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die bank 02 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BERUF & KARRIERE

ó BERUF & KARRIERE HOLGER TIMM Der Überzeugungs-Täter fi AT THE TOP Auf dem langen Weg durch die Katakomben des Berliner Olympiastadions wirkt Holger Timm angespannt. „Sein“ Fußballclub Hertha BSC spielt heute gegen Hannover 96. Trotz unverkennbarer Nervosität ist der 57-Jährige für den ein oder anderen Witz zu haben. So spricht er zwei jungen Hannover-Fans vor dem Spiel mit gespieltem Bedauern sein Mitgefühl aus. Timm zweifelt vor dem Anpfiff nicht am Erfolg seines Clubs. Ein lockerer Spruch kommt auch über seine Lippen, als Boxweltmeister Arthur Abraham den Weg kreuzt. Doch je näher der Anstoß rückt, umso nervöser rutscht Timm auf seinem Sitz hin und her. Der Wahl-Berliner ist zum Fan des Fußball-Aushängeschilds der Bundeshauptstadt geworden. „Wenn die Hertha verliert, leidet Holger wie ein Hund“, berichten seine Mitarbeiter der Berliner Effektengesellschaft. Holger Timm studierte in Berlin Jura. Ein Studentenjob an der Börse faszinierte ihn offenbar, denn nach dem Studium führte ihn sein Weg in die Finanzbranche. An der Berliner Börse begann er 1986 seine Karriere als Wertpapiermakler. Einige Jahre später gründete er die H.T.B., später die Berliner Freiverkehrs AG, die in der heutigen Berliner Effektengesellschaft aufging. Timm rief auch die Berliner Effektenbank ins Leben, die im Jahr 2007 in Quirin Bank umfirmierte. Mittlerweile ist Timm hier Aufsichtsratschef und bekleidet zudem den Posten als Vorstandssprecher der Berliner Effektengesellschaft. Hier in Berlin fühlt er sich wohl. Nach dem Abitur zog es den umtriebigen Timm aus Niedersachsen nach Berlin, wo er an der Freien Universität sein Jurastudium erfolgreich abschloss. Der berufliche Weg führte nicht ins Rechtswesen, sondern in die Finanz- und Börsenbranche. Wegweisend war ein Studentenjob an der Berliner Börse, der ihn stark faszinierte. Dort begann er dann auch 1986 seine Karriere als Wertpapiermakler. Ende der 1980er Jahre gründete er mit der H.T.B. seine erste eigene Firma. Später rief er die Berliner Freiverkehrs AG ins Leben, die in der heutigen Berliner Effektengesellschaft aufgegangen ist. Den Einstieg ins Banking vollzog er über die Gründung der Berliner Effektenbank, die 2007 in Quirin Bank umfirmierte. Hier ist er inzwischen Aufsichtsratschef. Er ist zudem Vorstandssprecher der seit gerau- mer Zeit als Konzerngesellschaft aufgestellten Berliner Effektengesellschaft. Der umtriebige Unternehmer ist überzeugter Marktwirtschaftler. Dass die Finanzdienstleistungsbranche weltweit starkem Druck ausgesetzt ist und unternehmerischer Erfolg dadurch erschwert wird, sieht er eher als Herausforderung. Mit den meisten seiner innovativen unternehmerischen Ventures im Finanzwesen ist er erfolgreich. Timm gilt als einer der Revolutionäre im deutschen Finanz- und Börsenwesen. Der am 17. März 1957 in Wittenberge Geborene und in Niedersachsen Aufgewachsene hat als Vordenker, Impulsgeber und überzeugter Demokrat über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Verdienste um das deutsche Börsenwesen erworben. Und immer war er mit Herzblut bei der Sache. Vor mehr als 25 Jahren hat es ihn gestört, dass Deutschland in Sachen Aktien und Börse als eine Art Entwicklungsland galt. Sein Anspruch war, diesen Status zu verbessern. Es war nicht zuletzt Timm, der unzähligen ausländischen Firmen aus aller Welt Gelegenheit bot, ihre Aktien in Deutschland listen zu lassen bzw. in deren Aktien einen Markt zu machen. Dass es in diesem Kontext bei einigen marktengen Nebenwerten nicht selten Kursabweichungen zur Heimatbörse gab – vor allem während europäischer Handelszeiten, wenn sich zum Beispiel US- Börsianer wegen der Zeitdifferenz noch in ihren Betten räkelten – konnte nicht überraschen. Holger Timm betrachtet Eigenkapital als interessanteste Finanzierungsform für Unternehmen. Die von Politikern in Deutschland vor Dekaden ausgerufene These vom „Volk der Aktionäre“ und vom Durchbruch der Eigenkapital-Idee erhielt spätestens mit dem Debakel um die Aktie der Deutschen Telekom einen Schuss vor den Bug. „Eigenkapital ist aber das Blut einer Volkswirtschaft“, ist Timm noch heute überzeugt. Auch deshalb stieg er später ins Venture-Capital-Geschäft ein. 78 diebank 2.2015

