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die bank 02 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT GESCHÄFTSMODELLE: GABLER-SALITER Tradition, die sich auszahlt 14 02 | 2022

MANAGEMENT Die Familie zeigt Flagge. Mit Dr. Jörg Gabler, Stefan Gabler, Fritz Gabler sowie Vorstand Stefan Blaukat stellt sich fast das komplette Führungsgremium der Gabler-Saliter Bankgeschäft AG dem Interview. Seit 1828 betreiben die Gablers das Bankgeschäft, unternehmerisch tätig sind sie sogar schon fast 300 Jahre. Und immer noch bleibt die Familie unter Beim Goldenen Buch der Familie haben Dr. Jörg Gabler und sein Enkel sich, hält 100 Prozent der Anteile. Fritz Rupert gemeinsame Sache gemacht. Zusammen durchforsteten sie die Wie sich eine kleine inhabergeführte Bank im idyllischen Obergünzburg erfolgreich in der Branche be- Archive, recherchierten und ließen den Historiker Dr. Gerd Holzheimer präsentieren, wie die Gablers in 300 Jahren vom hauptet. Salpetersieder zum Bankier aufstiegen (mehr dazu unter „Die Historie“). Seit 1971 lenkt der heute 91-Jährige als persönlich haftender Gesellschafter eine der ältesten inhabergeführten Privatbanken Deutschlands, die Gabler-Saliter-Bank. In wenigen Jahren soll Enkel Fritz nachrücken und die Familientradition mit seinem Bruder Johann in der siebten Generation fortführen. „Unser Denken und Handeln basiert auf Werten, die sich seit Generationen bewährt haben“, sagt Jörg Gabler. Mögen Finanzkrisen, Digitalisierung und innovative FinTechs die Bankenbranche durcheinanderwirbeln, an seinen unternehmerischen Grundsätzen hält der vermutlich älteste noch amtierende Banker der Welt eisern fest. Als er kurz vor Weihnachten auf einen versandfertigen Brief stößt, in dem die Bank einen langjährigen Kunden um Ausgleich seines überzogenen Kontos bis zum 22. Dezember bittet, lässt er das Datum noch einmal ändern. Die Weihnachtsruhe wollte Jörg Gabler nicht stören und ließ als neue Frist den 3. Januar 2022 einsetzen. Die Uhren ticken anders in der Gabler-Saliter-Bank. „Manufaktur – und nicht für jeden“ Und doch steht die Zeit nicht still. Niedrigzinsen, stetig steigende regulatorische Anforderungen, Urteile zum Verbraucherschutz, härter werdender Wettbewerb und nicht zuletzt die US-Internetgiganten Amazon, Apple & Co setzen kleine und große Institute gleichermaßen unter Druck. Will ein Bankhaus mit gerade mal 35 Angestellten überleben, braucht es ein tragfähiges Geschäftsmodell. Um das im Kern zu beschreiben, kommt Stefan Blaukat mit einigen wenigen Sätzen aus. „Wir sind eine Manufaktur für Vermögensträger in allen Bereichen des Bankgeschäfts, und das nicht für jeden“, sagt der 55-Jährige, der im Februar 2017 als familienfremder Manager in den Vorstand der Gabler-Saliter-Bank rückte. Neben dem klassischen Vermögensbetreuungsgeschäft konzentrieren sich die Allgäuer auf das Kreditgeschäft mit vermögenden Privatkunden, regionalen Gewerbetreibenden und Landwirten. Das Geschäftsgebiet umfasst das Allgäu sowie die Regionen um den Bodensee, München und Augsburg ebenso wie Baden- Württemberg. „Wir haben seit zehn Jahren eine Marktlücke besetzt. Vermögenden, unternehmerisch denkenden und mit hoher Bonität ausgestatten Persönlichkeiten, die zum Beispiel Grundstücke, Immobilien, Kunst, Firmenbeteiligungen oder andere Vermögenswerte erwerben wollen, stehen wir mit Finanzierungen zur Seite“, sagt Vorstand Stefan Gabler, Vertreter der sechsten Generation, Sohn von Jörg Gabler und Vater von Fritz. Ziel sei es, Kredite sehr kurzfristig zu vergeben. Wenn etwa ein Kunde ein Grundstück am Bodensee oder eine Finca auf Mallorca in Aussicht habe, könne er nicht wochenlang warten, bis eine Bank das Projekt in all seinen Verästelungen geprüft habe. „Anders als die großen Banken, die auf Basis extrem strukturierter Prozesse ein Investitionsobjekt beurteilen, stehen bei uns die Persönlichkeit und das uns schon lange bekannte Vermögensbild des Investors im Vordergrund.“ Im Bestand gehaltene Objekte der Kunden garantierten eine Sicherheit, um bei neuen Investitionsvorhaben zügig eine Kreditentscheidung treffen zu können. „Im Kreditgeschäft sind wir wie Manufactum. Wir arbeiten für jeden Kunden ein individuelles Finanzierungskonzept aus“, ergänzt Blaukat. Das funktioniere bei der Größe der Bank, die zuletzt auf eine Bilanzsumme von gerade mal gut 220 Mio. € kam, nicht im Massen- 02 | 2022 15

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