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die bank 02 // 2017

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT GESCHÄFTSMODELLE BANKHAUS HALLBAUM Das Ende einer Ära Mit der Umwandlung von vier Tochterinstituten in Zweigniederlassungen will die Hamburger Privatbank M.M. Warburg das Geschäft in den Regionen stärken. Betroffen ist davon unter anderem das Bankhaus Hallbaum in Hannover. Was die Strukturreform für das operative Geschäft und die Kunden bedeutet, erläutern David Lohmann und Nicolas Hoppe, die sich die Geschäftsleitung bei dem traditionsreichen Bankhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt teilen. Mit einer Bilanzsumme von 510 Mio. € im Jahr 2015 und mit 105 Mitarbeitern war das 1879 gegründete Institut das größte unter den vier ehemaligen Töchter, die nun aufs Mutterhaus verschmolzen sind. Zu Beginn des Interviews überreichen David Lohmann und Nicolas Hoppe je zwei Visitenkarten. Auf den ersten Blick sehen beide fast identisch aus. Bei genauerem Hinschauen fallen jedoch zwei wesentliche Unterschiede auf. Unter Logo, Firmenname und Gründungsjahr führt das traditionsreiche Bankhaus jetzt den Zusatz „Zweigniederlassung der M.M.Warburg & CO“. Ihre Vorstandsposten haben die beiden Banker verloren. Stattdessen steht nun „Geschäftsleitung Bankhaus Hallbaum“ unter ihren Namen. Auch an der Eingangstür und den großen Fenstern der Außenfassade wurde der Strukturwechsel zügig mit neuen Namensschildern dokumentiert. Am Sitz des Geldhauses ändert sich hingegen nichts. Mit wenigen Ausnahmen sollen auch alle Kontonummern gleich bleiben. Jeden ihrer Kunden, das seien mehrere Tausend, haben Lohmann und Hoppe über die Verschmelzung auf das Mutterhaus in einem Brief persönlich informiert und „per Hand unterschrieben“, wie Lohmann betont. „Dabei sind einige Kugelschreiberminen draufgegangen.“ Mit dem 4. Oktober 2016 ist bei Niedersachsens größter Privatbank eine Ära zu Ende gegangen. Nach zahlreichen Zukäufen und mehreren Inhaberwechseln musste die 1997 von Warburg übernommene und seitdem als eigenständige Tochter geführte Bank ihre Selbstständigkeit aufgeben. Auch die über das Bundesgebiet verteilten Schwestern, die Bankhäuser Plump in Bremen, Löbbecke in Berlin sowie die Schwäbische Bank in Stuttgart firmieren jetzt als Zweigniederlassungen. Nach Hallbaum hatte Warburg in den Jahren 1999 Plump, 2003 Löbbecke und schließlich 2009 die Schwäbische Bank übernommen, um sich regional breiter aufzustellen. Zuvor war das seit 1798 inhabergeführte Institut neben dem Hamburger Stammsitz nur in Frankfurt und Luxemburg vertreten. Hallbaum war das größte der nun eingegliederten Institute. Während die Schwäbische Bank 248 Mio. € und 53 Mitarbeiter einbringt, sind es bei Löbbecke 163 Mio. € (und 40 Mitarbeiter) und bei Plump 146 Mio. € (30 Mitarbeiter). Nach der Zentralisierung wird sich Warburgs Beschäftigtenzahl von 512 auf 740 erhöhen. Einen Stellenabbau habe es im Zuge der Verschmelzung nicht gegeben, ebenso sollen alle Standorte erhalten bleiben, heißt es bei der Mutter. Hallbaum betreibt Filialen in Göttingen und Osnabrück, Löbbecke eine Niederlassung in Braunschweig und ein Büro in Dresden und Plump eine Repräsentanz in Oldenburg. Von dem Umbau verspricht sich die Hamburger Privatbank M.M. Warburg & CO unter der Führung von Joachim Olearius deutliche Einsparungen. „Wir werden uns mit der Umwandlung der Tochtergesellschaften verschlanken, wir werden zugleich leistungsfähiger in den einzelnen Regionen“, begründet Olearius die Strukturreform. Vor zwei Jahren hatte der 45-Jährige die Position des Sprechers der persönlich haftenden Gesellschafter von seinem Vater Christian Olearius übernommen, der daraufhin an die Spitze des Aufsichtsrats gewechselt war. Während die Außendarstellung der vier Schwestern weitgehend gleich bleibt, wird sich das operative Geschäft für die neuen Geschäftsleitungen deutlich verändern. „Die Umwandlung von Töchtern in Zweigniederlassungen wird Freiräume im Kundengeschäft schaffen“, ist Lohmann überzeugt, der bislang für die Marktfolge verantwortlich zeichnete. Die Marktfolgeadministration einer eigenständigen Tochter müsse Hallbaum künftig nicht mehr unterhalten. „Da bei uns der Kunde vom Chef bedient werden will, profitieren wir von der neuen Struktur. Jetzt können wir beide an die Front.“ Auch eigene Jahresabschlüsse müssen die regionalen Institute künftig nicht mehr erstellen. Im Gegenzug steigen die Spielräume im Tagesgeschäft. Die Grenze für Großkredite erhöht sich ebenso wie die Einlagensicherungsgrenze. Sinnvoller Schritt Für Experten wie Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance & Management, ist die Umwandlung konsequent. „Mehrere selbstständige Banken zu unterhalten, mit Geschäftsführung und Stabsbereichen sowie eigener Abwicklung, ist sehr kostenintensiv. Angesichts des Umfelds, in dem sich die Kreditwirtschaft bewegt, halte ich den Schritt für sinnvoll.“ Die Erträge stünden stark unter Druck, die Kosten für IT und Regulierung steigen. Durch die Integration sei es möglich, die Kosten deutlich zu senken. Viele Prozesse könnten zentral abgewickelt werden, ohne dass dies Einfluss auf die 16 02 // 2017

