Aufrufe
vor 9 Monaten

die bank 02 // 2021

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT Billie in

MANAGEMENT Billie in Zahlen Die Billie GmbH erzielte im Jahr 2019 ein Factoring- Volumen von 250 Mio. € nach gut 66 Mio. € im Jahr 2018. Die Zinserträge erreichten 4,7 Mio. € nach 1,21 Mio. € (2018). Der Jahresfehlbetrag erhöhte sich im selben Zeitraum von 3,1 auf 4,8 Mio. €. gewohnt, mobil zu sein. Sie sehen die Krise eher als Chance. In deutschsprachig besetzten Bereichen wie Vertrieb, Marketing und Kommunikation ist es stellenweise sehr schwierig. Wegen der Krise wollen diese Talente keine Probezeit eingehen und bleiben in ihren Jobs, selbst wenn sie nicht zufrieden sind. Kurzarbeit haben wir nicht beantragt, sondern im Dezember sogar vier neue Mitarbeiter eingestellt. Insgesamt sind wir 2020 trotz allem gewachsen. Ende 2019 waren es 85 Mitarbeiter, heute etwas mehr als 100. Bei Billie arbeiten Menschen aus 35 verschiedenen Ländern, wir sind also ein sehr internationales Unternehmen. Mit 30 Prozent ist auch unsere Frauenquote im Branchenvergleich recht gut und soll natürlich noch weiter steigen. die bank: Rubin Ritter, prominentestes Gesicht des Mode-Onlinehändlers Zalando, hat jüngst seinen Rückzug aus dem Konzern-Vorstand angekündigt. Künftig solle die Karriere seiner Frau, einer Richterin, die gerade ihr zweites Kind erwartet, den Vorrang haben, kündigte Ritter an. Ihre Frau arbeitet im Bundeswirtschaftsministerium. Wie managen Sie als Familie zwei Fulltimejobs mit zwei kleinen Kindern? Grobe: Wenn beide Vollzeit arbeiten, ist das sehr schwierig. Meine Frau und ich haben aber für uns einen Weg gefunden, sodass wir zurzeit beide unsere beruflichen Interessen und Ambitionen verfolgen können. Das erfordert allerdings sehr viel Flexibilität, gute Abstimmung und natürlich externe Hilfe. Ich bringe die Kinder vier Tage in der Woche in die Kita und hole sie einmal ab. Meine Frau bringt einen Tag und holt an zwei Tagen ab. Den Rest übernehmen unsere Babysitter. Trotzdem haben wir eigentlich konstant das Gefühl, weder dem Job noch der Familie richtig gerecht zu werden. Daher kann ich die Entscheidung von Rubin Ritter sehr gut verstehen, denn auf lange Sicht ist dieses Gefühl doch sehr kräftezehrend. Das wird daher sicherlich zahlreiche Nachahmer finden. die bank: Herr Grobe, vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Eli Hamacher. 22 02 // 2021

