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die bank 02 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó IT & KOMMUNIKATION

ó IT & KOMMUNIKATION FinTechs in den USA BANKSTRATEGIE Allein im ersten Quartal 2014 flossen weltweit 1,7 Mrd. US-$ an Wachstumsfinanzierung in junge Technologie-Unternehmen der Finanzindustrie. Von dieser Summe ging mehr als die Hälfte an FinTechs in den USA. Die Vereinigten Staaten sind die klare Nummer eins in der globalen FinTech-Szene. Und erste Newcomer wie Lending Club üben bereits erheblichen Druck auf etablierte Finanzinstitute aus. Björn B. Schmidt Keywords: USA, Silicon Valley, Silicon Alley, Digitalisierung Die USA sind das unumstrittene Zentrum der Welt, wenn es um innovative und disruptive Online-Geschäftsmodelle geht. Innerhalb der USA ist das Silicon Valley in Kalifornien wohl die bekannteste Region für Unternehmensgründungen im Bereich Technologie und Digitales. Es hat Facebook, Google, aber jüngst auch Uber und Airbnb sowie zahlreiche andere innovative Unternehmen hervorgebracht. Hier befinden sich global führende Forschungseinrichtungen und Universitäten wie Stanford und California, Berkeley. Viele der bekanntesten und erfolgreichsten Wagniskapitalgeber wie Andreessen Horowitz, Greylock, Accel, Kleiner Perkins und Sequoia haben ihren Hauptsitz in der Region. Für die Finanzindustrie ist die sogenannte Silicon Alley mindestens genauso wichtig wie das kalifornische Silicon Valley, wenn es um Online-Geschäftsmodelle geht. Silicon Alley ist ein Kunstbegriff – angelehnt an die Bezeichnung Silicon Valley in Kalifornien – und bezeichnete ursprünglich den Flatiron District in New York City als das Zentrum für Technologie- Gründer und Kapitalgeber in Manhattan. Mittlerweile steht der Begriff Silicon Alley stellvertretend für alle Technologie-Gründungsaktivitäten in der gesamten Metropol-Region von New York City. Im Vergleich zum Silicon Valley bietet die New Yorker Silicon Alley FinTech-Unternehmen spezifische Vorteile: Vor allem die große Nähe zur Wall Street und den großen Finanzinstituten ist ein großes Plus. Zudem gibt es in New York City eine große Anzahl an qualifizierten IT-Mitarbeitern mit Erfahrung in der Finanzindustrie. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die USA den Löwenanteil an den globalen Investitionen in FinTech-Unternehmen auf sich vereinnahmen. Das erste Quartal 2014 war in dieser Hinsicht ein Rekordquartal. Laut der Unternehmensberatung Accenture wurden in dem Zeitraum weltweit insgesamt 1,7 Mrd. US-$ in FinTech- Unternehmen investiert – Tendenz steigend. Von dieser Summe ging mit knapp 1 Mrd. US-$ mehr als die Hälfte an USamerikanische FinTech-Unternehmen. Dabei ist die Tatsache nicht zu vernachlässigen, dass in den USA nicht nur klassische Wagniskapitalgeber, sondern auch eine Großzahl von etablierten US-Finanzinstituten wie die Bank of America, Citibank und American Express fleißig in Fin- Tech-Unternehmen investieren. Zwar engagieren sich auch außerhalb der USA vermehrt Finanzinstitute im Corporate Venturing – so zum Beispiel die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, die HSBC und die Commerzbank, die Wagniskapitalfonds von jeweils bis zu 250 Mio. US-$ aufgesetzt haben. Aber in Summe haben die US- Finanzinstitute klar die Nase vorn. Wenn in den USA die Investitionssummen in FinTech-Unternehmen deutlich größer sind als woanders in der Welt und die USA seit Jahrzehnten das globale Zentrum von innovativen Technologie-Gründungen sind, dann ist davon auszugehen, dass Silicon Valley, Silicon Alley & Co. bereits Finanzunternehmen hervorgebracht haben, die die etablierten Finanzinstitute erfolgreich unter Druck setzen – anders als zum Beispiel in Deutschland, wo die FinTech-Szene noch vergleichsweise in den Kinderschuhen steckt. Welche Unternehmen sind hier beispielhaft für eine Reihe von erfolgreichen FinTechs aus den USA zu nennen? Lending Club Lending Club ist die weltweit größte Plattform für Crowdlending mit Sitz im kalifornischen San Francisco. Ein über die Crowdlending-Plattform zustande gebrachter Kredit wird in der Regel von einer Vielzahl von privaten Anlegern finanziert, die zum Ende ihre einzelnen Kreditbeträge – freilich unter Inkaufnahme eines potenziellen Totalausfalls ihrer Anlage – mit einer meist überdurchschnittlich hohen Verzinsung zurückerhalten. Mit ihrem Angebot bieten Unternehmen wie Lending Club Privatpersonen eine Alternative zum klassischen Kreditprozess über eine Geschäftsbank. Der Mehrwert, so der Anspruch von Crowdlending-Anbietern, ist, dass der Kredit effizienter vergeben und kostengünstiger gestaltet werden kann, vor allem weil bei Non-Banks hohe Regulierungskosten wegfallen. Zudem können Privatpersonen unmittelbar als Kreditgeber agieren und auch bonitätsschwache Kreditnehmer einen Kredit in Anspruch nehmen. Da in der Regel Privatpersonen – ob als Kreditnehmer oder Kreditgeber – unter sich agieren, handelt es sich um einen „Peer-to-Peer“-Kredit, dessen Lebenszyklus 66 diebank 2.2015

IT & KOMMUNIKATION ó in weiten Teilen unreguliert ist. Gegenüber klassischen Kreditinstituten nimmt Lending Club somit einen Wettbewerbsvorteil für sich in Anspruch. Bereits 2006 wurde Lending Club gegründet. Seit dem Marktstart 2007 hat das Unternehmen stattliche 5 Mrd. US-$ an Krediten vermittelt. Der europäische Marktführer Zopa kommt im Vergleich auf maximal 20 Prozent. Die deutschen Wettbewerber Auxmoney und Lendico liegen noch weiter zurück. Nach einem signifikanten Umsatzwachstum in den letzten Jahren, ist Lending Club mittlerweile rentabel: Im Geschäftsjahr 2013 wurde bei einem Umsatz von 98 Mio. US-$ ein Gewinn von 7 Mio. US-$ erwirtschaftet. Im Rahmen einer neuen Finanzierungsrunde im April 2014 wurde Lending Club mit knapp 4 Mrd. US-$ bewertet. Seit Oktober 2014 bereitet das Unternehmen seinen Börsengang vor. Könnte Lending Club beim Gang auf das Parkett eine ähnliche Bewertung erzielen, wäre Lending Club höher bewertet als manche traditionelle US- Bank. Dass der Marktneuling in der US- Finanzszene angekommen ist, zeigt sich darüber hinaus in der Zusammensetzung des Verwaltungsrats, wo u. a. der Ex- Morgan-Stanley-Chef John Mack und der ehemalige US-Finanzminister Lawrence Summers engagiert sind. Personal Capital Personal Capital ist ein Online-Vermögensberater aus Redwood City in Kalifornien und hat seit seiner Gründung 2009 bisher gut 50 Mio. US-$ an Wachstumsfinanzierung u. a. von BlackRock eingesammelt. Der Gründer ist kein Unbekannter in der FinTech-Szene: Bill Harris war einst CEO von PayPal. Personal Capital rühmt sich damit, seinen Kunden einen umfassenden Überblick über ihren Finanzstatus zu bieten, der sich in der Regel über verschiedene Banken und Finanzdienstleister erstreckt. Ob Konten, Kredite, Kreditkarten, Wertpapierdepots, Rentenpläne: Personal Capital verspricht, alle relevanten Informationen übersichtlich, vollständig, aussagekräftig und jederzeit online auch per Smartphone einsehbar aufzubereiten. Während die Integration der Informationen für den Kunden kostenlos ist, verdient Personal Capital an der persönlichen Anlageberatung, die der Kunde