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die bank 02 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING Digitale

ó BANKING Digitale Mehrwerte schaffen NEO INVESTING FinTechs mischen zunehmend den Finanzsektor auf. Dabei erfinden viele der Finanz-Startups das Bankgeschäft gar nicht neu – aber sie passen es so an, dass für die Kunden ein Zusatznutzen entsteht. Das Berliner FinTech-Unternehmen Bergfürst bietet Privatinvestoren handelbare Beteiligungen an Unternehmen in der Wachstumsphase und seit November 2014 auch Immobilieninvestments an. Guido Sandler Keywords: Geschäftsmodelle, FinTech, Bankgründung In den Bankensektor kommt zunehmend Bewegung: Immer mehr Start-ups bieten im Schatten der etablierten Geldkonzerne Finanzdienstleistungen an. Die FinTech- Unternehmen bedrängen die klassischen Banken, indem sie dem Kunden ermöglichen, digital und ohne Intermediäre Kredite aufzunehmen, Geld anzulegen oder Bezahlvorgänge abzuschließen. Laut einer Erhebung des FinTech Forums DACH gibt es hierzulande bereits heute mehr als 100 Start-ups aus dem Bereich Online- Finanzen – Tendenz weiter steigend. Zu den bekanntesten Finanz-Start-ups in Deutschland zählen der Mobile-Payment- Anbieter Payleven, der Big-Data-Dienstleister Kreditech und die Münchner Fidor Bank. FinTechs setzen auf neue Technologien und innovative Anwendungen, die leicht verständlich sind und häufig vollständig online abgewickelt werden. Dabei nutzen sie ihren hohen Spezialisierungsgrad, um Prozesse zu optimieren und zu automatisieren. Dadurch sind die Startups in der Lage, viele Produkte und Dienstleistungen deutlich günstiger anzubieten als die großen Finanzhäuser. Die Innovatoren sind schon heute ernstzunehmende Wettbewerber, die den klassischen Banken mit mehr Transparenz und Kundenorientierung Marktanteile streitig machen. Gerade eine höhere Kundenorientierung kann klassischen Finanzdienstleistern dabei helfen, sich gegen die neuen Wettbewerber zu wappnen und die Zufriedenheit der eigenen Kunden zu stärken. Banken, Versicherer und andere Finanzdienstleister müssen sich mit den Herausforderungen auseinandersetzen und von deren Stärken lernen. Misstrauen gegenüber den klassischen Geldinstituten Der technische Fortschritt sorgt mehr und mehr für die Emanzipation des Bankkunden vom alten Filialsystem, und es ist noch keineswegs ausgemacht, ob die großen Spieler der alten Bankenwelt auch die wichtigsten Spieler der neuen Bankenwelt sein werden. Denn viele Kunden misstrauen den klassischen Banken. Eine aktuelle Umfrage von Prophet zeigt, dass sich etwa drei Viertel der Deutschen vorstellen können, ihre Bankgeschäfte über andere Unternehmen abzuwickeln, da die etablierten Geldkonzerne nur auf ihren eigenen Vorteil aus seien. Außerdem wollen mehr als 70 Prozent der Befragten ihre Geschäfte nahezu ausschließlich online abwickeln, statt Filialen aufzusuchen. Auf dieser Basis versuchen viele FinTechs Fuß zu fassen und mit neuen Geschäftsmodellen Marktnischen zu besetzen. Stürmen also bald viele neue Geldhäuser auf den Markt? Das ist eher unwahrscheinlich, denn in Deutschland ist es kompliziert und teuer, eine neue Bank zu gründen. Die Anforderungen sind heute viel höher als noch vor einigen Jahren. Dies ist einer der Gründe, weshalb bei den wenigen Banklizenzvergaben auf dem deutschen Markt in den letzten Jahren keine einzige Universalbank mit großem Einlagengeschäft dabei war. Denn um eine neue Bank zu gründen, braucht man nicht nur ein gutes Geschäftsmodell, sondern auch viel Eigenkapital und einen einfachen Zugang zu Kunden. Die Finanzaufsicht BaFin hat nach eigenen Angaben in den Jahren 2012 und 2013 nur vier Banklizenzen erteilt; 2014 bekam lediglich Bergfürst grünes Licht. Die umfangreichen BaFin- Auflagen sorgen zwar für weniger Flexibilität im Tagesgeschäft, eine Banklizenz führt aber generell zu mehr Vertrauen auf Kundenseite – ein seltenes Gut seit der Finanzkrise. Crowdinvesting-Markt wächst rasant Auch alternative Finanzierungsmethoden werden von Finanz-Start-ups vermehrt angeboten. Crowdinvesting-Plattformen stellen dabei eine Alternative zu klassischen Geldquellen wie Krediten, Fördergeldern oder Venture Capital dar. Und die neue Finanzierungsart liegt im Trend: Ob die Online-Designmarke „Urbanara“, der „Stromberg“-Film oder der High Quality- Musikplayer „Pono“, entwickelt von Musiker Neil Young – der Schwarm finanziert immer häufiger Ideen und Projekte. Seit 2011 die ersten Crowdinvestings gestartet wurden, wächst der Markt auch in Deutschland rasant. Denn häufig ist es einfacher, sich durch die Masse zu finanzieren als einen einzelnen geeigneten Kapitalgeber zu finden. Mittlerweile sind in Deutschland mehr als 30 Crowdinvesting- Plattformen aktiv; bis Ende 2013 wurden laut Für Gründer.de knapp 20 Mio. € ein- 34 diebank 2.2015

