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die bank 02 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING den. 4 Aber

ó BANKING den. 4 Aber dem ist nicht so. In allen Bankengruppen findet man im Durchschnitt ähnlich hohe Scores. Ausreißer nach unten Das vierte Ergebnis lautet, dass es in allen Bankengruppen einige Ausreißerbanken mit deutlich nach unten abweichenden Punktwerten gibt. Was zeichnet diese Banken aus? Die Quelle der Minderscores liegt zum einen oft darin, dass zu bestimmten Kriterien gar keine Stellung genommen wird. Zum anderen finden sich teilweise nur vage Absichtserklärungen oder unverbindliche Aussagen, ohne dass diese mit Maßnahmen unterlegt sind. Problemdimension „Soziales“ Wir wenden uns nun den einzelnen Dimensionen zu. Es lässt sich leicht erkennen, dass in der Dimension „Soziales“ die größten Schwächen vorliegen ” 3 2 Punktevergabe und ” 4. Während die Banken bei den Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Governance im Schnitt auf über 80 Prozent der möglichen Punkte kommen, sind es in der Dimension „Soziales“ keine 70 Prozent. Wie ist dieses Ergebnis zu erklären? Ein Blick in die Einzelkriterien zeigt, wo die Banken Punkte verlieren: Es ist im Wesentlichen die Behandlung der eigenen Mitarbeiter, welche ungenügend ausfällt. Auf die Frage: „Werden gezielt ältere Mitarbeiter/-innen beschäftigt?“ liegt der Durchschnittsscore bei 0,45, d. h. bei weniger als zehn Prozent der maximal möglichen Punktzahl. Das ist in einer alternden Gesellschaft ein beschämendes Ergebnis. Minderscores finden sich auch bei folgenden Aspekten: Mitarbeitergespräche, Qualifizierung und Karriereförderung, lebenslanges Lernen, Arbeiten bis 67 Punkte in % Bedingung 5 100% Maßnahmen wurden auf hohem Niveau umfassend installiert 4 80% Einige Maßnahmen wurde installiert 3 60% Nur vereinzelt wurden Maßnahmen installiert 2 40% für eine unmittelbare Umsetzung angekündigte Maßnahmen 1 20% für die fernere Zukunft avisierte Maßnahmen 0 0% keine Angabe oder keine Maßnahmen installiert und keine Maßnahmen geplant 3 Nachhaltigkeitscores von Banken in der Gesamtbetrachtung Dimension Alle Banken private Bank öff. rechtl. Bank genoss. Bank Ökologie 81% 80% 81% 83% Ökonomie 84% 84% 80% 88% Soziales 69% 68% 69% 68% Governance 81% 79% 82% 84% Durchschnitt 79% 78% 78% 81% Quelle: eigene Untersuchung; zur Bedeutung der %-Werte vgl. Tab. 2. Anmerkung: Die Tabelle zeigt, in welchem Maße die Banken die Kriterien des ausgewählten Nachhaltigkeitskodex erfüllen. 100% bedeutet, dass alle Kriterien mit der vollen Punktzahl von jew. 5 erfüllt wurden. 80% bedeutet, dass im Mittel bei jedem Kriterium 4 Punkte erreicht wurden etc.. und Generationengerechtigkeit. 