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die bank 02 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 1 |

MARKT 1 | Wirtschaftliche Leistungslücke der Top-Banken (global) Top-40-Banken – Europa 2020 Top-18 Banken – USA 2020 Top-68 Banken – Asia-Pazifik 2020 Return of Equity 4,4 % 7,8 % 9,8 % Cost of Equity 12,8 % 10,8 % 10,0 % Wirtschaftliche Leistungslücke - 8,4 % - 3,0 % - 0,2 % Quelle: Strategy&. Dass 51 Prozent der globalen Banken mit einer Eigenkapitalrendite unter den Eigenkapitalkosten arbeiten, belegt auch eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey (Global Banking Annual Review 2021). Offensichtlich ist in einer Branche mit hohen Kapitalanforderungen und niedrigen Zinssätzen die Schaffung von Mehrwert für die Aktionäre für viele Institute eine strukturelle Herausforderung. Tatsächlich haben die fast 2,8 Bio US-$ an Kapital, die in den letzten 13 Jahren von Aktionären und Regierungen in den Bankensektor gepumpt wurden, die Eigenkapitalrendite um 3 bis 4 Prozentpunkte verringert, gibt McKinsey zu bedenken. ÿ 2 Bankaktien im Höhenflug Die gesteigerte Ertragskraft hat sich auch in den Aktienkursen der europäischen Banken niedergeschlagen. Im Schnitt hat der Bankensektor im Jahr 2021 um 30 Prozent (MSCI World: +22.3 Prozent YoY) zugelegt, der IShares Stoxx Europe 600 verzeichnete sogar eine Wertentwicklung von 39 Prozent, nach -25 Prozent im Jahr 2020. Parallel dazu stieg die Marktkapitalisierung der 100 größten Banken weiter in neue Höhen und erreichte im vierten Quartal 2021 einen Wert von 6 Bio. € (+27,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Die Marktkapitalisierung des gesamten globalen Bankensektors kletterte auf 7,8 Bio. € (+27,8 Prozent YoY), den höchsten Wert seit dem vierten Quartal 2017. Aufgrund des positiven Ertragsverlaufs haben die Analysten der UBS ihre Schätzungen für den Vorsteuergewinn von Europas Banken für das laufende Jahr um 24 Prozent angehoben und verweisen auf die Fortschritte bei den einzelnen Bankenparametern und das höhere Wachstum in den G7-Ländern. Im dritten Quartal 2021 konnten die von der UBS gecoverten Banken die Vorsteuergewinne durchweg deutlich steigern und die Marktprognosen um 19 Prozent übertreffen. Gleichwohl scheinen viele Investoren noch skeptisch gestimmt zu sein, was die weitere Ertragsentwicklung des europäischen Bankensektors angeht. Geringe Buchwerte eröffnen auch Chancen Mit Blick auf die für 2022 geschätzten Gewinne wird der Stoxx 600 Bankenindex lediglich mit dem 0,7-Fachen des Buchwerts bewertet – und damit deutlich geringer im Vergleich zu den Akteuren in den USA, die im vierten Quartal 2021 mit einer durchschnittlichen P/B-Ratio von 1,57x notiert wurden. Insbesondere deutsche Banken bilden hier mit Werten von 0,3 bis 0,5x eines der Schlusslichter in Europa. Ein Buchwertverhältnis von