in Anspruch nehmen kann. Tut er dies, fällt derzeit eine jährliche Gebühr von in etwa einem Prozent auf die Assets under Management an. Ein zusätzlicher Ausgabeaufschlag und andere Gebühren fallen nicht an. Die Zielgruppe von Personal Capital sind wohlhabende Privatpersonen und Haushalte mit liquiden Mitteln zwischen 250.000 und 2 Mio. US-$. Mindestens 100.000 US-$ sollte der Kunde aber in jedem Fall mitbringen. Diese Zielgruppe liegt damit über der von klassischen Fondsanbietern und unter der von Private-Wealth-Managern in den USA. Auch die Ziele des Unternehmens sind nicht bescheiden: 10 Mrd. US-$ Assets under Management will Personal Capital in den nächsten vier Jahren von seinen Kunden eingesammelt haben. Die größte Bedrohung des Geschäftsmodells dürfte für Personal Capital in der Vertrauensvermittlung gegenüber den Neukunden liegen. Wohlhabende Privatkunden, die ihrem Finanzdienstleister Anlagebeträge ab mindestens 100.000 US-$ zur Verfügung stellen, wollen in der Regel von der Solidität des Partners überzeugt sein. Hier haben Finanz-Startups einen generellen Nachteil gegenüber klassischen Banken. Betterment Betterment ist ein weiterer Online-Vermögensberater, der bisher gut 45 Mio. US-$ an Wachstumsfinanzierung von renommierten Wagniskapitalgebern eingesammelt hat, darunter Menlo Ventures, Bessemer Venture Partners und Citi Ventures. Betterment hat seinen Hauptsitz in New York. Das Unternehmen verspricht seinen Kunden eine deutlich günstigere und gleichzeitig bessere Vermögensberatung, als es traditionelle Finanzdienstleister bieten. Der Kern des Geschäftsmodells ist eine Technologieplattform, die den Kunden eine voll automatisierte und personalisierte Vorauswahl an Aktien und Anleihen bietet, in die der Kunde investieren kann. Bei der Vorauswahl spielt vor allem das Anlageverhalten des Nutzers in der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Betterment verzichtet weitgehend auf eine persönliche Beratung. Das Unternehmen verlangt eine vergleichsweise geringe jährliche Gebühr von 0,15 bis 0,35 Prozent auf die Assets under Management. Auch entfallen etwaige zusätzliche Ausgabeaufschläge und andere Gebühren. Kernmerkmal ist größtmögliche Transparenz. Problematisch könnte sich der Wachstumszwang erweisen, denn Betterment muss die Assets under Management um 500 Prozent pro Jahr steigern. Umsatz- und Gewinnziele werden bislang nicht veröffentlicht, Transparenz ist somit nicht in alle Richtungen zu konstatieren. Fazit Die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle von Personal Capital und Betterment darf angezweifelt werden, aber die Ideen weisen neue Wege für die Bankberatung der Zukunft. In den USA gewinnen Newcomer auf Kosten etablierter Finanzinstitute bereits spürbar Geschäft hinzu, der Beweis einer langfristigen Profitabilität muss allerdings erst noch erbracht werden. Zwar sind die US-FinTechs in ihrer Entwicklung und öffentlichen Wahrnehmung bereits einen Schritt weiter, aber auch im deutschen Markt wird verstärkt mit neuen Geschäftsmodellen experimentiert. Ein deutlich größeres Engagement in der Finanzierung von FinTechs steht zu erwarten, sei es durch direkte Beteiligungen oder über Inkubatoren. Auch Kooperationen zwischen Finanzinstituten und FinTechs dürften künftig stärker verfolgt werden als bisher. Die Zukunftssicherung für das klassische Kreditwesen ist dies allerdings noch lange nicht. Autor: Dr. Björn B. Schmidt lehrt an der FOM Hochschule für Ökonomie & Management, Essen und Berlin. 2.2015 diebank 67

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