5 Es ist also generell der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern und insbesondere der Umgang mit älteren Mitarbeitern, welcher das Nachhaltigkeits-Problem in der Dimension „Soziales“ darstellt. Position der Nachhaltigkeitsbanken Interessant ist die Position derjenigen Banken, welche sich dem Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanken am meisten verschrieben haben, also den „Urgesteinen“ der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewegung. Die Auswertung zeigt, dass diese Banken mit ihren Scorewerten bestenfalls im Mittelfeld aller Banken angesiedelt sind. Eine herausragende Nachhaltigkeitsposition ist nicht zu erkennen. Eine Erklärung könnte lauten, dass sich mittlerweile viele Banken dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben haben. Nachhaltiges Wirtschaften ist zu einem überall anzutreffenden Ziel geworden – auch weil es ökonomisch sinnvoll ist, ökologisch zu erscheinen. 6 Zum anderen wirkt sich die Entwicklung hin zur Anwendung von Nachhaltigkeitskodizes aus. Mithilfe der Kodizes wird es vielen Banken leichter, ihr nachhaltiges Agieren nachzuweisen. Die Kodizes haben in gewisser Weise zur „Entzauberung“ der Umwelt- und Ethikbanken beigetragen. In dem früheren System ohne Kodizes war es praktisch zwingend notwendig, immer wieder auf die eigene Nachhaltigkeit hinzuweisen, um überhaupt als nachhaltig wahrgenommen zu werden. Anhand einzelner, möglichst plastischer Beispiele musste man die Behauptung, nachhaltig zu sein, immer wieder verifizieren. Heute kann man durch Erfüllung der Kriterien eines Kodex oder eines Gütesiegels die eigene Nachhaltigkeit sehr unspektakulär zeigen. Daneben helfen die Kodizes mit ihren langen Checklisten von Anforderungen den Banken auch, genau die Maßnahmen zu treffen, welche heute mit dem Begriff Nachhaltigkeit assoziiert werden. Sie machen es jedermann leichter, nachhaltig zu agieren. 34 diebank 02.2016

BANKING ó Vielleicht haben die klassischen Nachhaltigkeitsbanken diese Konsequenzen der zunehmenden Bedeutung von Kodizes und Checklisten noch nicht erkannt. Um einen Kodex gut zu erfüllen, muss man bei möglichst vielen Kriterien präsent sein. Wie unsere Untersuchung zeigt, verlieren die Nachhaltigkeitsbanken gerade dadurch Punkte, dass sie zu vielen Aspekten der Kodizes gar keine Stellung nehmen. Das erinnert an die „alten“ Zeiten, in denen man durch Publicity konzentriert auf seine Nachhaltigkeit aufmerksam machte und dabei nur Kernaspekte herausstellte. Heute ist das Gütesiegel selbst der kommunizierte Kernaspekt. Und das Gütesiegel gibt es nur, wenn man möglichst viele Kriterien erfüllt hat. Das aktuelle Problem: die Qualität der Nachhaltigkeit Die Gütesiegel und Nachhaltigkeitskodizes bringen ein großes Problem mit sich: das Qualitätsproblem. Es ist aus den Angaben, welche die Banken zu den einzelnen Kriterien des Nachhaltigkeitskodex machen, nicht mit letzter Sicherheit herauszulesen, wie gut und wie qualitativ wertvoll bei der Umsetzung einer Maßnahme vorgegangen wurde. Checklisten führen zum sog. Tonnendenken, bei dem weniger an Qualität als an Quantität, nämlich an die Erfüllung möglichst vieler Kriterien gedacht wird. Dieses Qualitätsproblem ist augenblicklich als größter Schwachpunkt der Nachhaltigkeitsbewegung zu erkennen. Die Kodizes haben einen großen Beitrag geleistet, den schillernden Begriff der Nachhaltigkeit greifbar zu machen. Aber sie haben noch keinen überzeugenden Weg gefunden, auch die Qualität der Maßnahmen zu messen. Für die Zukunft kann deshalb folgende Forderung aufgestellt werden: Man sollte sich wieder von den langen Listen an Kriterien