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die bank 02 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT Kundenbeziehung habe. „Wichtig wird es sein, den Kunden auch weiterhin das Gefühl einer regionalen Verbundenheit und kurzer Entscheidungswege zu geben“, so Faust. Für Lohmann und Hoppe kam die Strukturreform offenbar nicht überraschend. Nach der Übernahme durch Warburg hatte Hallbaum bereits sukzessive administrative Aufgaben zur Mutterbank nach Hamburg verlagert, darunter die IT, den Wertpapierhandel und Aufgaben der Personal- und Rechtsabteilung. Im regulatorischen Umfeld sei es zuletzt jedoch trotzdem schwierig gewesen, die alte Struktur beizubehalten, erklärt Lohmann, für den feststeht, dass die Regulierung noch fortschreiten wird. Letztlich sei die Verschmelzung eine Antwort auf das fehlende Prinzip der doppelten Proportionalität. Dieses besagt, dass die bankinternen Risikosteuerungssysteme angemessen zur Größe, zum Geschäftsumfang und zur Komplexität der betriebenen Bankgeschäfte ausgestaltet sein müssen. Gleichzeitig muss die Intensität der laufenden Überwachung durch die Aufsichtsbehörden in einem angemessenen Verhältnis zum Risikoprofil und zur Bedeutung der Bank für das Finanzsystem stehen. „Auslöser ist keinesfalls gewesen, dass die Tochter Hallbaum in Not geraten wäre“, unterstreicht Hoppe. Im Gegenteil: Man habe Gewinn abgeliefert. Im abgelaufenen Geschäftsjahr waren es immerhin 3,1 Mio. €. An der Ausrichtung auf den deutschsprachigen Raum solle sich bei Warburg künftig nichts ändern, hatte Olearius nach Bekanntgabe der Strukturreform angekündigt. Das gilt ebenso für die Geschäftsmodelle der vier umgewandelten Institute, die alle im klassischen Privatbankgeschäft tätig sind. So konzentriert sich Hallbaum auf die Geschäftsfelder Vermögensbetreuung, Vermögensverwaltung und Kreditfinanzierung. Kunden sind vermögende Familien und Privatpersonen, Unternehmer und inhabergeführte Unternehmen sowie Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Verbände als Kapitalanleger. Sie stammen fast ausschließlich aus Niedersachsen und hier vorwiegend aus der Region Hannover. Für sie will Hallbaum „Problemlöser mit großer Empathie über die nackten Zahlen hinaus“ sein. „Unsere Kreditkunden sind nicht die algorithmische Abbildung der Finanzzahlen“, bringt es Lohmann auf den Punkt. Wie alle inhabergeführten Privatbanken nimmt Hallbaum für sich in Anspruch, die individuelle und persönliche Beratung auch in Zeiten massiven Wettbewerbs und Kostendrucks aufrechtzuerhalten. Bei den Firmenkunden dominieren mit 70 Prozent geschäftsführende Gesellschafter, die verbleibenden 30 Prozent stellen Selbstständige wie Ärzte, Anwälte, Architekten, Berater. Bei den Branchen seien die Landwirtschaft und das Handwerk stark vertreten sowie – dank des VW- Hauptsitzes in Wolfsburg – die Automobilzulieferer, ansonsten gebe es keine Schwerpunkte. Die Kundenbeziehungen seien traditionell von langer Dauer und reichten über Generationen. „Privatkunden werden bei uns oftmals Firmenkunden und umgekehrt“, sagt Hoppe. Sie erwarteten eine lebenslange Vermögensberatung, vom Aufbau des Geschäfts über das Wachstum bis zur Übergabe und schließlich der Altersvorsorge. Auf die Ankündigung der neuen Struktur habe es nur wenige Kundenreaktionen gegeben und keine einzige Kündigung. „Warum haben Sie das nicht schon früher gemacht?“ und „Bleiben Sie an Bord?