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die bank 02 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING Fusionen

ó BANKING Fusionen kleiner Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Aber auch die mittelständischen Privatbanken haben sich diesem marktbedingten Anpassungsprozess nicht entziehen können“, heißt es in einem Ende 2015 veröffentlichten Report des BdB. In den sechziger Jahren hätten allein in Hamburg mehr als 100 private Institute Wertpapiergeschäfte für ihre Kunden abgewickelt, weiß Göppel aus Erzählungen seines Vaters. Die meisten hätten aufgeben müssen oder seien unter das Dach größerer Häuser geschlüpft, weil Nachfolger fehlten, Kunden verlorengingen oder sie den technologischen Wandel nicht bewältigt hätten. Immer noch scheint die Hansestadt aber ein Standort zu sein, an dem sich Privatbankiers besonders wohlfühlen. In unmittelbarer Nachbarschaft von Goyer & Göppel sitzen Warburg, Marcard, Stein, Berenberg sowie Otto M. Schröder. Zwei Stockwerke über Goyer & Göppel haben die Metzlers eine Dependance. Wenn Björn Göppel das Geschäftsmodell von Deutschlands kleinster Privatbank mit ihrer Bilanzsumme von 19 Mio. € beschreibt, kommt er mit einem Satz aus. „Wir betreuen eine überschaubare Anzahl von Privatkunden in ihrer privaten Vermögensanlage und das überwiegend in Wertpapieren.“ Wer einen privaten Kredit benötigt, mit seiner Firma investieren will, Geld auf Spar- oder Terminkonten anlegen möchte oder auch nur eine Kredit- oder Scheckkarte benötigt, muss zur Konkurrenz gehen. Lediglich Tagesgeldkonten führt Goyer & Göppel für Zinsen, Dividenden sowie Käufe und Verkäufe von Wertpapieren. Rund 500 Kunden haben sich für die Hamburger als Zweitbank entschieden. Sie kommen aus der Hansestadt und der Region oder sind dieser zumindest durch Geburt, Familie, Beruf verbunden, leben aber heute im Ausland. Selbst in Thailand, Nepal, Südafrika sitzen Kunden. Das Gros der Anleger hat die Vermögensverwaltung auf das Kreditinstitut übertragen. „Die Anlageberatung haben wir wegen des hohen administrativen Aufwands vor vier Jahren eingestellt“, sagt fl Meist kommen die Neuzugänge von Geschäftsbanken, von denen sie sich nicht gut betreut oder mit standardisierten Produkten abgespeist fühlen. Göppel, der die Protokollierung von Beratungsgesprächen oder auch die Ausgabe von Produktinformationsblättern mit seinem kleinen Team nicht leisten konnte und auch nicht wollte. Virales Marketing reicht aus Neue Kunden gewinnt Deutschlands kleinste Privatbank ausschließlich über Empfehlungen. „Meist kommen die Neuzugänge von Geschäftsbanken, von denen sie sich nicht gut betreut oder mit standardisierten Produkten abgespeist fühlen.“ Der Wechsel gelingt allerdings nur, wenn ein gewisses Vermögen vorhanden ist. Mindestens 250.000 € sollte ein Anleger mitbringen, wenn Goyer & Göppel sein Geld verwalten soll. „Eine vernünftige Risikostreuung ist sonst nicht möglich“, findet der Privatbankier, der Direktinvestments in Aktien und Anleihen vorzieht und Investmentfonds nur ergänzend ins Finanzportfolio aufnimmt. Investiert wird überwiegend in deutsche Werte, aber auch in europäische und nordamerikanische und – sehr selten – in Start-ups. Etwas breiter gestreut sind die Anlageklassen beim Ende 2008 aufgelegten ersten Fonds des Hauses namens „Goyer & Göppel Smart Select Universal“, mit dem die Bank vor Einführung der Abgeltungssteuer Anfang 2009 eine Anlagemöglichkeit nach dem alten Steuerrecht bieten wollte. Investiert wird