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die bank 01 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT 1 | Performance

MARKT 1 | Performance nachhaltiger Aktienfonds und Mischfonds Fonds Nachhaltiger, aktiv gemanagter Fonds Konventioneller, aktiv gemanagter Fonds Index (passiv gemanagt) Aktienfonds Ökoworld Ökovision Classic Templeton Growth Euro Fund MSCI All Country World Index Sharpe Ratio 1 Jahr 2,25 2,79 1,96 Sharpe Ratio 3 Jahre 0,91 0,68 1,12 Sharpe Ratio 5 Jahre 1,08 1,05 1,15 Mischfonds Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit Allianz Flexi Rentenfonds 70 % JP Morgan EMU, 30% MSCI Europe Sharpe Ratio 1 Jahr 0,72 0,97 1,15 Sharpe Ratio 3 Jahre 0,45 0,88 0,86 Sharpe Ratio 5 Jahre 0,71 1,19 1,15 Quelle: Sharpe Ratios aus Bloomberg im April 2017, eigene Darstellung. flechtungen internationaler Konzerne als äußerst schwierig. Bei der Positivselektion sollen die Investments, die im Hinblick auf ausgewählte Nachhaltigkeitskriterien überdurchschnittlich gute Ergebnisse vorweisen können, identifiziert werden, bspw. hinsichtlich Managemententscheidungen oder Unternehmenskultur. Hier wird häufig der Best-in-Class-Ansatz angewendet: Dabei versucht der Fondsmanager, die Emittenten in seinem Anlageuniversum herauszufiltern, die innerhalb ihrer jeweiligen Branche bestimmte Nachhaltigkeitsaspekte überdurchschnittlich gut erfüllen. Das kann bei Unternehmen aus allen Wirtschaftssektoren einen Anreiz hin zu einer stärkeren Einbeziehung ethischer, ökologischer und sozialer Kriterien sowie zu einer Steigerung ihrer Nachhaltigkeit schaffen. Aus dem erhöhten Nachhaltigkeitswettbewerb zwischen den einzelnen Unternehmen soll wiederum ein positiver Effekt auf die gesamte Volkswirtschaft resultieren und so eine nachhaltige Entwicklung im Allgemeinen gefördert werden. Eine weitere Ausprägung der positiven Selektion stellen nachhaltige Themenfonds dar. Bei diesen nachhaltigen Themenfonds ist nicht die Nachhaltigkeit des jeweiligen Unternehmens maßgeblich, sondern vielmehr die Frage, ob das Unternehmen in einer als nachhaltig bewerteten Branche (z. B. Umweltschutz oder Recycling) angesiedelt ist. Bei derartigen Fonds sind allerdings die oben erläuterten Klumpenrisiken besonders hoch. Kundensegmente für nachhaltige Investmentfonds Der Anteil privater Investoren am Gesamtmarkt nachhaltiger Anlagen in Deutschland betrug im Jahr 2015 gemessen am Volumen ihrer Investments 15 Prozent. 1 Die verbleibenden 85 Prozent entfielen auf institutionelle Investoren, hier vor allem öffentliche Pensionsfonds, kirchliche Institutionen und Stiftungen. Im Hinblick auf sozio-demografische Eigenschaften dieser Privatkunden lassen sich zwei Typen unterscheiden 2 : Erstens die „Sozial-Ökologischen“ mit sehr hohen Anforderungen an die Themenfelder Nachhaltigkeit, Fairness und Transparenz. Sie sind typischerweise weiblich, haben ein leicht unterdurchschnittliches Einkommen und leben in einem urbanen Umfeld. Dieser Zielgruppe gehören ca. drei Millionen Menschen an, was einem Anteil von nahezu vier Prozent der deutschen Bevölkerung über 16 Jahren entspricht. Und zweitens die „Moderaten“ mit immer noch sehr ausgeprägtem Bewusstsein für nachhaltige Fragestellungen. Sie sind i. d. R. hoch gebildet und beziehen überdurchschnittliches Einkommen. Ihre Gruppe umfasst in Deutschland ungefähr 13,2 Millionen Menschen und damit einen Bevölkerungsanteil von ca. 19 Prozent. Mit derartigen Informationen kann eine Geschäftsbank entscheiden, ob in ihrem Kundenstamm Potenzial für nachhaltige Anlageprodukte vorhanden ist oder ob mit einem solchen Produkt neue Kundensegmente erschlossen werden könnten. Die nachhaltigen Kapitalanlagen umfassten in Deutschland Ende 2015 insgesamt 1,8 Bio. €. Dies entspricht einem Weltmarktanteil von 8,5 Prozent. Das Anlagevolumen in nachhaltigen Fonds ist in Deutschland mit nur 0,9 Prozent vom gesamten Fondsvolumen ein Nischenprodukt. Performance Nachhaltiger Investmentfonds Das wesentliche Ziel einer Geldanlage besteht darin, Konsummöglichkeiten von der Gegenwart in die Zukunft zu verschieben. Bei nach- 14 01 // 2018