BANKING ó Neo Investing für junge Unternehmen in der Wachstumsphase Neben Immobilieninvestitionen wird jungen Unternehmen die Möglichkeit geboten, Wachstumskapital in der Höhe von ca. 1,5 bis 10 Mio. € über die Handelsplattform der Bank einzusammeln. Mit diesem Angebot werden explizit Unternehmen adressiert, die sich bereits in der Phase der Markterschließung und Marktdurchdringung befinden und neues Kapital benötigen. Bergfürst ermöglicht diesen Wachstumsunternehmen, für die weitere Entwicklung einen Zugang zu Venture Capital. Unternehmen in der zweiten oder dritten Finanzierungsphase können über die Bank Aktien-Emissionen durchführen und auf diese Weise dringend benötigtes Kapital erlangen. Dadurch kann eine bestehende Finanzierungslücke geschlossen und sichergestellt werden, dass aufstrebende junge Unternehmen weitergesammelt. Allerdings gibt es für die Betreiber der Plattformen bisher keine speziellen aufsichtsrechtlichen Regelungen. Um die Transparenz weiter zu verbessern und um die Anleger besser vor Missbrauch zu schützen, will der Gesetzgeber dies jetzt jedoch ändern: Die Befugnisse der BaFin – so besagt es zumindest der vorläufige Entwurf der Bundesregierung zum Kleinanlegerschutzgesetz – werden ausgeweitet. Dazu wird für Crowd investing-Projekte mit einem Volumen von mehr als 1 Mio. € ein Wertpapierprospekt nötig sein. Eine solche staatliche Regulierung ist durchaus sinnvoll, birgt aber auch die Gefahr einer Überregulierung, die womöglich den gesunden Wettbewerb innerhalb der Branche ersticken könnte. liegt die Immobilie? In welchem Zustand ist das Gebäude? Ist das Objekt vollständig vermietet? Wie hoch waren die Leerstandsraten in den vergangenen Jahren? Wurde die Immobilie regelmäßig renoviert, und ist sie in einem guten Zustand? Darüber hinaus bietet Bergfürst auf der Plattform weitere Informationsmaterialien wie ein Exposé zur Immobilie und ein Investorenforum. Mit diesen Informationen kann sich jeder Anleger ein Bild vom Chancen-Risiko-Profil des Investments machen. Nach Ablauf der Emission haben die Investoren dann die Möglichkeit, ihre hin erfolgreich am Markt agieren können. Zusätzlich erhalten die Firmen mit den Investoren neue Unterstützer für die Bewerbung ihrer Produkte oder Dienstleistungen. Denn wer in ein Unternehmen investiert und Eigenkapital ersteht, hat ein Interesse, „sein“ Unternehmen zu unterstützen und wird dadurch automatisch auch zum Botschafter. Bergfürst bietet mit dem Neo-Investing-Ansatz also eine neue Finanzierungstechnik, die jungen Unternehmen in der Wachstumsphase den Zugang zu den Kapitalmärkten ermöglicht. fl Die Bergfürst Bank AG will eine selbstbestimmte Anlegerkultur in Deutschland fördern – weg von provisionsgesteuerter Beratung, hin zum eigenverantwortlichen Handeln bei Geldangelegenheiten. Bergfürst bietet Crowdinvesting 2.0 Die Bergfürst Bank AG unterliegt durch den Erhalt der Banklizenz im Mai 2014 schon jetzt der Regulierung durch die Ba- Fin und muss zum Schutz der Privatinvestoren bestimmte Veröffentlichungspflichten einhalten. Deshalb darf sie handelbare Eigenkapital-Beteiligungen anbieten. Bergfürst will dazu beitragen, die selbstbestimmte und realwirtschaftlich orientierte Anlegerkultur in Deutschland zu fördern – weg von provisionsgesteuerter Beratung, hin zum eigenverantwortlichen Handeln bei Geldangelegenheiten. Um das zu gewährleisten, benötigen Privatanleger alle Informationen zu einem Investment verständlich und transparent. Dazu wird den Kunden Zugang zu Anlageklassen gewährt, die Privatinvestoren sonst verwehrt bleiben, wie exklusive Pre-IPO-Investments in junge Unternehmen in der Wachstumsphase und festverzinste Beteiligungen an Einzelimmobilien mit einem von der BaFin gebilligten Wertpapierprospekt. Durch den Prospekt erhalten Privatinvestoren beispielsweise umfangreiche Informationen zur Geschichte der Immobilie, um sich ein besseres Bild davon machen zu können: Wo Beteiligungen im Rahmen von Angebot und Nachfrage über unsere Handelsplattform zu handeln. Dadurch bleiben sie flexibel und können ihr Investment an aktuelle Marktbedingungen anpassen. Fazit In den vergangenen Jahren sind in Deutschland dutzende Start-ups entstanden, die Finanzdienstleitungen anbieten und fast ausschließlich auf neue Technologien setzen – und diese Entwicklung wird sich auch zukünftig fortsetzen. Dabei wird besonders die Forderung nach mehr Transparenz und Kundenfreundlichkeit alle Finanzprodukte und Dienstleistungen langsam verändern. Auch die Crowdinvesting-Branche hat die großen Finanzinstitute zum Nachdenken angeregt und dort einige positive Entwicklungen angestoßen. Allerdings muss der Gesetzgeber auch dafür Sorge tragen, dass die Investoren vor der Emission umfangreich informiert werden, um die Chancen und Risiken eines Investments einschätzen zu können. Die Neo-Investing-Plattform der Bergfürst Bank AG hat sich im Live-Betrieb bewährt, sodass auf dieser Basis neue Anlageprodukte konzipiert werden können, die einen Mehrwert für die Privatanleger und die beteiligten Unternehmen bieten. ó Autor: Dr. Guido Sandler ist CEO der Bergfürst Bank AG. 2.2015 diebank 35

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