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die bank 01 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

#zvzukunft2021 Online-Fachkonferenz Zahlungsverkehr der Zukunft 24. und 25. Februar 2021 SCHWERPUNKT ZAHLUNGSVERKEHR 1 | Geldformen Verbindlichkeit einer Zentralbank Verbindlichkeit eines Privatunternehmens Keine Verbindlichkeit » Bargeld: physische Form für breite Öffentlichkeit » Zentralbankeinlagen: elektronische Form begrenzter Zugang » (Digitales Zentralbankgeld) » Geschäftsbankengeld (Giralgeld) » E-Geld » Einige „Stablecoins“, die auf einer Forderung an einen bestimmbaren Rechtsträger basieren » Bitcoin Quelle: Deutsche Bundesbank. Bericht zum eKrona-Projekt. Das wichtigste Argument für die Riksbank war der stetige Rückgang der Bargeldnutzung, der sich seit der Einführung von Swish (ein Echtzeitzahlungssystem mit zusätzlicher Smartphone- App) ab 2012 nochmals beschleunigt hatte. Allerdings ist Schweden nicht das einzige Land in Europa mit geringer Bargeldnutzung. Dänemark und Norwegen unterscheiden sich in dieser Hinsicht kaum. Aber weder die dänische noch die norwegische Zentralbank ziehen daraus unmittelbar den Schluss, ihre Währung zu digitalisieren. Denn die Giralgeld-basierten digitalisierten Zahlungsformen seien bisher – ein stabiles Finanzsystem vorausgesetzt – den gegenwärtigen Bedürfnissen der Bevölkerung angemessen. 2 Zielgruppe von DZBG Die Emission von digitalem Zentralbankgeld (DZBG) an jedermann wäre ein sehr weitgehender Schritt, denn damit sind die Grundlagen des Zusammenspiels von Zentralbank und Geschäftsbanken bei der Giralgeldschöpfung berührt. Daher diskutieren einige Zentralbanken auch die Beschränkung der Ausgabe von tokenisierter Währung an die Geschäftsbanken, die auch gegenwärtig über Zentralbankgeld in unbarer Form verfügen können. In den Diskussionen um DZBG wird dies als „Wholesale-Variante“ bezeichnet, die z. B. bei der Abwicklung von Finanzmarkttransaktionen zur Anwendung kommen könnte. In dieser Wholesale-Variante würde DZBG nur an den heutigen Kreis von Geschäftsbanken ausgegeben, der in geldpolitische Geschäfte einbezogen ist. Um Wholesale-DZBG darüber hinaus für DLT-basierte Anwendungen in der Wirtschaft nutzen zu können, wäre die Weitergabe an Unternehmen in engen Grenzen denkbar. In diesem Fall wäre allerdings sicherzustellen, dass keine negativen Auswirkungen auf die Geldpolitik erzeugt würden. Ob auf der Grundlage von Wholesale- DZBG eine neue technische Form von Giralgeld entstehen könnte, das nur teilweise von Zentralbankgeld gedeckt wäre und an breitere Nutzerkreise weitergegeben werden könnte, ist offen. DZBG in der Wholesale-Variante hätte in jedem Fall den Vorteil, dass damit die Struktur des zweistufigen Bankensystems nicht grundsätzlich infrage gestellt würde. Mögliche Einführung des digitalen Euro Geht es um den digitalen Euro, so konzentriert sich die Debatte derzeit auf die „Retail“- Variante von DZBG, also die Ausgabe eines digitalen Euro an die breite Öffentlichkeit als Ergänzung zum Bargeldangebot. 3 Dabei werden verschiedene Szenarien ins Feld geführt, die die Einführung eines digitalen Euro notwendig machen könnten. ÿ 2 Ein erstes Szenario skizziert die allgemeine Idee, dass Digitalisierung und Unabhängigkeit in Europa von einem digitalen Euro profitieren könnten. Als zweites Szenario wird ähnlich wie die schwedische Argumentation ein signifikanter Rückgang in der Bargeldnutzung beschrieben, der erfordern könnte, für die Privathaushalte weiterhin den Zugang zu ausfallsicherem Zentralbankgeld sicherzustellen. Drittens geht es um die Notwendigkeit zur Entwicklung einer europäischen Alternative zu privatwirtschaftlich angebotenen Stablecoins oder dem DZBG anderer Zentralbanken. Als vierte mögliche Motivation für die Einführung eines digitalen Euro seien zukünftig auch geldpolitische Gründe denkbar, so ließe sich auf diese Art etwa die Transmission geldpolitischer Impulse verbessern. Ferner werden als mögliche Szenarien Krisensituationen (u. a. Pandemien) genannt, die die Effizienz der bestehenden Zahlungsservices in großem Ausmaß beeinträchtigen könnten, ebenso wie der Wunsch, die internationale Rolle des Euro zu stärken sowie ein proaktiver Beitrag des Eurosystems zu mehr ökonomischer und ökologischer Effizienz des Geldund Finanzsystems. Die Vielfalt der genannten Szenarien zeigt nicht zuletzt die vielen Funktionen, die Zentralbankgeld erfüllt. Allerdings hat die ausschlaggebende Motivation auch Einfluss auf die Ausgestaltung eines digitalen Euro. Auch hier gilt der bekannte Grundsatz: Form follows function. Geht es um einen reinen Bargeldersatz, sollte die praktische Handhabbarkeit durch alle Bevölkerungsgruppen im Vordergrund 38 01 // 2021

