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die bank 02 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT INTERVIEW

MANAGEMENT INTERVIEW Service-Hubs lösen Filialen ab Im Jahr 2000 waren im deutschen Kreditgewerbe laut Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV) 774.550 Menschen beschäftigt. Binnen 15 Jahren ist deren Zahl auf 627.150 geschrumpft. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Kreditinstitute von knapp 3.000 auf 1.960. Und während 2015 nur noch 34.045 Zweigestellen die Kunden bedienten, waren es im Jahr 2000 gut 57.000. Wo steuert die Branche hin? Wer gewinnt, wer verliert? Dirk Müller-Tronnier, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young (EY), befragt seit 2008 für sein Bankenbarometer führende Banken zur Geschäftslage und den Aussichten. die bank: Wagen wir einen Blick in die Glaskugel: Sie betreten im Jahr 2030 eine Bankfiliale. Wie wird diese aussehen? Müller-Tronnier: Es wird natürlich deutlich weniger Filialen als heute geben. Und die verbleibenden werden auch nicht mehr unbedingt von jeder Bank auf eigene Rechnung betrieben. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass White-Label-Anbieter sogenannte Service-Hubs für Kunden von Banken und Versicherungen betreiben. Dort können die Kunden Geld abheben, Überweisungen tätigen, aber auch Wertpapiere kaufen und verkaufen. Diese Hubs sind dann technisch besser gesichert als der heimische Rechner. Ältere Bürger hingegen, die mit der Technik nicht klarkommen, werden immer noch eine Filiale aufsuchen können. Und auch für vermögende, private Investoren wird es weiterhin eine individuelle Beratung geben, die entsprechend bezahlt werden muss. die bank: Im Bankenbarometer von Ernst & Young erwartet jede zweite europäische Bank eine Verbesserung des operativen Geschäfts. In Deutschland ist es noch nicht einmal jedes dritte Institut. Was läuft bei der ausländischen Konkurrenz besser? Müller-Tronnier: Wir führen dieses Ergebnis ausschließlich auf den hohen Konkurrenzdruck in Deutschland zurück. Deutschland gilt als „overbanked“ – die Zahl der Institute wird sinken, aber nicht das Niveau der Nachbarländer erreichen. die bank: Ende Oktober 2016 titelte der Spiegel: „Gier – Deutsche Bank: Die Geschichte eines Untergangs.“ Wird es Deutschlands mächtigstes Finanzinstitut 2030 in seiner jetzigen Form noch geben? Müller-Tronnier: Generell glaube ich, dass es keine Bank in der jetzigen Form mehr geben wird. Alle Institute müssen sich anpassen. Manche werden durch Übernahmen wachsen, andere Teile des Geschäfts abgeben und wieder andere aufgeben. die bank: Neun von zehn deutschen Banken rechnen laut EY- Bankenbarometer im Zug der künftigen EZB-Aufsicht mit mehr Bürokratie, vier von fünf mit einer strengeren Überwachung. Was bedeutet dieser Prozess für kleinere inhabergeführte Banken, die schon heute beklagen, dass das Prinzip der doppelten Proportionalität nicht berücksichtigt werde? Müller-Tronnier: Die Aufsicht hat erkannt, dass bei kleinen inhabergeführten Banken die Regulierung zu stark ist. Aber ein gewisser Verwaltungsaufwand wird bleiben. Ein Institut muss deshalb gewisse Ertragsströme produzieren, um den Verwaltungsaufwand stemmen zu können. Das wird nicht allen gelingen. Für die anderen wird sicher ein Überleben in der Nische möglich sein. Man braucht jedoch eine gewisse Kapitalkraft und auch Durchhaltevermögen, um die kommenden schweren Jahre durchzustehen, bis die Marktselektion beendet ist. die bank: Was bedeutet die Konsolidierung der Branche für die Kunden? Müller-Tronnier: Die Auswahl an Instituten wird geringer, aber es wird immer noch genügend Auswahl geben. Da sehe ich keinen Engpass. Aber vor allem für Privatkunden wird es teurer. Das zeichnet sich bereits ab, indem diese zum Beispiel für das Girokonto Gebühren bezahlen müssen. Das Gratiskonto stirbt langsam aus. die bank: Welche Rolle spielen FinTechs im Jahr 2030? Müller-Tronnier: Den Begriff wird es dann gar nicht mehr geben. Die Nase vorn haben werden innovative Unternehmen, die einen technischen Fortschritt bieten, der eine Relevanz für den gesamten Markt hat. Ein gutes Beispiel ist die Devisenplattform 360T, die 2015 von der Deutschen Börse für 725 Mio. EUR gekauft wurde. Damit war 360T das wertvollste Start-up aus der Finanzszene. Die Plattform hatte es vor dem Verkauf geschafft, mit ihrer Dienstleistung schon einen sehr großen Kundenkreis anzusprechen. Wem das gelingt, wird als Partner von Banken und Versicherungen sehr attraktiv. die bank: Herr Müller-Tronnier, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Eli Hamacher. 20 02 // 2017