MANAGEMENT Nicolas Hoppe liebt Wassersport. David Lohmann hat ein Faible für Kultur. Die Chefs Seit rund fünf Jahren stehen Nicolas Hoppe und David Lohmann an der Spitze des Bankhauses Hallbaum. Wie bei der Mutter üblich, machten beide erst innerhalb der Warburg-Gruppe Karriere, „verdienten sich ihre Sporen“, wie Hoppe sagt, bevor sie an die Spitze einer der Töchter rücken durften. Lohmann (Foto rechts) kam schon nach dem Studium in Kiel und Hamburg 1990 das erste Mal nach Hannover und absolvierte bei Hallbaum eine Banklehre. Nach verschiedenen Stationen bei der niedersächsischen Privatbank zog es den heute 53-Jährigen in den Süden, um in München für das Collegium Augustinum, einen Betreiber von Seniorenresidenzen, Kliniken, Schulen und Behinderteneinrichtungen, als Finanzgeschäftsführer zu arbeiten. 2001 wechselte der gebürtige Eutiner zum Bankhaus Warburg und übernahm 2005 als Sprecher des Vorstands die Geschäftsleitung der M.M. Warburg & CO Luxemburg S. A. In dem kleinen Großherzogtum fokussierte er sich auf das Asset Management für institutionelle Kunden. Zurück in Deutschland beförderte ihn Warburg 2011 zum Vorstand des Bankhauses Hallbaum, das die Privatbank 1997 übernommen hatte. Zeitgleich wurde der Vater von drei Kindern Honorarkonsul des Großherzogtums Luxemburg für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. 2015 rückte er zudem als Vorsitzender an die Spitze des Bankenverbands Niedersachsen. Lohmann ist passionierter Skiläufer und verbringt seine Freizeit gern mit Kunst und Kultur. Wie Lohmann wuchs Nicolas Hoppe (Foto links) in Norddeutschland auf. In Westerland auf Deutschlands beliebter Ferieninsel Sylt ging er zur Schule und machte dort auch sein Abitur. Aus dieser Zeit kommt seine Liebe zum Wassersport. Der heute 50-Jährige ist begeisterter Surfer. Er studierte in Mainz und in London Betriebswirtschaftslehre, bevor er nach dem Mauerfall als BWL-Dozent in den neuen Bundesländern arbeitete. 1993 schließlich startete Hoppe als Trainee bei der Vereins- und Westbank in Hamburg und rückte später zum Leiter Private Banking auf. 2004 stieß der Vater einer Tochter zu Warburg und übernahm als Direktor eine Private-Banking-Abteilung in Hamburg. Sieben Jahre später folgte der Wechsel nach Hannover zu Hallbaum, zunächst als Generalbevollmächtigter und Mitglied der Geschäftsleitung, seit 2012 als Vorstand (Markt). Schon früh verdienten beide Hallbaum-Chefs ihr erstes eigenes Geld, Hoppe als Tellerwäscher im elterlichen Hotel, während Lohmann das Auto des Nachbarn auf Hochglanz brachte. Bei ihren ersten Investments hatte der eine ein sehr glückliches Händchen, der andere zahlte ordentlich Lehrgeld: Hoppe kaufte schon mit 16 Jahren Herlitz Vorzüge und machte Kasse, als ein schöner Gewinn winkte. An den Namen seiner ersten Aktien erinnert sich Lohmann hingegen aus wohl gutem Grund nicht mehr. „Es waren Papiere einer US- Firma. Ich hatte sie kurz vor dem Crash 1987 gekauft und verlor 5000 Mark. Als Student war das richtig bitter.“ Hätten sie heute auf einen Schlag eine Million Euro zur freien Verfügung, müssen beide nicht lange überlegen. Lohmann würde einen großen Bogen um Staatsanleihen machen und Aktien kaufen. Das hält auch Hoppe für eine gute Idee, wenngleich ein „noch schöneres Haus“ ihn auch reizen könnte. 02 // 2017 17

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