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die bank 01 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

#zvzukunft2021 Online-Fachkonferenz Zahlungsverkehr der Zukunft 24. und 25. Februar 2021 SCHWERPUNKT ZAHLUNGSVERKEHR DIGITALE KREDITPROZESSE FÜR KMU-FINANZIERUNGEN Ein schnelles „Muss“ fürs Angebotsportfolio Banken und Sparkassen kämpfen hart um die Gunst von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Dabei lässt die Rentabilität von KMU-Finanzierungen vielerorts zu wünschen übrig. Digitale Kreditprozesse können hier Abhilfe schaffen und dazu beitragen, die zunehmend steigenden Anforderungen dieser Klientel hinsichtlich Schnelligkeit und Kundenerlebnis zu erfüllen. Sind nun aber Eigenentwicklungen oder Kooperationen mit FinTechs der bessere Weg in die digitale Zukunft? Sie bilden das Rückgrat der hiesigen Wirtschaft und stellen eine wichtige Ertragssäule für Banken und Sparkassen dar: KMU mit bis zu 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von höchstens 500 Mio. € per annum. Laut Angaben des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft zählen über 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland zu dieser – in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals unterschätzten – Gruppe. KMU stellen deutlich mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und stehen für fast 60 Prozent der Nettowertschöpfung in der Bundesrepublik. 2019 zeichneten KMU-Kredite für rund sechs Prozent der Zinserträge von deutschen Geldhäusern verantwortlich. Das Marktwachstum fällt in diesem Geschäftsfeld dabei sogar noch dynamischer aus als im ebenfalls seit Jahren boomenden Feld der privaten Baufinanzierungen. So hat sich das Bestandsvolumen an KMU-Krediten zwischen 2011 und 2019 im Durchschnitt jährlich um mehr als 4,5 Prozent auf weit über 200 Mrd. € erhöht. Gleichzeitig ist es den Instituten in diesem Betrachtungszeitraum gelungen, den durchschnittlichen Effektivzins mehr oder weniger konstant zu halten, wohingegen bei privaten Baufinanzierungen und Konsumentenkrediten massive Rückgänge zu verkraften waren. KMU-Kredite als „Wertvernichter“ Rosige Aussichten also für die Firmenkundensparten unserer Banken und Sparkassen? Keineswegs! Denn während sich die Ertragslage auf den ersten Blick durchaus positiv darstellt, geben bei näherem Hinsehen zwei Aspekte Grund zur Sorge. Vor allem aufgrund steigender Eigenkapitalanforderungen können mit KMU-Finanzierungen im Branchenschnitt nicht einmal die Eigenkapitalkosten erwirtschaftet werden – unterm Strich müssen wir bei einer ehrlichen Betrachtung des Geschäftsfelds also vielerorts von einem „Wertvernichter“ sprechen. Erschwerend hinzu kommt, dass sich dieses strukturelle Profitabilitätsdefizit in Zeiten historisch niedriger Kreditausfallraten manifestiert hat. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schieflage, in die viele KMUs infolge der Corona-Pandemie geraten sind, wird die Risikovorsorge zukünftig aber wieder eine größere Rolle spielen und die Rentabilität weiter verschlechtern. Effizienz durch Digitalisierung Welcher Ausweg aus dem Tal der Tränen bleibt also in diesem von starkem Wettbewerb geprägten Marktsegment? Das Credo kann hier nur lauten: Effizienz durch Digitalisierung. Insbesondere die Vergabeprozesse müssen deutlich einfacher, schlanker und schneller werden. Das gilt umso mehr für kleine Darlehensbeträge. Hier fallen Arbeitsschritte wie die Unterlagenprüfung, die Legitimation oder die Erstellung und der Versand der dazugehörigen Vertragsdokumente (deren Aufwand weitestgehend unabhängig vom zu- grunde liegenden Finanzierungsvolumen anfällt) relativ zur Kreditsumme deutlich stärker ins Gewicht als bei größeren Tickets – mit entsprechenden Folgen für die Rentabilität respektive die Wettbewerbsfähigkeit. Geschwindigkeit als Wettbewerbsfaktor Höhere Effizienz ist indes nicht nur aus Sicht des Controllers unabdingbar. Auch die Anforderungen der Kunden steigen in dieser Hinsicht kontinuierlich. Schnelle Zusagen und möglichst wenig Papierkram sind zentrale Faktoren bei der Anbieterauswahl und häufig wichtiger als die letzten zehn oder zwanzig Basispunkte bei der Kondition. Daher sollten Kennzahlen wie „Time-to- Yes“ und „Time-to-Credit“ im Sinne der Kundenzentrierung noch stärker als bislang in den Fokus rücken. Weiterhin wird die Erwartungshaltung gewerblicher Kunden zunehmend durch digitale Kundenerlebnisse aus dem privaten Umfeld geprägt: So wecken Preisvergleiche via Check24, 1-Click-Bestellungen à la Amazon oder Online-Ratenkredite mit Sofortzusage auch in der gewerblichen Sphäre Begehrlichkeiten. Von FinTechs lernen Neue Herausforderer aus dem FinTech-Universum wie Lendico, Creditshelf, Compeon oder FinCompare machen hier durchaus vor, wie es gehen kann. Trotzdem fristen sie mit einem Marktanteil am KMU-Neukreditvolumen von 2 Prozent im Jahr 2018 ein Da- 58 01 // 2021

DIGITALISIERUNG sein in der Nische, wie eine Studie der Solarisbank zeigt. Ursächlich dafür sind neben der kurzen Standzeit dieser Angebote nicht zuletzt deren außerhalb der digitalen Bohème nach wie vor geringe Bekanntheit sowie ein generelles Vertrauensdefizit gegenüber Start-ups – insbesondere in Sachen Datenschutz. Gleichzeitig legen die Entscheider in KMU weiterhin viel Wert auf gute Beratung durch einen persönlich bekannten und vertrauten Ansprechpartner. Ein Aspekt, der den Hausbanken mit ihren gewachsenen Kundenbeziehungen in die Karten spielt. Klar ist aber auch: Wer sich auf diesen Pfründen ausruht, wird eher auf kurze, denn auf lange Sicht verlieren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Verzahnung von etablierten und neu zu erarbeitenden Stärken: gute Beratung garniert mit einem zeitgemäßen digitalen Kundenerlebnis und schnellen Kreditentscheidungen. Make or buy: Chancen und Risiken von Kooperationen In punkto digitale Kreditprozesse hat sich die Frage nach dem „Ob“ also mithin erübrigt: Do or die! Dafür drängt die Frage nach dem „Wie“ umso stärker: Make or buy? Gewerbliche Kreditplattformen wie Compeon oder White-Label-Anbieter wie die Solarisbank bieten etablierten Banken hier gerne ihre Unterstützung an. Solche Kooperationen haben Vorteile: 01 // 2021 59

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