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die bank 02 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT LIQUIDITY-VALUE-AT-RISK Weiterentwicklung der Refinanzierungskostenrisikomessung Die Messung des Refinanzierungskostenrisikos in Finanzinstituten weist bis dato eine hohe Bandbreite an Varianten und damit wenig standardisierte Berechnungsverfahren auf. Gemeinsam ist den meisten Ansätzen jedoch, dass ein fiktiver Schließungsaufwand der offenen Liquiditäts-GAPs unter erschwerten Bedingungen der Refinanzierung simuliert wird. Nachfolgend wird die Weiterentwicklung dieses Ansatzes im Liquiditätsrisiko-Controlling der Landesbausparkasse Nord beschrieben. Über den Geld- und Kapitalmarkt ganz oder teilweise refinanzierte Institute sehen sich dem Risiko einer veränderten Einschätzung der Marktteilnehmer bezüglich der eigenen Bonität ausgesetzt. Wirksam kann dieses Risiko als möglicher Aufschlag auf die Refinanzierungskosten werden. Zur Messung dieses Risikos sind in der Praxis bis dato Verfahren üblich, die eine fiktive Schließung der offenen Passivüberhänge mit angenommenen, höheren Refinanzierungskosten aufgrund eines angenommenen Downgrades vornehmen. Mit der ermittelten Kennzahl wird daher eine Aussage über den Barwert des Mehraufwands an Refinanzierungskosten im Fall einer fiktiven Veränderung der Einschätzung der eigenen Bonität durch die Marktteilnehmer vorgenommen. Erhöhte Refinanzierungskosten führen bei einem unveränderten Cashflow zu niedrigeren Kostenbarwerten und damit zu höherem Risiko. Mittels des Liquidity-Value-at- Risk wird daher der Vermögensverlust, der innerhalb des Betrachtungshorizonts mit einer maximalen Wahrscheinlichkeit bei Glattstellung aller offenen Refinanzierungslücken unter Berücksichtigung der erhöhten Refinanzierungskosten eintreten kann, gemessen. Gemeinsam ist den allermeisten Verfahren zur Ermittlung eines Liquidity-Value-at- Risks, dass sich die Betrachtung ausschließlich auf einen Stichtag beschränkt und der ermittelte und dann diskontierte Refinanzierungskostenmehraufwand in diesem Sinn einen Szenariobarwert darstellt. Diese Stichtagsbetrachtungen weisen in der Regel jedoch methodische Schwachpunkte auf, die eine Integration des ermittelten Risikos in die Gesamtbanksteuerung in Form einer Limitierung des Risikos aus dem Deckungspotenzial zumindest diskutabel erscheinen lässt, wenn die maßgeblichen Risikoarten – wie es bei vielen Instituten der Fall ist – in Form eines Value-at-Risks auf Basis einer historischen Simulation kalkuliert werden. Zudem werden in den herkömmlichen Verfahren, die sowohl bei einer Stichtagsbetrachtung in Form eines Szenariobarwerts als auch bei fortgeschrittenen An- sätzen die historischen Spreaddifferenzen zwischen den Ausgangs- und Zielratingklassen ermitteln, die Volatilitäten der Spreads innerhalb der Betrachtungsperiode in den Ratingklassen vernachlässigt. 40 02 // 2020

MANAGEMENT Im Vergleich zu den bisher gängigen Modellen der Liquiditätsrisikomessung wurde das Verfahren in der LBS Nord dahingehend weiterentwickelt, dass statt einer Stichtagsbetrachtung der Spreaddifferenzen zwischen den verschiedenen Ratingklassen auf Basis eines definierten Intervalls eine Datenhistorie der Spreadunterschiede ermittelt wird, die dann Grundlage zur Berechnung der Forwards für die Kalkulation des Schließungsaufwands ist. Die zugrunde liegende Liquiditätsablaufbilanz orientiert sich am Konzept der Liquiditätsspreadbindung, d. h. sämtliche Bilanzpositionen werden mit einer Laufzeit gemäß ihrer realen bzw. angenommenen Konditionsbindung in die Liquiditätsablaufbi- lanz eingestellt. Zudem erfolgt die Auswahl der in der Liquiditätsablaufbilanz enthalten Produkte der Idee der vollständigen Glattstellung der sich aus den Bilanzpositionen ergebenden Refinanzierungslücken, sodass die kumulierte Liquiditätsablaufbilanz am Ende des Betrachtungshorizonts und nach Ablauf aller Bestandteile zu Null aufgeht. Konzept der Liquiditätsspreadbindung In Abgrenzung zur Zinsrisikosteuerung, für die Cashflows gemäß ihrer Zinsbindung benötigt werden, sind für die Erstellung der Liquiditätsablaufbilanzen Cashflows gemäß ihrer Liquiditätsbindung notwendig. Die Liquiditätsbindung kann sich dabei an folgenden zwei Dimensionen orientieren: a. Volumensbindung: Hierbei liegt der Fokus auf der Volumensbindung der Position. Aus Volumensänderungen resultieren entsprechende Liquiditäts-Cashflows, die als Inflow oder Outflow wirken. Die Preisbindung ist hier irrelevant. Diese Liquiditätsablaufbilanzen werden zur Ermittlung des Zahlungsunfähig- keitsrisikos verwendet und können sowohl für den Normalfall als auch für Stresstests genutzt werden. b. Liquiditätsspreadbindung: Hierbei handelt es sich analog zur Zinsbindung um eine Marktpreiskomponente, an dieser Stelle um den fiktiven Liquiditätsspread / Refinanzierungsspread der LBS Nord. Diese Liquiditätsablaufbilanzen werden zur Ermittlung des ökonomischen Liquiditätsrisikos verwendet und können sowohl für den Normalfall als auch für Stresstests genutzt werden. Mit Blick auf das Zahlungsunfähigkeitsrisiko und die entsprechende Risikomessung werden alle liquiditätswirksamen Positionen mit ihren entsprechenden Cashflows (Zahlungsmittelzu- und -abflüsse) benötigt. Anders sieht es bei der Liquiditätsablaufbilanz gem. Liquiditätsspreadbindung aus, die Grundlage für die Ermittlung des Refinanzierungskostenrisikos ist. Hier werden die Positionen nicht nach ihrer Liquiditätswirksamkeit abgebildet, sondern hinsichtlich ihrer Liquiditätsspreadbindung. Das bedeutet, dass die Positionen mit ihrer realen oder angenommenen Konditionsbindung in die Liquiditätsablaufbilanz (LAB) einfließen, während in der Volumens-LAB zur Messung des Zahlungsunfähigkeitsrisikos die Kapitalbindung das vorrangige Kriterium zur Abbildung der Zahlungsströme darstellt. Während für die Definition der Laufzeit somit die Konditionsbindung das ausschlaggebende Kriterium ist, erfolgt die Auswahl der zu berücksichtigenden Produkte nach den Kriterium der vollständigen Abbildung der Bilanzpositionen. Die Auswahl der in der Liquiditätsablaufbilanz enthalten Produkte folgt somit der Idee der vollständigen Glattstellung der sich aus den Bilanzpositionen ergebenden Refinanzierungslücken, sodass die kumulierte Liquiditätsablaufbilanz am Ende des Betrachtungshorizonts und nach Ablauf aller Bestandteile zu Null aufgeht. 02 // 2020 41

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