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die bank 01 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT 1 | Prozess-

MANAGEMENT 1 | Prozess- und Produktoptimierung entlang des gesamten Lebenszyklus und der Wertschöpfungskette Prozess- und Produktoptimierung Rohstoffabbau Rohstoffaufbereitung Herstellung der Vorprodukte Produktionsphase Nutzungsphase Lebensende Ressourcenbedarf – Primärenergiebedarf – CO 2 -Fussabdruck – Treibhauspotenzial – ... » Massen- und Energiebilanzen » Ökobilanzen nach ISO14040 und ISO14044 » Belastbare Ergebnisse und Entscheidungsunterstützung Z ECB Banking Supervision’s Approach to Climate Risks (17.06.2020). Die EZB verweist hierin auf die Parallelität mit der Covid-19 Pandemie. Der volkswirtschaftliche Schock kam massiv und unerwartet. Er macht deutlich, wie wichtig ein widerstandsfähiges funktionierendes Bankensystem in einer von Unsicherheit geprägten Welt ist. Die gesamte Welt sollte sich mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen und sich vorbereiten, das Finanzsystem eingeschlossen. Denn dass es hier zu Veränderungen kommt, steht mittlerweile außer Frage. Rund 15 Prozent der signifikanten Kreditausreichungen der Institute betreffen besonders CO2-intensive Firmenkunden, und der abrupte Umbau zu einer „Low-Carbon-Wirtschaft“ würde massive Konsequenzen für klimasensitive Wirtschaftsbereiche haben. Dies würde zu Verlusten im Bankensystem führen, die um bis zu 60 Prozent höher ausfielen als Verluste bei einem milderen Basisszenario. Ein Stresstest zu den Transitionsrisiken, der in den Niederlanden durchgeführt wurde, ergab ein Abschmelzen der Kernkapitalquote (CET1) um rund 4 Prozent. Schließlich fordert die EZB dazu auf, jetzt sehr viel stärker in mehrperiodischen Szenarien zu denken. Sie kehrt dabei bewusst vor der eigenen Tür. Denn wie das Risikomanage- ment der Banken schaut auch die Aufsicht zumeist nur auf einen Planungshorizont von einem Jahr. Zudem gilt es der EZB zufolge, Klimarisiken in den Kreditzins einzupreisen. Der Bund als Wertpapier-Emittent folgt Die Finanzagentur des Bundes plant ab September 2020 erstmals die Emission grüner Bundeswertpapiere mit einem Volumen zwischen 8 und 12 Mrd. Euro. Der Plan, grüne Anleihen zu begeben, ist zwar nicht neu, die Schnelligkeit in der Umsetzung und das Volumen dahinter jedoch schon. Der Vergleich zu einer konventionellen Emission wird dann aufzeigen, auf wie viel Rendite die Käufer bereit sind zu verzichten, wenn der Bund sich verpflichtet, die eingesammelten Gelder für nachhaltige Zwecke zu verwenden. Aktuell wird von 1 bis 2 Basispunkten ausgegangen, die hochgerechnet auf das Volumen und die Laufzeit der Anleihe zu einer Ersparnis an Zinszahlungen in Millionenhöhe durch den Bund führen. Die Einsparung an Finanzierungskosten ist auch für andere Emittenten und Fremdkapitalnehmer relevant: Es besteht ein unmittelbarer Anreiz, einen nachhaltigeren Ansatz zu verfolgen, da die Zinslasten sinken. Die EU-Taxonomie ist verabschiedet Bei der Deklarierung einer Kreditvergabeentscheidung oder einer Wertpapier-Emission mit dem Etikett „grün“ kommt es entscheidend darauf an, welche objektiven Kriterien gelten sollen. Die am 22. Juni 2020 rechtswirksam verabschiedete EU-Taxonomie ist dabei als erster Meilenstein anzusehen. Weitere Schritte sind nun die Erarbeitung und Festlegung technischer Evaluierungskriterien, um konkret entscheiden zu können, ob eine Wirtschaftstätigkeit konform zu den Umweltzielen ist oder nicht. Klimaschutz-Selbstverpflichtung des Finanzsektors Ergänzend zu den skizzierten politisch getriebenen Ansätzen reagierte der deutsche Finanzsektor von sich aus mit einer eigenen Initiative. Am 30. Juni 2020 unterschrieben 16 Akteure (darunter u. a. Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, LBBW und GLS-Bank) eine Selbstverpflichtung, dass sie ihre Kredit- und Investitionsportfolien zukünftig konform zu den Pariser Klimaschutzzielen gestalten wollen. Sie möchten die Investitionen, die für die Transformation in eine nachhaltige Ökonomie nötig sind, aktiv finanzieren. Um die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf das Klima messen zu können, kündigen diese Institute an, die entsprechenden Kriterien und Modelle innerhalb der kommenden Jahre zu entwickeln. Von ihrem Engagement erwarten sich die Banken eine Reduktion ih- 20 01 // 2021