“, waren die häufigsten Fragen, die das Führungsduo in persönlichen Gesprächen beantworten musste. Schließlich habe Hallbaum schon vor der Verschmelzung etwa in den Briefköpfen deutlich gemacht, dass die Bank ein Unternehmen der Warburg-Gruppe sei. Und wie früher solle der „unternehmerische Geist“ im Haus erhalten bleiben, so Lohmann. Den brauchen die Chefs auch, damit das Geschäft weiter wächst. Aktuell profitiert die Bank zwar von der in Niedersachsen noch relativ gut laufenden Konjunktur. Doch die schwächelnden Exporte trüben die Aussichten der Unternehmen. „Trotz einer noch einigermaßen stabilen Geschäftslage müssen sich die Banken auf eine schwierigere Entwicklung einstellen. Das Kreditgeschäft hat in allen Sparten etwas an Schwung verloren, die Probleme rund um niedrige Zinsen sind dagegen unverändert“, schreibt die IHK Hannover in ihrem jüngsten Konjunkturreport für Niedersachsen. Um neue Kunden zu akquirieren, setzt Hallbaum vor allem auf Empfehlungen. „Wir gewinnen Kredite nicht über den Preis. Unsere Stärken sind die Schnelligkeit und die Verlässlichkeit bei den Entscheidungen. Wir feilschen nicht um ein Zehntel“, sagt Hoppe. Wie das gleichfalls in Niedersachsen beheimatete Privatbankhaus Seeliger will auch Hallbaum „eine Bank zum Anfassen sein“. Deshalb müsse man die Hemmschwelle senken und klar kommunizieren, dass man sich nicht nur um vermögende Kunden kümmere – wenngleich Lohmann einräumt, dass eine Vermögensverwaltung erst ab 250.000 EUR wirklich Sinn mache. Mit zahlreichen Veranstaltungen zu aktuellen Kapitalmarktthemen suchen die Hannoveraner Kontakt zu ihren bestehenden wie auch zu neuen Kunden. Gute Erfahrungen haben die beiden Banker auch mit dem Thema Kunst gemacht. Seit drei Jahren öffnet Hallbaum seine Zentrale für vorwiegend regionale Künstler, um im Schalterraum, in den Besprechungszimmern und auf den Fluren deren Werke zu zeigen. Ganz klassisch startet jede der zweimal jährlich wechselnden Ausstellungen mit einer Vernissage. Aus Sicht der Chefs ist das Event eine klassische Win-Win-Situation für Künstler und Bank, da beide das Networking für ihr Geschäft nutzen können. Und ganz nebenbei setzt die Privatbank auch ihren 2015 aufwendig renovierten Hauptsitz gekonnt in Szene. Eher schweres und düsteres Mobiliar wich einer hellen und freundlichen Einrichtung mit viel Weiß und Beige. Nur grüne Egg Chairs setzen einen farblichen Akzent in der ansonsten Ton in Ton eingerichteten großen Schalterhalle. Auch in der vis-à-vis gelegenen Oper zeigt Hallbaum Flagge. Die Bank fördert Produktionen oder schon mal eine neue Sitzreihe und kann deshalb zu Kundenveranstaltungen in ungewöhnlichem Ambiente einladen. Ihren bisherigen Kurs wollen Lohmann und Hoppe auch künftig fortsetzen, die Kernkompetenzen in der individuellen Vermögensverwaltung weiter ausbauen und die Marktposition im Geschäftsgebiet weiter 18 02 // 2017

MANAGEMENT festigen. Beide waren vor fünf Jahren fast zeitgleich an die Spitze des Instituts gerückt und hatten angesichts der Niedrigzinsen schnell den „Schalter umgelegt“. „Es war klar absehbar, dass das Zinsergebnis als eine von zwei Ertragssäulen immer stärker unter Druck gerät. Wir mussten gegensteuern.“ Bei Hallbaum lag die Relation mit 80 zu 20 (Zins zu Provision) sogar noch etwas höher als im Schnitt der Branche (75 zu 25). Im Jahr 2015 sei erstmals ein ausgeglichenes Verhältnis erreicht worden, sagt Hoppe. Vor allem die individuelle Vermögensverwaltung sei überproportional gewachsen. Dagegen sei die Bedeutung der Vermögensbetreuung zuletzt etwas gesunken, auch mit Blick darauf, dass sie von 2017 an im Zug von Mi- FID II noch stärker von bürokratischen Anforderungen wie den aufwendigen Beratungsprotokollen belastet werde. Hoppe betont jedoch, dass die Vermögensberatung auch künftig ein wichtiges