in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Fonds, aber auch in Gold. Im Fokus stehen laut Anlageprospekt fundamental niedrig bewertete, substanzund dividendenstarke deutsche und europäische Aktien sowie nordamerikanische Standardwerte. Freude hatten die Investoren an dem von der Universal-Investment-Gesellschaft verwalteten Fonds vor allem 2009, als dieser um 13 Prozent zulegte. Nach einem Einbruch im Jahr 2011 (minus 7,7) ging es danach wieder bergauf (2012: 10,5 Prozent), bevor die letzten beiden Jahre ein Plus von 7,5 Prozent (2013) bzw. nur noch eins von 1,0 Prozent (2014) brachten. Rund 19,4 Mio. € hat Smart Select bislang eingesammelt. Historie Anders als bei vielen Familienunternehmen war das Geschäft bei den Göppels zuhause kein Thema. Sieben Kinder, darunter Björn und Frank, hielten Karla und Gerhard Göppel, den Sohn des Gründers, daheim auf Trab. Am 21. August 1924 hatten Hans Goyer und Friedrich Göppel, beide Bankkaufmann und Prokuristen beim Bankhaus Emil Hekscher & Co., die Goyer & Göppel oHG in das Handelsregister beim Amtsgericht Hamburg eintragen lassen. Der erste Standort lag nur wenige Häuser vom heutigen Firmensitz in der ABC-Straße entfernt. Fünf Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs handelten die Gründer im Auftrag von Privatkunden mit Wertpapieren. Während des Zweiten Weltkriegs stirbt Hans Goyer während der Bombenangriffe auf die Hansestadt, sein Kompagnon führt die Bank noch bis zu seinem Tod 16 Jahre allein weiter. Gut 30 Jahre steht schließlich der Sohn des Gründers, Gerhard, an der Spitze, bevor ihm nach seinem Tod in 1990 mit Frank und Björn erst der eine und dann ein zweiter Sohn als dritte Generation folgen. 28 diebank 02.2016

BANKING ó Im Sommer 2015 legten die Hamburger mit einem zweiten Fonds, dem „Goyer & Göppel Zins-Invest alpha Universal“, nach. „Bei festverzinslichen Papieren konnten wir unseren Kunden kaum noch etwas Vernünftiges bieten, da sich die Emittenten mit Mindestanlagesummen von oftmals 100.000 € weniger an die private Klientel richten“, erklärt der Gesellschafter den Schritt. Während Europas Banken von allen Seiten unter Beschuss stehen und jetzt verstärkt nach der Devise „schlanker, kleiner, bescheidener“ handeln, haben die mittelständischen Privatbanken vergleichsweise wenig Sorgen. Zu diesem Schluss kommt zumindest der Bundesverband deutscher Banken in seinem Report. Aufgrund ihrer im positiven Sinn konservativ geprägten Geschäftsmodelle waren die mittelständischen Privatbanken nicht unmittelbar von der Finanzmarktkrise betroffen, insoweit ist für sie der allgemein zu konstatierende Verlust des Vertrauens der Anleger in die Kreditwirtschaft kein Thema. Auch die aus dem Bereich FinTech kommenden neuen Wettbewerber stellten aktuell noch keine Gefahr für die stark auf die persönliche Beratung abstellenden Geschäftsmodelle dar. Soweit die beruhigenden Nachrichten. Nicht absehbar sei allerdings, inwieweit die technologischen Entwicklungen das Kundenverhalten auf mittlere Sicht weiter verändern würden. Zurücklehnen können sich die Privatbanken auch aus einem anderen Grund nicht. „Unmittelbar betroffen sind die Mittelständler von den im Zuge der Finanzmarktkrise auf den Weg gebrachten Regulierungsmaßnahmen“, analysiert der BdB, der hervorhebt, dass zwar zweifellos alle Marktteilnehmer davon profitierten, dass die neuen Regulierungsmaßnahmen die Stabilität der Finanzmärkte erhöhten. Insbesondere aber die operativen, prozessualen Anforderungen, die die Aufseher