distanzieren, die moderne Nachhaltigkeitskodizes auszeichnen, und stattdessen Gewichtungen vornehmen und stärker auf die Kernelemente nachhaltiger Geschäftspolitik fokussieren. Diese Kernelemente sollten qualitativ und nicht quantitativ geprüft werden. Dabei wäre es auch denkbar, dass sich Banken in Zukunft differenziert aufstellen und das eine oder andere Element der Nachhaltigkeit, das ihnen besonders wichtig ist, stärker in den Vordergrund rücken. Ganz neue Marketingstrategien sind denkbar. Banken können Nachhaltigkeit in jedweder Hinsicht herausstellen. Fazit Die Untersuchung von 20 Banken im Hinblick auf die Erfüllung der Kriterien von Nachhaltigkeitskodizes hat erbracht, dass die Banken sehr nahe beieinander liegen. Die Kriterien werden von den meisten Banken in einem erstaunlich hohen Maß erfüllt. Dies ist als Erfolg der Nachhaltigkeitsbewegung zu werten. Der Begriff der Nachhaltigkeit als solcher ist damit kein Begriff 4 Deutsche Bank AG Postbank Commerzbank AG mehr, mit dem sich eine herausgehobene Position begründen ließe. Ein Problem ist die schwierige Messung der Qualität der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Dieses sollte in Zukunft verstärkt erforscht werden. Nachholbedarf haben Banken in der Dimension Soziales: der Umgang mit Mitarbeitern und insbesondere der Umgang mit älteren Mitarbeitern erfüllt die Nachhaltigkeitsstandards am wenigsten. ó Autoren: Prof. Dr. Friedrich Thießen, Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre, Technische Universität Chemnitz. Tommy Jehmlich, wissenschaftlicher Mitarbeiter ebenda. Ricarda Koch, Sales Consult DIS AG. 1 Vgl. Rat für Nachhaltige Entwicklung (2015a); Bundesverband deutscher Banken (2014), S. 4; TÜV Süd AG (2015a); und weitere Ausführungen bei Bassen (2015), S. 23. 2 Angelehnt an die Einteilung von Pufé (2014), S. 18, 110. 3 Vgl. SUSTAINUM – Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften Berlin eG (2015). 4 Vgl. Kopfmüller (2003), S. 22. 5 Vgl. dazu die Notwendigkeit der intergenerativen und intragenerativen Gerechtigkeit nach Bartmann (1996), S. 210. 6 Vgl. Grothe/ Rogall (2013), S. 19 f. Nachhaltigkeitscores nach einzelnen Banken und Bankengruppen HVB JP Morgan Banco Santander ING- DiBa DKB Triodos Bank Umwelt Bank AG Ökologie 3,8 4,4 4,5 4,7 3,6 3,8 3,5 4,9 3,9 2,8 Ökonomie 4,3 4,3 3,8 4,2 4,3 4,7 4 4,3 4,1 4,3 Soziales 3,2 4,3 4 3,7 2 3,5 3,9 3 3,5 3,1 Governance 3,8 4,6 3,9 4,2 4,1 4,6 3 3,9 3,9 3,6 Nachhaltigkeit 3,78 4,40 3,05 3,93 3,50 4,15 3,60 4,03 3,85 3,45 Durchschnitt Institutsgruppe 3,87 NORD/LB LBBW Bayern LB KfW Deka Bank Sparkasse Trier Ökologie 4,2 4,8 4,2 3,4 4,6 3,1 Ökonomie 4,3 4,3 3,9 4 3,9 3,5 Soziales 3,8 3,8 3,4 3,5 3,8 2,5 Governance 4,5 4,6 4,4 3,9 4 3,4 Nachhaltigkeit 4,2 4,38 3,98 3,7 4,08 3,13 Durchschnitt Institutsgruppe 3,91 DZ Bank Raiffeisen Bank International AG Schwäbisch Hall GLS Bank Ökologie 4,1 4,3 4,2 4,1 Ökonomie 3,9 4,3 4,7 4,7 Soziales 3 2,8 4,3 3,6 Governance 3,8 4,2 4,9 3,9 Nachhaltigkeit 3,7 3,9 4,53 4,08 Durchschnitt Institutsgruppe 4,05 Quelle: eigene Untersuchung; zur Bedeutung der Punkte vgl. Tab. 2. 02.2016 diebank 35

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