Standbein des Bankhauses bleibe. Doch der angespannten Zinssituation können sich auch die Hannoveraner nicht entziehen. Da der Zinsüberschuss im Geschäftsjahr von 9,68 auf 8,08 Mio. € deutlich stärker als erwartet einbrach, wurde trotz des von 8,08 auf 8,74 Mio. € gestiegenen Provisionsüberschusses das geplante Ergebnis nicht erreicht. An die Mutter führte Hallbaum nur noch 3,1 Mio. € ab, nach 4,83 Mio. 2014. Die reduzierten Zinsüberschüsse begründet Hoppe nicht nur mit Negativzinsen, „die wir inzwischen auf unsere Liquiditätsüberschüsse zu leisten haben, ohne dass wir diese auf die Kundeneinlagen überwälzen könnten oder wollten“. Sie seien auch bedingt durch Zinssatzreduktionen bei der Verlängerung von – aus heutiger Sicht – höher verzinsten Darlehen, deren Zinsbindung ausläuft. In der Regel lägen die Sätze bei der Prolongation rund 2,5 Prozentpunkte unter dem ursprünglichen Wert. Große Firmenkunden und institutionelle Kunden müssten allerdings heute ab einem Guthaben von 500.000 € Negativzinsen zahlen. Zum Ende des Interviews machen die beiden Banker noch eine kleine Führung durch die renovierte Schalterhalle und den mit einem spektakulären Leuchter ausgestatteten Eingangsbereich, in dem ein großes Plakat für die jüngste Ausstellung wirbt. Peu à peu sollen auch die Besprechungszimmer ein Facelifting bekommen. Zumindest am Erscheinungsbild der traditionsreichen Privatbank wird nicht gespart. Autorin: Eli Hamacher. Die Bank Die hannoversche Privatbank wurde 1879 in Straßburg gegründet und ging in ihrer späteren Form auf die Fusion der Bankhäuser Julius Maier und Comp. und Franz Hallbaum & Co. zum Bankhaus Hallbaum, Maier & Co. im Jahr 1955 zurück. 1879 hatte Julius Jacob Maier in Straßburg das Fundament für das heutige Bankhaus gelegt. Er baute die von seinem Vater übernommene Wechselstube zu einer Bank mit dem Namen Julius Maier u. Comp. KG aus. 40 Jahre blieb sie in Straßburg bestehen, bis der Sohn des Gründers den Sitz des Bankhauses nach Hannover verlegte. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Fortführung der Firma in Frankreich mit deutschen Inhabern nicht mehr möglich. Elf Jahre zuvor hatte Franz Hallbaum in Hannover das Bankhaus Franz Hallbaum & Co. KG gegründet. Zunächst konzentrierte er sich auf den An- und Verkauf von Wertpapieren sowie das Wertpapierprämiengeschäft für Privatkunden. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude beider Institute völlig zerstört. Nach Kriegsende nahmen beide Bankhäuser die Geschäfte zügig wieder auf, profitierten von treuen und großen Kundenstämmen. Hallbaum dehnte sein Geschäft nach Lockerung der Devisenvorschriften auf den Außenhandel aus. 1955 schließlich gingen beide Institute zusammen und firmierten fortan unter Bankhaus Hallbaum Maier & Co. Man wollte vor allem eine angemessene Eigenkapitalausstattung sicherstellen, um das Wachstum stemmen zu können. In der Folge wurde die Expansion durch die Übernahme weiterer Konkurrenten vorangetrieben: 1967 mit der ältesten Privatbank Hannovers, Mercklin & Schumacher, und 1968 mit dem Bankhaus Hellmann. Nachdem zwischenzeitlich die Mehrheit der Aktien bei der Landesgenossenschaftsbank KG, der heutigen DZ Bank, gelegen und Hallbaum Maier unter HML-Bank firmiert hatte, stieg 1997 das Hamburger Privatbankhaus M.M. Warburg & CO bei der HML-Bank ein und übernahm sukzessive das komplette Aktienpaket. Anfang Oktober 2016 wurde die Tochter Hallbaum auf die Mutter verschmolzen und firmiert seitdem als Zweigniederlassung mit Filialen in Osnabrück und Göttingen. 02 // 2017 19

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