BERUF & KARRIERE ó Sein Unternehmergeist beeindruckt. Inspiration hat er sich in der Anfangsphase seines beruflichen Schaffens durch den Blick über den großen Teich geholt. Mit einem Auge hat er immer auf die Entwicklung der US-Börsen geblickt und sich so unter anderem am Erfolg der Computerbörse Nasdaq orientiert. Holger Timm sprudelt vor Ideen und das bereits seit Jahrzehnten. „Börse“, so sagt er, „ist ein sehr wichtiges Element einer Volkswirtschaft.“ Er findet, dass nicht nur professionellen institutionellen Anlegern ein funktionierendes Börsenwesen geboten werden muss, sondern dass Börsen Potenzial verschenken, wenn sie private Anleger außen vor lassen. Und so gründete er mit Tradegate eine speziell auf private Anleger ausgerichtete Börsenplattform. Tradegate hat sich inzwischen zur erfolgreichsten europäischen Handelsplattform für Privatanleger entwickelt. In diesem Zusammenhang musste er die unliebsame Erfahrung machen, dass wer Wind sät, auch Sturm ernten kann. Der Erfolg von Tradegate hat Neider auf den Plan gerufen. Die Konkurrenz übte rasch Kritik an einer angeblich nicht immer fairen Preisstellung. „Wir stellen auch in illiquiden Zeiten Geld- und Briefkurse, bieten Anlegern damit also die Chance, Wertpapiere auch in schwierigen Zeiten zu handeln“, entgegnet Timm. Und das sei schließlich auch eine der wichtigsten Aufgaben von Börsen und Handelsplattformen. Dass die Deutsche Börse AG zuletzt ihre Betetiligung an Tradegate auf 14,86 Prozent erhöht hat, sieht Timm als eine demonstrative Bestätigung seines Schaffens. Einige Entwicklungen im Börsenwesen nimmt Timm indes kopfschüttelnd zur Kenntnis. Wie den Fakt, dass sich auf Unternehmensseite in Deutschland mit dem Markt für Mittelstandsanleihen ein Fremdkapitalboom entwickelt hat. Über dem Land schwebe mit der hohen Staatsverschuldung eh bereits ein Fremdkapital- Damoklesschwert, kritisiert er. „Das ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn und ebenso bedenklich wie der Boom von Privatanleger-Zertifikaten, durch die Deutschland zu einem Tummelplatz für Zockerprodukte geworden ist“, kritisiert der Eigenkapital-Fan. Holger Timm bezeichnet sich selbst als einen introvertierten Menschen. Der große publikumswirksame Auftritt ist in der Tat nicht seine Sache. Wenn er aber gefragt wird, dann sind seine Aussagen klar und pointiert. Seine engsten Mitarbeiter bezeichnen ihn als „geradeheraus, direkt und fair“. „Manchmal ist es ihm überhaupt nicht recht, wenn wir ihn als Chef sehen. Er will eher der Kollege sein“, heißt es in seiner nahen Umgebung. Andere Mitarbeiter bezeichnen ihn als „angenehmen und lockeren Typen“. Wer unangemeldet in Timms Büro am Kurfürstendamm in Berlin auftaucht, der kann ihn auch schon einmal in Jeans und Pulli antreffen. Der Mann, der Börsianer mit Leib und Seele ist, liebt den Fußball. Und so kam ihm eines Tages die Idee, Sportwetten handelbar zu machen. Er gründete (aus rechtlichen Gründen in Wien) die Ex-Tra Sportwetten AG, die den „grauen Markt der Sportwetten“ in ein rechtlich sicheres und gut organisiertes Umfeld bringen sollte. „Fußballwetten werden so handelbar“, erklärt Timm. Der Wett-Interessent könne seine Wette also vor dem eigentlichen Event über die Börse wieder verkaufen - mit Gewinn oder aber auch mit Verlust. Bei traditionellen Sportwetten müssen Akteure bekanntlich bis zum Tag der Entscheidung warten. Zurück zur Einstiegs-Szene. Das Spiel im Olympiastadion ist an diesem Tag beendet – die Hertha hat eine bittere Niederlage kassiert. Timms enttäuschter und düsterer Blick verrät seine Gemütslage. „Das war katastrophal“, zieht er ein Resümee. Dann tauchen die beiden jungen fröhlichen Hannover-Fans wieder auf und legen ihm tröstend ihre Hände auf die Schultern, versuchen ihn aufzumuntern. Und das bringt den Berliner zum Schmunzeln. Die gute Laune kehrt zurück. ó Jonas Dowen Kurz nachgefragt Was war der Auslöser für Ihren Berufsweg im Börsenwesen? Ich habe während meines Studiums einen Studentenjob an der Berliner Wertpapierbörse absolviert. Da habe ich mich zum ersten Mal intensiver mit dieser spannenden Szene beschäftigt. Und – haben Sie Ihren Einstieg ins Banking und in die Finanzszene jemals bedauert? Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich liebe, was ich tue. Die Finanzmärkte sind sehr spannend und auch geistig anspruchsvoll. Was würden Sie bisher als ihre größte einzelne Leistung bezeichnen? Das war zweifellos der Aufbau der heutigen Tradegate Exchange ab dem Jahr 2000. Was tun Sie am liebsten in Ihrer Freizeit? Ich unterscheide nicht zwischen Beruf und Freizeit. Mein Beruf ist sozusagen auch mein liebstes Hobby. Ihr beliebtestes Reiseziel ist? Die USA insgesamt - und dort vor allem die Region Miami. Hätten Sie sich auch eine Karriere als Politiker vorstellen können? Ja, ich habe mich aber sehr früh dann doch für eine unternehmerische Laufbahn entschieden. Beides zusammen geht zeitlich nämlich nicht. Mit 15 Jahren bin ich in die CDU eingetreten und habe seinerzeit den Wahlkampf für Rainer Barzel geführt. Welches große Ziel haben Sie sich für den Rest Ihres Lebens gestellt? Ich will mein „Lebenswerk“ gut geordnet in die nächste Generation überführen. 2.2015 diebank 79

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