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die bank 02 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT Gemeinsam Wachstumskräfte freisetzen PROJEKTFINANZIERUNG Seit einigen Jahren stellt sich mit zunehmender Dringlichkeit die Frage, wie unsere Volkswirtschaft langfristige Großprojekte finanzieren kann. Im Fokus stehen dabei in erster Linie der Erhalt und der Ausbau unserer Infrastruktur 1 . Rainer Neske Keywords: Public Private Partnership (PPP), Finanzierungsrisiken, Infrastruktur Ein funktionierendes, modernes Verkehrswegenetz aus Straßen, Schienen, Flughäfen und Wasserwegen ist neben Bildung und Ausbildung der zentrale Faktor, wenn es um die zukünftige, globale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas geht. Zusätzlich ist in den vergangenen 15 Jahren eine neue Komponente zu diesen klassischen Verkehrswegen hinzugekommen: Die digitale Infrastruktur. Sie ist für die Sicherung unserer Wirtschaftskraft von ähnlicher Bedeutung wie der Ausbau des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert. Damals ist Europa anderen Wirtschaftsregionen beim Ausbau seiner Infrastruktur davongeeilt. Heute dagegen weiß der Rest der Welt um die Bedeutung von realen und digitalen Verkehrswegen. Länder wie China, Japan und allen voran die USA investieren massiv in den Ausbau von Breitbandnetzen. Die dortigen Regierungen wissen, dass für Unternehmen in Zukunft nur noch die Regionen attraktiv sein werden, in denen sie neben einer einwandfreien Verkehrsanbindung auch moderne Hochgeschwindigkeitsnetze für Datenübertragung, vernetzte Produktionen und Cloud Computing vorfinden. Die Qualität von Infrastruktur – und damit einhergehend die Höhe von Infrastrukturinvestitionen – haben einen positiven Einfluss auf die Attraktivität, die Wettbewerbsfähigkeit und das wirtschaftliche Wachstum von Staaten, Städten und Gemeinden. Infrastruktur eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten und erleichtert den Handel und die Erweiterung von existierenden Wirtschaftsaktivitäten 2 . Die dafür notwendigen Investitionen sind allerdings gigantisch. Nach Schätzungen fl Die Regierungen in China, Japan und den USA wissen, dass für Unternehmen in Zukunft nur noch die Regionen attraktiv sein werden, in denen neben einer einwandfreien Verkehrsanbindung auch moderne Hochgeschwindigkeitsnetze verfügbar sind. der EU-Kommission haben wir in Europa im gesamten Infrastrukturbereich einen Investitionsbedarf bis 2020 von etwa 2 Bio. €. Die Staaten stellt das vor ein Problem. Denn sie können das angesichts der in den meisten Ländern überschuldeten Haushalte nicht alleine bewältigen. Das bedeutet: Ohne Beteiligung privater Investoren werden viele Infrastrukturprojekte zeitverzögert oder gar nicht umgesetzt. Wir müssen also privates Kapital mobilisieren. Im Prinzip sind die Chancen dafür gut. Angesichts der historisch niedrigen Zinsen suchen Versicherungen, Pensionskassen und Asset Manager nach langfristigen Anlagen für das Geld ihrer Kunden. Was sie brauchen, sind moderate Renditen bei vertretbarem Risiko. Infrastrukturprojekte bieten sich dafür an. Banken wiederum können hierbei eine wichtige Funktion übernehmen. Zwar wird die klassische Kreditvergabe bei Infrastrukturprojekten aus regulatorischen Gründen immer unattraktiver. Unsere Branche kann aber als Vermittler zwischen Kapitalgebern und Kapitalsuchenden Produktlösungen sowie Finanzierungsberatung anbieten. Das macht uns im besten Sinne zu Finanzdienstleistern, die eine wichtige Funktion für die Realwirtschaft wahrnehmen. Mehr privates Kapital mobilisieren Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Jahren genau das getan und mehrere große Infrastrukturprojekte begleitet. In der Slowakei wurde eine strukturierte Anleihe mit einem Volumen von 1,24 Mrd. € und einer Rendite von rund 4,7 Prozent platziert. Mit dem eingesammelten Kapital finanziert eine Projektgesellschaft Betrieb und Instandhaltung einer Autobahn. Unter den 28 Investoren waren vor allem 50 diebank 2.2015

