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die bank 02 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT 22

MANAGEMENT 22 02 | 2022

MANAGEMENT Die Historie Im Speicher unter dem Dach des Bankhauses betreibt Seniorchef Jörg Gabler ein Archiv und versucht dort mit Unterstützung seines Enkels Fritz zusammenzubringen, was an Unterlagen noch breit verstreut aufbewahrt wird. Zum 190-jährigen Jubiläum der Bank brachten die beiden im Jahr 2018 ein Goldenes Buch der Familie heraus. Drei Jahre Arbeit hatten sie in das knapp 170 Seiten starke historische Werk „Vom Salpetersieder zum Bankier – 300 Jahre Familie Gabler“ gesteckt. Drei Generationen Gabler signierten schließlich noch 300 Exemplare von Hand, bevor sie diese den Gästen überreichten. Neuen Kunden präsentiert die Bank das Werk immer noch gern als „große goldene Visitenkarte“. Mit einer Historie von fast 200 Jahren gehört die Gabler- Saliter-Bank zu den ältesten inhabergeführten Privatbanken. Am 5. Januar 1828 reichte ihr Gründer, Johann Michael Gabler (1794-1862), Ur-ur-urgroßvater des amtierenden Vorstands Dr. Jörg Gabler, erstmals einen Kredit aus. Für 100 Gulden verlangte er 4 Prozent Zinsen. Zehn Jahre lang verlieh er ausschließlich eigenes Geld. 1838 kam der Landarzt Wankmüller als erster Kunde, der bei dem Bankier Geld anlegte, und zwar 1.000 Gulden. Wenige Jahre später nahmen die Darlehenssummen immer stärker zu, das Bankhaus finanzierte u. a. ein Brauhaus, eine Papiermühle, eine Glockengießerei. Gleichzeitig erwarb die Familie Wälder und Grundstücke in Obergünzburg, die zum Teil auch heute noch zum Besitz gehören. Fast zu Ende gewesen wäre die Geschichte der Bank nach dem Ersten Weltkrieg in den Jahren der großen Inflation. Pfandbriefe und Effekten wurden wertlos, der damalige Inhaber Johann Michael Gabler der Jüngere, Teil der dritten Generation, musste die Bank an die Bayrische Vereinsbank verkaufen, die in Obergünzburg eine „Depositen-Casse“ eröffnete. Als vorausschauender Geschäftsmann hatte sich Gabler jedoch eine Rückkaufoption zusichern lassen, die er 1924 zog. Mit Pfandbriefen und Spargeldern konnte er schließlich zehn Jahre ein florierendes Geschäft betreiben, bis 1933 Hitler die Macht ergriff. Unter anderem wegen ihrer Verbindung zu jüdischen Geschäftsleuten, etwa dem Münchner Bankhaus Aufhäuser, damals Partner im Wertpapier- und Anleihegeschäft, drohte die Gauwirtschaftskammer 1944 mit der Schließung des Bankhauses. Freunde bei der damaligen Reichsbank erreichten jedoch, dass Gabler-Saliter erst nach dem „Endsieg“ geschlossen werden sollte. Nur gut einen Monat nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahmen die Gablers in den damals schwierigen Zeiten in der amerikanisch besetzten Zone die Bankgeschäfte wieder auf. Im Zuge der Währungsreform 1948 schrumpfte das Eigenkapital zwar dramatisch, aber Grundstücke, Immobilien und Beteiligungen in nicht kriegsrelevante Branchen blieben erhalten. In einem ersten Schritt fokussierte man sich auf das Hypothekengeschäft. 1971 wurden schließlich Milchwerke und Bank, die bis dahin noch gemeinsam bilanzierten, rechtlich getrennt. Die Gabler-Saliter-Bank wurde in der Rechtsform einer KG weitergeführt. 1973 übernahm Jörg Gabler die Leitung in fünfter Generation und baute sie zu einer im Allgäu regional verankerten Vollbank mit mehreren Standorten im Umkreis aus. Zu den Kunden zählten neben Privatleuten vor allem Landwirte, Handwerker und Kleinindustrielle. Den Namen Saliter steuerte ein Vorfahre von Johann Michael Gabler bei, der die Tochter eines Saliterers geheiratet hatte. Saliterer gewinnen Salpeter, aus dem damals Schwarzpulver gemacht wurde. Um ihre Einnahmen zu steigern, begann die Familie Butter zu haltbarem Butterschmalz zu sieden. Das Schmalz verkaufte die Familie bis in die Schweiz und ins Elsass. Später entstanden aus dem Schmalzgeschäft die Saliter Milchwerke. Die Salpetersiederei wurde Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben. Die Saliter Milchwerke übernahm 1998 die Allgäuer Ehrmann AG. Noch immer ziert der Stempel des Gründers Johann Michael Gabler das Logo der Privatbank. Neben den drei Initialen zeigt es in der Mitte den Kessel, in dem der Salpeter zur Reinigung gekocht wurde. Darüber sind Hacke und Schaufel abgebildet, mit denen der Salpeter von den meist feuchten Hauswänden abgeschürft wurde. Im Jahr 2017 zählte das „Manager Magazin“ die Gablers zu den 1.001 erfolgreichsten Familien des Landes. 02 | 2022 23

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