MANAGEMENT Risikoquantifizierung mithilfe des Cashflow-at-Risk Die Ökobilanz eines Gebäudes kann neben der Umweltbewertung die Funktion eines Planungsinstruments zur Risikobeherrschung sehr gut unterstützen. Der Rahmen für eine ökologische Bewertung von Gebäuden ist bereits verfügbar, die konsequente Verknüpfung mit Kennzahlen zu ökonomischen Implikationen sowie die Überführung in eine zukunftsweisende Bewertung des Investitionsobjekts ist jedoch noch ein anderes aktuelles Forschungsgebiet, mit dem sich das Autorenteam auseinandersetzt. Die Cashflow-Ermittlung und darauf basierend die Bewertung des Investitionsobjekts nach der Investitionsrechnung, wie z. B. der Kapitalwertmethode oder dem (vollständigen) Finanzplan, müssen ebenfalls über den gesamten Lebenszyklus hinweg erfolgen. Bei der Immobilie sind dies die Phasen des Gebäudelebenszyklus nach DIN EN 15804. Die Cashflow-Ermittlung beruht dabei auf einer Planungsrechnung, die mit einer Risikoabschätzung versehen wird 1 , vgl. dazu beispielhaft und vereinfachend auch die Abbildung ÿ 2. Die Risikoquantifizierung kann mithilfe des Cashflow-at-Risk-Modells erfolgen. Dabei werden die einzelnen Risikotreiber bestimmt, die den Cashflow vom Erwartungswert abweichen lassen können. Durch Simulation der einzelnen Risikofaktoren entsteht eine diskrete Verteilung aller möglichen Cashflow-Werte innerhalb des Planungshorizonts. Bestimmt man auf dieser Verteilung die Quantilswerte analog zum Value-at-Risk-Ansatz, so können mit dem Cashflow-at-Risk das Risiko quantirer Nachhaltigkeits- und Kreditrisiken, da die von ihnen finanzierten nachhaltigen Unternehmen in Zukunft resilienter sein werden als die „grauen“ Unternehmen. Konsequenzen für die ökonomische Bewertung Diese aktuellen Entwicklungen belegen die stürmische Entwicklung im Bereich Sustainable Finance. Trotz der Covid-19-Pandemie wird grundsätzlich am ursprünglichen Fahrplan festgehalten. Von rechtlicher Seite wird dies helfen, die Informationsasymmetrie zwischen Kapitelgebern und -nehmern abzubauen und die nötige Rechtssicherheit zu schaffen. Welche Konsequenzen aber hat die Nachhaltigkeit auf die ökonomische Bewertung von Investitionsobjekten? Bereits an dieser Stelle ist klar, dass konventionelle Verfahren der Investitionsrechnung nicht ausreichen, um alle Aspekte der Nachhaltigkeit vollumfänglich zu bewerten. Dies betrifft damit nicht nur die Kreditvergabeentscheidungen der Banken und insbesondere die Bewertung von Sicherheiten, z. B. Immobilien im Zuge der Kreditvergabe, sondern allgemein sämtliche zu bewertenden Investitionsobjekte, wie Fertigungsanlagen oder Unternehmen. Bezieht man Nachhaltigkeitsfaktoren nicht in die Investitionsbewertung ein, so kommt es zu einer systematischen Fehlbewertung der Ausfallwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers und der Marktpreise von Sicherheiten. Im Immobiliemarkt etwa sind bereits heute Fehlbewertungen zu konstatieren. Eine umfassende und korrekte Bewertung setzt die Transformation der ökologischen Kennzahlen in monetäre Größen voraus: Die Bonitätsbeurteilung und die Bewertung von Investitionsobjekten verbessern sich dadurch markant. Zu realisieren ist dieser Anspruch nur durch interdisziplinäres Agieren, wie auch der Autorenmix dieses Artikels andeutet. Dies wird in den nächsten Abschnitten am Beispiel der Immobilienbewertung deutlich. Ohne Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsfaktoren droht systematische Fehlbewertung Werden verschiedene Alternativen unter ökologisch-ökonomischen Aspekten verglichen, kommt es stets auf eine stringente Bewertung über den gesamten Lebenszyklus hinweg an, wie auch das Life-Cycle-Konzept in Abbildung ÿ 1 illustriert. Soll eine umfassende Bewertung von Immobilien – über ihren gesamten Lebenszyklus von der Rohstoffgewinnung, Produktion und Nutzung bis zum Lebensende – durchgeführt werden, so stellt sich unmittelbar die Frage nach welchen Aspekten diese ganzheitliche Beurteilung vorzunehmen ist. Dabei ist zu klären, welche ökologischen Ziele verfolgt werden, z. B. in Bezug auf die Reduzierung des CO2- und Wasser-Fußabdrucks sowie des Energiebedarfs. Die Quantifizierung der Umweltwirkungen eines Gebäudes erfolgt üblicherweise mit der Methode der Ökobilanz , die sich mit dem ökologischen Teil der Nachhaltigkeitsbewertung auseinandersetzt. Sie bewertet, welche Wirkungen die hergestellten Produkte auf die Umwelt haben. Neben dem Beitrag zum Klimawandel können weitere relevante Umweltproblemfelder adressiert werden, wie der Wasserbedarf als Wasser-Fußabdruck, der saure Regen als Ursache für die Versauerung von Böden und Waldsterben, die Bildung von Sommersmog durch bodennahes Ozon (Photochemisches Oxidantienbildungspotenzial) oder die Überdüngung von Gewässern (Eutrophierungspotenzial). Für produzierende Unternehmen spielt die Ökobilanz als Grundlage für politische Entscheidungsprozesse oder für das Marketing eine zunehmend größere Rolle, die wichtige quantitative und transparente Informationen liefert. Hinzu kommt, dass in einigen Branchen und Ländern (z. B. in Schweden oder Frankreich) bereits obligatorische Vorgaben für Umweltkennzahlen ausschreibungsrelevant in öffentlichen Vergabeverfahren sind. Neben der Anwendung etablierter und genormter Methoden werden aktiv neue methodische Ansätze zur Abbildung und Bewertung von Nachhaltigkeit entwickelt. Verstärkt rücken dabei auch die 17 Nachhaltigskeitsziele der UN (Sustainable Development Goals, SDG) in den Fokus. 01 // 2021 21

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