungen für G-SIBs und N-SIBs weitere Maßnahmen ergriffen. Im Zuge der Errichtung der europäischen Bankenunion sind hier an erster Stelle die Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD) und der Single Resolution Mechanism (SRM) zu nennen, durch welche die Restrukturierung und Abwicklung von Banken in Europa harmonisiert werden. Zentrales Element der BRRD ist das Bail-in-Tool, mit dem die Beteiligung der Aktionäre und Gläubiger einer Bank entsprechend einer Haftungskaskade bis zu einer Höhe von zunächst acht Prozent der Verbindlichkeiten an den Kosten der Abwicklung beteiligt werden können, bevor der noch auf 55 Mrd.€ zu befüllende Single Resolution Fund (SRF) einspringen kann. Es sei denn, es käme, wie von vielen Marktbeobachtern erwartet, im Vorwege zu einer staatlichen Rettungsaktion als sogenannte Precautionary Measure. Dann müsste auch der komplexe Entscheidungsmechanismus des SSM nicht „über ein Wochenende“ getestet werden. Um sicherzustellen, dass im Fall der Fälle auch genug „bail-in-able“-Verbindlichkeiten vorhanden sind, hat das Financial Stability Board zum G 20-Meeting in Brisbane Vorschläge für die zukünftige Zusammensetzung des Total Loss Absorbing Capital (TLAC) in Höhe von insgesamt mindestens 16 bis 20 Prozent der risikogewicheten Aktiva bzw. sechs Prozent der ungewichteteten Aktiva unterbreitet. Diese Vorschläge sollen nach einer Konsultationsperiode im Jahr 2015 von den G 20 verabschiedet werden. Sie werden sicherlich auch auf die noch festzulegenden Minimum Required Eligible Liabilities (MREL) gemäß BRRD abstrahlen. 6 Im Zug eines vorauseilenden Gehorsams und auch mit Blick auf die weiter 3.2015 diebank 29

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