MARKT 2 | Banken aus Europa: Finanzkennzahlen Institut Aktienkurs 2020 Aktienkurs 2021 RoE 2020 RoE 2021 Nettogewinn 2020 Nettogewinn 2021 CET 2021 BNP Paribas - 18,4 % 40,9 % 6,7 % 7,9 % 8.510.049.010 9.790.278.477 12,8 % Banco Santander - 29,0 % 15,8 % 5,7 % 8,9 % 6.114.467.255 8.774.973.025 11,9 % ING Group - 28,5 % 60,2 % 4,6 % 8,8 % 3.011.318.193 5.647.978.906 15,5 % Credit Agricole - 20,1 % 21,6 % 6,1 % 8,5 % 4.668.057.341 5.679.514.007 12,9 % UniCredit - 41,3 % 77,1 % 2,1 % 5,6 % 1.531.471.496 3.864.504.563 16,0 % Crédit Suisse - 13,0 % - 22,2 % 5,9 % 4,0 % 2.979.792.341 1.984.686.869 12,9 % Deutsche Bank 29,4 % 23,1 % 2,6 % 3,9 % 1.733.295.054 2.756.808.611 13,6 % Société Générale - 45,1 % 77,5 % - 0,4 % 7,2 % 22.414.733 4.517.073.115 13,4 % Nordea - 11,0 % 64,0 % 7,1 % 11,0 % 2.677.097.538 4.192.665.833 17,1 % SEB - 4,1 % 49,0 % 10,2 % 13,8 % 1.885.229.218 2.652.819.308 21,0 % Quelle: Refinitiv. Dividendenstopps zur Jahresmitte 2021 wollen europäische Banken ihren Aktionären Dividenden und Aktienrückkäufe in Höhe von 52 Mrd. € ausschütten. Gewinndynamik durch steigende Kosten gefährdet Für das laufende und das kommende Jahr rechnet die UBS mit einem Anstieg der Erträge von 1 bis 2 Prozent, nach 4 Prozent im Jahr 2021. Auch bei den Kosten rechnen die Analysten mit einem Anstieg von lediglich 1 Prozent im Jahr 2022 bzw. einem gleich hohen Rückgang für 2023. Der für 2022 prognostizierte geringe Kostenanstieg überrascht, wenn man berücksichtigt, dass die US-Großbanken im Schlussquartal 2021 zum Teil deutlich mehr Geld für Gehälter und Boni ausgegeben und damit Investoren verärgert haben. Bei der Risikovorsorge ist jedoch wieder mit einem Plus um 27 Prozent für 2022 zu rechnen, sodass die Vorsteuergewinne im Schnitt um 2 Prozent sinken dürften, nach geschätzten +92 Prozent im Jahr 2021. Höhere Kosten würden einen geringeren Gewinn vor Rückstellungen bedeuten, enttäuschte Investoren hinterlassen und die Eigenkapitalrendite drücken. Gleichwohl könnte der Markt Abwärtsrisiken vor dem Hintergrund der niedrigen Bewertungen akzeptieren. Für die Jahre 2023 und 2024 gehen die Analysten jedoch von einem Anstieg der (adj.) Vorsteuergewinne von 6 bzw. 7 Prozent aus. Da für Europas Banken das Zinsgeschäft eine wichtige Einnahmequelle ist, dürften moderat steigende Zinsen für den Sektor hoch willkommen sein, insbesondere in Hinblick auf die Rentabilität von Kundeneinlagen und Liquiditätsportfolien. Ein zu schneller Anstieg kann aber auch Risiken, etwa in Form von Wertanpassungen bei Vermögensgegenständen und Kreditausfällen, bergen. Die weiteren Gewinnaussichten hängen auch stark von der wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie ab. Als eine wichtige Schwachstelle gelten die notleidenden Kredite der Banken. Daher besteht die Gefahr, dass die Probleme zunehmen könnten, wenn die staatlichen Stützungsmaßnahmen schrittweise auslaufen. M&A-Transaktionen könnten für weiteren Auftrieb sorgen Nachdem im vergangenen Jahr die Bereiche Industrie und Technologie die höchsten Zuwächse beim M&A-Volumen verzeichneten, könnte in den kommenden Jahren der Bankensektor in den Fokus rücken. Der Veräußerungserlös von ca. 16 Mrd. US-$ aus dem Verkauf des US-Retail-Geschäfts an die Bank of Montreal könnte bspw. BNP das nötige Kapital verschaffen, um an einer weiteren Konsolidierung der europäischen Bankenbranche aktiv teilzunehmen. Zudem könnte die französische Großbank nach der Integration der Prime-Brokerage-Aktivitäten der Deutschen Bank zu einem der führenden Player in Europas Aktienhandel werden. Das Aktiengeschäft bei BNP stand lange im Schatten der größeren Konzernsparte für festverzinsliche Wertpapiere. Bereits im Jahr 2020 hat die spanische Großbank BBVA ihr US-Geschäft für 11,6 Mrd. US-$ an die PNC Financial Services Group verkauft. Da auch UniCredit einen Verkauf ihres 18-prozentigen Anteils an Yapi Kredi in der Türkei verfolgt, und die belgische Großbank KBC die bulgarische Sparte der Raiffeisen Bank übernommen hat, könnten diese Aktivitäten als Zeichen interpretiert werden, dass mit der Pandemie wieder mehr Bewegung im europäischen Bankensektor einkehren könnte. Wenngleich auch Europas Bankenaufsicht eine Zunahme der Konsolidierungsaktivitäten diagnostiziert, scheint eine grenzüberschreitende Konsolidierung im europäischen Bankensektor aktuell 02 | 2022 11

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