BETRIEBSWIRTSCHAFT ó Versicherungen, Pensionsfonds und Asset Manager. Nicht zuletzt verbuchte der Staat durch diese Transaktion erhebliche Refinanzierungsgewinne. Natürlich müssen dabei alle Beteiligten nüchtern kalkulieren. Denn gerade bei Investitionen in Infrastrukturprojekte sind die Risiken nicht zu unterschätzen, schon alleine aufgrund ihrer Dimension und Langfristigkeit. Das sowie eine nicht immer förderliche Regulierung lassen viele private Investoren häufig noch davor zurückschrecken, sich an solchen langfristigen Finanzierungen zu beteiligen. Kein Zeichen von politischer Schwäche Bedauerlicherweise werden auch Public Private Partnerships (PPP) von Politik und Verwaltung häufig kritisch gesehen. PPPs sind sicherlich für jede Form der Infrastrukturfinanzierung geeignet. Aber eine stärkere Einbindung privater Investoren ist auch kein Zeichen von politischer Schwäche. Beide Seiten können profitieren: der Staat durch eine schnellere und häufig kostengünstigere Realisierung der Projekte; private Investoren durch eine attraktive Rendite bei vertretbarem Risiko. Drei Hebel sind nach unserer Erfahrung entscheidend, um privates Kapital für langfristige Finanzierungen zu mobilisieren: ó Drittens müssen die Projekt- und Finanzierungsrisiken auf alle beteiligten Partner, ob auf staatlicher oder privatwirtschaftlicher Seite, fair verteilt sein. fl Die Risiken sind beherrschbar, sofern sie entsprechend identifiziert, analysiert und strukturiert werden können. In Projektfinanzierungen sind allerdings auch Risiken enthalten, die kaum steuerbar sind. ó Unternehmen brauchen fachliches Know-how, Planungs- und Rechtssicherheit, vor allem mit Blick auf die wirtschaftliche Verlässlichkeit zukünftiger Rückflüsse. ó Der Staat sollte zweitens regulatorische Anreize schaffen. Zu nennen wären hier u. a. Erleichterungen bei der Eigenkapitalunterlegung für Infrastrukturprojekte durch Versicherungen und Pensionskassen. Rainer Neske, geboren 1964, begann seine Tätigkeit für die Deutsche Bank im Jahr 1990 und wurde 2000 zum Mitglied des Vorstands der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG bestellt. Seit 2003 ist er Mitglied des Group Executive Committee. Von 2003 bis zum Jahre 2011 war er Sprecher des Vorstands der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG. Zudem ist er Mitglied des Präsidiums von Frankfurt Main Finance e. V. Neske ist Diplom-Informatiker und studierte Informatik und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Karlsruhe. Die Risiken sind beherrschbar, sofern sie entsprechend identifiziert, analysiert und strukturiert werden können. In vielen Projektfinanzierungen sind allerdings oft auch klassische Risikofaktoren enthalten, die von den Projektbeteiligten kaum steuerbar sind, z. B. das politische Umfeld, Gesetze und Regularien sowie diverse Märkte (Nachfrage, Zinsen, Wechselkurse). Hinzu kommen projektspezifische technische, Konstruktions-, Finanzierungs-, Betreiber-, Markt- und Vertragspartnerrisiken. Grundsätzlich variiert das Risikoprofil der Investitionen mit dem Reifegrad des Projekts. Fazit Nicht zuletzt brauchen wir bei Langfristfinanzierungen auf allen Seiten Entschlossenheit, ein Stück Mut und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft. Wenn uns auf dieser Basis ein Schulterschluss gelingt, werden wir dringend nötige Investitionen in unsere Infrastruktur stemmen sowie Wachstumskräfte in Deutschland und Europa freisetzen können – und damit unsere globale Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft verbessern. Autor: Rainer Neske ist Mitglied des Vorstands der Deutsche Bank AG. 1 Eine Kurzfassung dieses Beitrags wird erscheinen im Jahrbuch 2015 von Frankfurt Main Finance (im Druck). 2 Vgl. Weber, Barbara/Alfen, Hans Wilhelm: Infrastrukturinvestitionen – Projektfinanzierung und PPP, 2. Aufl., Köln 2009. 2.2015 diebank 51

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