aus dem Regelwerk von Basel III/CRD IV ableiteten, würden mehr und mehr zu einer bürokratischen und immer schwerer darstellbaren Belastung. Die erforderlichen systemseitigen Anpassungen seien zum Teil mit hohen IT-Investitionen verbunden. Insgesamt ergäbe sich ein nicht unerheblicher Fixkostenblock. „Damit verschärft die Regulierung die Betriebsgrößenproblematik, denn kleinere Institute können ihre Fixkosten nur auf ein kleineres Geschäftsvolumen verteilen“, so die Studie. Die Regulierung dürfe aber nicht dazu führen, dass kleinen und mittleren Banken, die gerade nicht Auslöser der Finanzmarktkrise waren, die Grundlage für ihr bisheriges erfolgreiches Handeln genommen werde. Meldepflichten sind Chefsache Für die Interessenvertretung der Banken ist es deshalb wichtig, dass bei der Umsetzung von Regulierungsmaßnahmen das Prinzip der doppelten Proportionalität beachtet wird. Die bankinternen Risikosteuerungssysteme müssen angemessen zur Größe, zum Geschäftsumfang und zur Komplexität der betriebenen Bankgeschäfte ausgestaltet sein. Gleichzeitig müsse die Intensität der laufenden Überwachung durch die Aufsichtsbehörden in Die Chefs: Björn und Frank Göppel „Früh übt sich.“ Dieser Satz könnte über der Biografie beider Eigentümer stehen. Schon während des Studiums lernten erst Frank (im Foto rechts) und dann auch sein sechs Jahre jüngerer Bruder Björn in der Bank ihres Vaters Gerhard Göppel das operative Geschäft von der Pike auf kennen, als Aushilfskräfte – allerdings mit Handlungsvollmacht nach §54 HGB. Mit dem damals gerade herausgekommenen PC Commodore 128 erarbeitet Frank u. a. ein eigenes Programm für die Erstellung von Wertpapier-Abrechnungen. Zuvor hatten beide Brüder mit einer Lehre bei der Konkurrenz den Grundstein für die Bankkarriere gelegt, der Ältere bei der Hamburger Sparkasse, Björn Göppel bei der Deutschen Bank. Zunächst hatte nichts darauf hingedeutet, dass der spätere persönlich haftende Gesellschafter mal das Familienunternehmen übernimmt. Ein dreiwöchiges Schülerpraktikum bei der Deutschen Bank hat Björn Göppel noch immer als absolut schrecklich in Erinnerung. Niemand habe damals die Zeit gefunden, ihm etwas zu erklären. Sein Geld als Pilot oder Schauspieler zu verdienen, das konnte sich der heute 48-Jährige viel besser vorstellen. Während des BWL-Studiums an der Uni Hamburg schnupperte Björn Göppel Bühnenluft als Amateurdarsteller in einer Musicalgruppe, entschied sich dann aber doch für das deutlich konservativere Bankgewerbe. Frank Göppel, der gleichfalls BWL in Hamburg studierte, rückte 1990 in die Geschäftsleitung von Goyer & Göppel, sein Bruder folgte schließlich gut fünf Jahre später. Mit dem Bankfachwirt Andreas Nowatzki holten beide 2006 einen neuen Gesellschafter an Bord, der seitdem gleichfalls zum Erfolg beigetragen hat. Trotz der zeitintensiven Aufgabe, Deutschlands kleinste Privatbank zu lenken, haben die Göppels ihre privaten Interessen nicht aus den Augen verloren. Die reichen bei dem Älteren von Reisen, Motorradfahren, Sachliteratur über Heimwerkern und Garten bis zur Börse. Björn Göppel spielt regelmäßig und „voller Leidenschaft“ Skat und Doppelkopf, ist begeisterter Skifahrer, liest gern Unterhaltungsliteratur und liebt die europäischen Sportcoupés der 60er und 70er Jahre. Einen festen Platz in seinem Terminkalender haben Fußballspiele seiner Söhne. Dann steht der Hamburger am Spielfeldrand und drückt fest die Daumen. 02.2016 diebank 29

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