SCHWERPUNKT ZAHLUNGSVERKEHR 2 | Digitaler Euro – Mögliche Szenarien für eine Einführung Mit Bezug auf Kernfunktionen einer Zentralbank Weitere Ziele der EU Szenario 1: Szenario 2: Szenario 3: Szenario 4: Szenario 5: Szenario 6: Szenario 7: Digitalisierung der Wirtschaft Bargeldrückgang Alternative Geldformen Geldpolitische Entscheidung Extrem-Ereignisse Internationale Rolle des € Kosten-Reduktion Die Digitalisierung und die Unabhängigkeit der europäischen Wirtschaft können von einer digitalen Form von Zentralbankgeld für die Bevölkerung profitieren. Die Rolle des Bargelds als Zahlungsmittel geht signifikant zurück. Eine Geldform, die nicht: i. Zentralbankgeld, ii. Geschäftsbankengeld oder iii. E-Geld ist, wird zur glaubhaften Alternative als Tauschmittel und möglicherweise auch zur Wertaufbewahrung genutzt. Das Eurosystem könnte zukünftig zu dem Ergebnis kommen, dass die Ausgabe eines digitalen Euros aus geldpolitischer Sicht notwendig oder vorteilhaft ist. Es besteht die Notwendigkeit, die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, dass ein Cyberangriff, eine Naturkatastrophe, eine Pandemie oder andere Extremereignisse die Bereitstellung von Zahlungsdiensten beeinträchtigten. Die internationale Rolle des Euros gewinnt an Bedeutung als Ziel des Eurosystems. Das Eurosystem entscheidet sich dazu, die Minderung der Kosten und des ökologischen Fußabdrucks im Währungssystem und im Zahlungsverkehr proaktiv zu fördern. Quelle: Deutsche Bundesbank. stehen. Soll eine wettbewerbsfähige Alternative zu möglichen von BigTechs angebotenen Stablecoins entstehen, kommt es vor allem auf die reibungslose Integration des digitalen Euros in bestehende Ökosysteme im Internet an. Will man etwas anbieten, das dem Bedarf der Wirtschaft zur direkten Integration in Smart Contracts dienen soll, so geht es vor allem um DLT als technischer Basis für den digitalen Euro. Klar ist, dass der digitale Euro als ausfallsicheres Zentralbankgeld aufgrund seiner Nutzbarkeit im Online- Geschäft einen deutlich weiterreichenden Einsatzradius hat als Bargeld und er daher leicht zu einem bevorzugten Zahlungsmittel werden könnte. So könnte das bisherige Verhältnis zwischen öffentlichem Sektor und Privatsektor im Zahlungsverkehr spürbar zugunsten einer Ausweitung der Rolle der Zentralbanken führen. Damit könnten größere Risiken in der Zentralbankbilanz einhergehen, die entsprechend abgesichert werden müssten. Hinzu kommen Implikationen für andere politische Ziele, etwa für die Umsetzung der Geldpolitik oder für die Finanzstabilität. FAZIT Bisher sind Geschäftsbanken die wichtigsten Anbieter von bargeldlosen Zahlungsdiensten. Es stellt sich die Frage, inwieweit es dem Eurosystem gelingen kann, den digitalen Euro als bloße Ergänzung zu Bargeld und den Giralgeld-basierten bargeldlosen Zahlungsdiensten einzuführen, wie es vielfach als Absicht bekundet wird, oder ob zu erwarten ist, dass mit dem digitalen Euro ein ganz neues Zahlungssystem entstehen könnte, das in seiner Basisvariante kostenlos angeboten werden soll, und damit in direkter Konkurrenz zu den bisherigen Zahlungsdiensten stehen würde. Insofern befindet sich das Eurosystem vor der Herausforderung, die richtige Balance zu finden, wenn es sich im Laufe dieses Jahres für die Projektvorbereitung zur Einführung eines digitalen Euros entscheiden sollte. Zum einen muss der digitale Euro attraktiv für die Nutzung sein, zum anderen darf er nicht so attraktiv werden, dass es zu einem Crowding-out der privatwirtschaftlichen Intermediäre kommt. Dazu wird der offene Dialog mit der Zahlungsverkehrsindustrie von entscheidender Bedeutung sein. Autoren Sowohl Dr. Martin Diehl (Foto links) als auch Dr. Heike Winter (Foto rechts) beschäftigen sich in der Deutschen Bundesbank im Bereich Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme mit dem Thema Digitales Zentralbankgeld. 1 https://www.bundesbank.de/resource/blob/855080/941264701eb3f1a67ef6815831c9e40a/mL/2020-12-21-programmierbare-zahlung-anlage-data.pdf. 2 https://www.nationalbanken.dk/en/publications/Documents/2017/12/Analysis%20-%20Central%20bank%20digital%20currency%20in%20Denmark. pdf#search=cbdc; https://www.norges-bank.no/en/news-events/news-publications/Speeches/2020/2020-11-05-bache/. 3 Report on a digital Euro, EZB, Oktober 2020. 01 // 2021 39

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