MANAGEMENT Die Chefs „Wie eine Ehe zwischen Merkel und Gabriel” Die Einladung, die alles änderte, kam ganz traditionell. Per Post. Nach seinem Master-Abschluss in Heidelberg arbeitete Christian Grobe (im Foto rechts) gerade am Lehrstuhl für Politische Wissenschaften an der amerikanischen Princeton University, als der damals 25-Jährige einen Brief von McKinsey im Briefkasten fand. Eine Woche lang wollten sich die Berater den Besuchern der Elite-Uni präsentieren. Der DAAD-Stipendiat zögerte, wollte er doch eigentlich Professor für Politik – immer noch seine größte Leidenschaft – werden. Dann sagte er trotzdem zu, was sicher auch am Ort des Geschehens lag. „Das Event in Miami war richtig gut gemacht und hat so gar nicht meine Klischees erfüllt“, erinnert sich der Billie-Gründer. Zurück in Deutschland zog es ihn dann trotzdem noch einmal an die Uni in Heidelberg, an der er nach dem Master in Politikwissenschaften einen weiteren in Volkswirtschaft draufsattelte, bevor er schließlich doch dem Ruf der Consultants folgte. Ausgerechnet 2008. Fünf Monate nach dem Start brach die Finanzkrise aus, und Grobe befiel die Angst, dass er seinen Job verlieren könnte. Doch alles ging gut. Während seines Fellow-Programms musste der Politik-Fan zunächst zwei Jahre für das Unternehmen in Berlin arbeiten, wurde dann zwei Jahre für die Promotion an der Freien Universität Berlin freigestellt und lernte dann weitere zwei Jahre durch den McKinsey-Job Unternehmen von innen kennen. Und Matthias Knecht (im Foto links). Seitdem haben sich ihre Wege nicht mehr getrennt. Liest man Grobes Berufserfahrung auf LinkedIn und unmittelbar danach die von Knecht, kommen einem die Stationen sehr bekannt vor. Anfang 2014 gründeten die Freunde unter dem Dach von Rocket Internet Zencap. Wie man einen Job bei McKinsey für ein solches Vorhaben aufgeben könne, fragten sich nicht nur Grobes Eltern. Doch den Sohn reizte die Idee und schreckte das Risiko nicht. Gut 20 Monate später folgte der Exit, Zencap fusionierte mit Funding Circle aus Großbritannien. Die Gründer blieben als deutsche MDs vorerst an Bord, trennten sich jedoch nach einem Streit über die richtige Produkt- Strategie vom neuen Eigentümer und wagten mit Billie wieder gemeinsam den Neuanfang. Damit nicht genug. „Unsere Frauen sind beide Juristinnen und arbeiten im Bundeswirtschaftsministerium“ lacht Grobe, der die vielen Gemeinsamkeiten auch selbst ziemlich amüsant findet. Schnell war klar, wer welche Aufgabe bei Billie übernimmt. Grobe macht Markt und Knecht die Marktfolge. „Man muss sich das vorstellen wie eine Ehe zwischen Angela Merkel und Sigmar Gabriel“, erklärt der heute 39-Jährige. Und schiebt gleich nach, was er damit meint. „Wir sind maximal unterschiedlich.“ Knecht, der Stratege, analysiert alles bis ins Detail, ist pragmatisch und rational. Grobe, der Emotionale, der Impulsive, entscheidet spontan und schnell, braucht nicht unbedingt alle Informationen. Gabriel passt nicht nur gut als Blaupause für einen bestimmten Typ. Auch das Parteibuch stimmt, wenngleich Grobe nicht so recht weiß, wo er sein rotes Büchlein hat, in das er früher jährlich seinen Beitragsbescheid klebte. Im Jahr 2010 trat er in die SPD ein und blieb, obwohl der Niedersachse, der auch mal Wahlkampf für Hubertus Heil machte, mit dem heute „rückwärtsgewandten Kurs der einstigen Fortschrittspartei SPD“ bisweilen hadert. Den digitalen Wandel begreife die Sozialdemokratie eher als Bedrohung denn als Chance. „Das macht mich als Unternehmer, der das Potenzial in diesen Geschäftsmodellen sieht, schon ein bisschen traurig“, findet Grobe. Die Verbundenheit mit der SPD hat auch etwas mit Grobes Wurzeln zu tun. Er kommt aus dem 900-Seelen- Dörfchen Münstedt in Niedersachsen, in dem die Großeltern einen Bauernhof besaßen. „Da gab es mehr Kühe und Schweine als Menschen.“ Die Kids aus dem Dorf gingen zur Realschule, weil alle das machten und es auch irgendwie uncool war, nach Höherem zu streben. Lieber habe man etwas Stress gemacht. Nur Grobes Mutter insistierte und schickte den Sohn aufs Gymnasium. Schon damals beobachtete er, dass eben nicht jeder die gleichen Bildungschancen hat: „Etwas gegen diese Chancenungleichheit zu tun, das verbindet mich immer noch am stärksten mit der sozialdemokratischen Idee.“ Wenn er nicht arbeitet oder sich um die beiden kleinen Kinder kümmert, treibt Grobe Sport – Fußball und Laufen – und liest leidenschaftlich gern. Seine Zeitungsabos hat er gerade von Print auf E-Paper umgestellt, das sei praktischer. Aber sonst nimmt der so digitalaffine Unternehmer immer noch Bücher in die Hand, abwechselnd Klassisches und Modernes, und stellt Gelesenes später in seine große Bibliothek, die man bei Zoom-Konferenzen im Hintergrund sehen kann. „Alle denken immer, das sei eine Fake-Fotografie-Wand.“ Neben soziologisch-politikwissenschaftlichen Werken etwa zum Aufstieg der neuen Rechten greift er auch zu Belletristik, zuletzt zu Leif Randts Roman „Allegro Pastell“ über die Millennials. 02 // 2021 23

die bank

© die bank 2014-2020