ADVERTORIAL Mensch und Maschine: Hand in Hand für Qualität und Effizienz IT-Altsysteme, personalintensive manuelle Prozesse, starker punktueller Wettbewerbsdruck durch FinTechs und ein häufig margenschwaches Geschäft – der Veränderungsdruck bei Banken ist hoch. Es gilt, Prozesse auf ihr Optimierungspotenzial zu untersuchen und mit Robotern, künstlicher Intelligenz und Rightshoring zukunftsfähig zu machen. Allein am Kunden-Onboarding einer Retailbank arbeiten im Backoffice bis zu 100 Personen. Und das an einem Prozess, der genauso gut elektronisch ablaufen kann. Robotics Process Automation, also der Einsatz von Software-Robotern, kann dies erheblich vereinfachen. Der Roboter übernimmt die Datenverarbeitung bei strukturierten Dokumenten, wie der Überprüfung von Daten in Kreditanträgen. Dabei greift er Daten an einer Kundenschnittstelle ab und muss nicht in die Kernsysteme der Bank integriert werden. Ein klassisches Softwareprojekt mit seinen Unwägbarkeiten und längeren Implementierungszeiten ist nicht notwendig. Effizienz und Qualität In Pilotprojekten von Swiss Post Solutions, einer Division der Schweizerischen Post, hat sich gezeigt, dass durch intelligente Automatisierung bis zu 75 Prozent der manuellen Prozesse immer dann eingespart werden können, wenn es um hohe Volumina und hohe durchschnittliche Abwicklungszeiten geht. Gleichzeitig steigt die Qualität, da menschliche Fehler eliminiert werden. Der Einsatz von Automatisierungslösungen sorgt also für mehr Effizienz und Qualität. Künstliche Intelligenz unterstützt den Menschen Die Mitarbeitenden profitieren außerdem: Monotone Verwaltungstätigkeiten wie das Sichten und Auswerten von Dokumenten übernimmt die Maschine. Die Mitarbeiter haben mehr Zeit für anspruchsvollere Aufgaben im direkten Kundenkontakt. Der Roboter hilft auch bei der Verarbeitung von unstrukturierten Daten, wie zum Beispiel in frei formulierten E-Mails. Dabei kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz, die den Inhalt „versteht“, Daten extrahiert und diese an andere, automatisierte Prozesse übergibt. Dort übernimmt Robotics Process Automation, sodass rund 85 Prozent der Arbeit beim Sichten von Dokumenten und der Übergabe von Daten an nachgelagerte Prozessschritte vollautomatisch erledigt werden. Und für die restlichen 15 Prozent kann der Einsatz von Mitarbeitern in Offshore- oder Nearshore-Standorten in vielen Fällen einen weiteren Effizienzschub bringen. Die Mischung macht’s Verarbeitung mit Roboter, künstlicher Intelligenz oder an einem Offshore-Standort? Diese Frage lässt sich nur individuell und in jedem Einzelfall beantworten. Denn die Antwort liegt in den Details der Prozesse verborgen. Prozesse sind oft um bestehende Systeme, Abteilungen oder spezialisierte Provider herum organisiert. Erst eine genaue Analyse der Prozesse und das Hinterfragen von Prozessschritten führt zu einer ganzheitlichen Sicht auf die Prozesslandschaft. Durch die Kombination passender Technologien beim Outsourcing- Partner entsteht dann eine Lösung, die Effizienz, Qualität und die regulatorischen Rahmenbedingungen optimal unterstützt. Solche maßgeschneiderten Lösungen entwickelt Swiss Post Solutions. Swiss Post Solution GmbH Tel.: +49 (0) 951 9168 200 sps.de@swisspost.com www.swisspostsolutions.de 02 // 2017 21

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