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die bank 02 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT nicht auf der

MARKT nicht auf der Agenda zu stehen. Offenbar sind viele Institute noch zu sehr mit Themen wie Kosten- und Risikomanagement und Digitalisierung beschäftigt. Konzernumbau auf der Agenda Gerade diese Themen könnten einzelne Banken dazu veranlassen, den Konzernumbau stärker voranzutreiben, nicht zuletzt, um höhere Werte für ihre Aktionäre zu generieren. Zu diesen Instituten dürften HSBC, UniCredit, SocGen, Credit Suisse und auch die Commerzbank zählen. Bei allen Instituten liegen aktualisierte Strategiepläne bereits in der Schublade, die in Kombination mit den Finanzzielen in den kommenden Monaten der Anlegergemeinde präsentiert werden. Somit könnten Fusionen und Übernahmen durchaus ganz oben auf der Agenda für 2022 stehen. In Deutschland sind Deutsche Bank und Commerzbank in ihren Transformationsprozessen relativ weit fortgeschritten. Während die Restrukturierung der Commerzbank („Strategie 2024“) noch zwei weitere Jahre andauern wird, befindet sich die Deutsche Bank in einem Übergangsjahr. Wichtig wird daher sein, ob die Bank ihre für dieses Jahr angepeilte Kosten-Ertrags-Quote von 70 Prozent erreichen wird und die Ertragserwartung von 25 Mrd. € übertreffen kann. Wegen der höheren Kosten im Investmentbanking verfehlte das Institut die Konsensschätzung im vierten Quartal 2021. Die Investoren will die Deutsche Bank mit der in Aussicht gestellten Gesamtausschüttung von 700 Mio. € im ersten Halbjahr zufriedenstellen. Für die weitere Entwicklung der Commerzbank wird wichtig sein, ob die Bank im Jahr 2024 wieder ausreichend profitabel sein und eine bereinigte Eigenkapitalrendite (RoTE) von 7 Prozent erreichen wird. Im vierten Quartal 2021 musste das Institut bei der polnischen Tochter mBank zwar weitere 436 Mio. € zurückstellen, erwartet aber weiterhin einen positiven Nettogewinn für 2021. Ganz anders ist die Situation bei der Credit Suisse, die ihren Krisenmodus offenbar nicht verlassen kann. Nach dem Skandal um den Hedgefonds Archegos Capital, der der Großbank einen Verlust von 4,4 Mrd. CHF bescherte, und den vielen teuren Rechtsstreitigkeiten, die die operativ erzielten Gewinne jahrelang auslöschten, kann nicht verwundern, dass die Eigenkapitalrenditen seit 2016 auf unbefriedigenden Niveaus verharren. Da die Großbank auch im vierten Quartal 2021 wegen Rückstellungen für bedeutende Rechtsstreitigkeiten einen Vorsteuerverlust in Höhe von rund 1,6 Mrd. CHF auswies, stellt sich die Frage, ob die Bank mit einem Börsenwert von nur noch 22 Mrd. CHF in ihrer jetzigen Form noch überlebensfähig ist. Dazu passt, dass sich unter den globalen Top-25 Instituten zum Jahresende nur zwei europäische Banken platzieren konnten: HSBC mit einem Börsenwert von 122,6 Mrd. € und BNP Paribas mit 85,3 Mrd. €. Die Commerzbank wird mit 8,9 Mrd. € und die Deutsche Bank mit 22,2 Mrd. € bewertet (Stichtag: 25. Januar 2022). Risiken für den Bankensektor 2022 Während die fundamentalen Kennzahlen von Europas Banken so langsam auf das Vor-Corona-Niveau einschwenken, dürfte das Marktrisiko die größte Gefahrenquelle darstellen. Sowohl die ansteigende Volatilität an den Kapitalmärkten als auch der rasante Anstieg der Inflationsraten lassen erahnen, dass man sich früher oder später dem Zeitpunkt der Zinswende nähert, unter anderem mit entsprechenden Folgen für die Fair-Value-Bewertungen in den Bankbüchern, gibt die LBBW in ihrem „Credits Weekly“ zu bedenken. Insofern sei bei Europas Banken trotz des Endes der pandemiebedingt starken Verwerfungen der letzten beiden Jahre Wachsamkeit angeraten. Zwar wurde das europäische Bankenumfeld im letzten Jahr durch boomende Märkte, eine niedrige Anzahl an Kreditausfällen und durch einmalige Effekte wie die begünstigten Finanzierungsbedingungen (Stichwort: TLTRO) seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) befeuert. Die positiven Ergebnisse des EZB-Stresstests führen jedoch zu einem trügerischen Bild, da die wirkliche Herausforderung nicht im makroökonomischen Umfeld, sondern in den zu transformierenden Geschäftsmodellen der Banken liege, heißt es in der o. g. Studie von Strategy&. Zudem gehe im Bankenmarkt die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern zunehmend weiter auf, sagt Dr. Matthias Mayer, Financial Services Chief Markets Officer bei KPMG. Das könne man anhand verschiedener Beobachtungen verdeutlichen: Während in Deutschland viele Banken weiterhin mit Marktanteilsverlusten in einem kompetitiven Markt sowie hohen Kosten und geringen Erträgen kämpfen, gebe es auf der anderen Seite spezialisierte Finanzdienstleister, die ihre Produktportfolien immer weiter ausweiten und zumindest gemessen an ihrer Marktbewertung äußert erfolgreich seien. Blicke man über Europa hinaus, so finde man in den USA und in Asien viele erfolgreiche Institute, die die europäischen Banken 12 02 | 2022

MARKT FAZIT Nach dem kräftigen Rückenwind im vergangenen Jahr werden sich Europas Banken womöglich auf ein geringeres Ertragswachstum einstellen müssen. Trotz der aktionärsfreundlicheren Ausschüttungspolitik dürfte die Eigenkapitalausstattung robust bleiben. Auch die Asset-Qualität sollte sich nur unwesentlich verschlechtern, sodass mit weiterhin stabilen Bankenratings zu rechnen ist. Gegenwind, der zu schwankenden Quartalsergebnissen führt, könnte von den Kapitalmärkten kommen, zudem könnten rückläufige BIP-Prognosen für wieder steigende Risikokosten sorgen. scheinbar abgehängt haben, fügt Mayer an. Zudem stünden Europas Banken vor großen Herausforderungen und müssen einige Schlüsselthemen angehen, um zukünftig wieder erfolgreicher sein zu können. Laut KPMG zählen dazu die Konsolidierung und Fokussierung ihres Geschäfts. Auch müssten Banken langfristig die stetige Erneuerung von innen vorantreiben und dafür Räume schaffen, um kontinuierliche Innovation zu ermöglichen. Autor Karl-Heinz Gödeckemeyer ist Wirtschaftspublizist und Finanzanalyst in Frankfurt am Main. 02 | 2022 13

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