MARKT haltigen Anlagen tritt die Absicht, zusätzlich zur Renditeerzielung eine gesellschaftliche Veränderung zu fördern, lediglich hinzu. Aus diesem Grund ist für Anleger die Performance von nachhaltigen Investmentfonds von zentraler Bedeutung. Bei der Performancemessung werden Rendite und Risiko zueinander in Beziehung gesetzt; Rendite oder Risiko können nicht isoliert betrachtet werden. Ein klassisches Performancemaß ist die Sharpe Ratio: E(R p )-R f R p ) Bei dieser Kennzahl wird die Überrendite des Portfolios im Vergleich zur risikolosen Anlage durch die Volatilität der Portfoliorendite dividiert. Diese Schwankung beinhaltet das Gesamtrisiko (systematisch und unsystematisch). Je höher die Sharpe Ratio ausfällt, umso attraktiver ist die Geldanlage aus Anlegersicht. Das Portfolio ist hier der Investmentfonds bzw. der Index als Benchmark. Zur Beurteilung der Performance von einem nachhaltigen Aktienfonds und einem nachhaltigen Mischfonds werden jeweils zwei Benchmarks herangezogen: ein ebenfalls aktiv gemanagter Aktien- bzw. Mischfonds sowie jeweils ein vergleichbar konstruierter passiv gemanagter Index. ÿ 1 stellt die empirischen Ergebnisse übersichtlich dar, wobei die Werte der Sharpe Ratio im April 2017 von Bloomberg übernommen wurden. Der Performancevergleich erfolgt innerhalb einer Zeile. So ist beispielsweise aus der dritten Zeile der Tabelle ersichtlich, dass der Templeton Growth Euro Fund in einem Ein- Jahres-Zeitraum ein günstigeres Rendite-Risiko-Verhältnis aufweist als der nachhaltige Fonds oder der passiv gemanagte Index. Diese Betrachtung bezieht allerdings den Ausgabeaufschlag nicht mit ein. Würde man diesen berücksichtigen, würden die Ergebnisse für die aktiv gemanagten Fonds ungünstiger ausfallen. In der Tabelle fällt auf, dass der nachhaltige Mischfonds bei jeder Laufzeit das ungünstigste Rendite-Risiko-Verhältnis aufweist. Ein Anleger könnte daher ebenso in einen konventionellen Fonds investieren und das dort darüber hinaus verdiente Geld für einen wohltätigen Zweck spenden. Der nachhaltige Aktienfonds liegt jeweils an zweiter Stelle. Aktive und passiv gemanagte Anlagen schneiden jeweils gleich häufig am besten ab. Unter Einbeziehung der Kosten einer aktiv gemanagten Geldanlage ist Privatanlegern immer zur passiven Anlage zu raten. Auf einem effizienten Kapitalmarkt kann professionelles Fondsmanagement nicht in der Lage sein, dauerhaft Überrenditen zu erzielen. Tatsächlich erwirtschaften aktiv gemanagte Fonds oftmals nicht einmal die Gebühren, die sie den Anlegern in Rechnung stellen. 3 Unsere Ergebnisse sind damit konsistent. Dass die nachhaltige Geldanlage hier vergleichsweise schlecht abschneidet, könnte auch am aktiven Fondsmanagement liegen und muss nicht zwingend auf die ökologischen oder ethischen Aspekte bei der Auswahl der Fondsbestandteile zurückzuführen sein. Die Erkenntnis, dass die nachhaltige Anlagestrategie nicht zwingend zu Performancenachteilen führt, wird durch Kleine et al. 4 gestützt. FAZIT Mit zunehmendem gesellschaftlichem h Bewusstsein für Nachhaltigkeit steigt auch das Interesse an nachhaltigen Investmentfonds. Grundsätzlich ist Privatanlegern jedoch von aktiv gemanagten Fonds abzuraten, da aktives Fondsmanagement teuer ist und auf einem effizienten Kapitalmarkt nicht dauerhaft Überrenditen erzielt werden können. Die empirischen Ergebnisse legen nahe, dass Privatkunden passiv gemanagte Fonds zu empfehlen sind. Sicher könnten diese auch nachhaltige Anlagen enthalten. Aus Anbietersicht sollte auch im Hinblick auf Regulierungsanforderungen erwogen werden, das aktiv gemanagte nachhaltige Nischenprodukt ausschließlich institutionellen Anlegern sowie vermögenden Privatkunden zu verkaufen. Im breiten Privatkundengeschäft sollte stattdessen ein passiv gemanagtes nachhaltiges Fondsprodukt angeboten werden (bspw. Exchange Traded Fund). Autoren: Prof. Dr. Christiane Goodfellow und Phil Jentzsch. 1 Vgl. „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2016“, Forum nachhaltige Geldanlagen e.V. 2 zeb (2012), Social Banking Study 2012. 3 Vgl. Malkiel, Burton (1995), Returns from investing in equity mutual funds 1971-1991, Journal of Finance 50(2). Christiane Goodfellow, Dirk Schiereck und Steffen Wippler (2013), Are behavioural finance equity funds a superior investment? A note on fund performance and market efficiency, Journal of Asset Management 14 (2). 4 Kleine, Jens, Matthias Krautbauer und Tim Weller (2013), Nachhaltige Investments aus dem Blick der Wissenschaft: Leistungsversprechen und Realität. Analysebericht. 01 // 2018 15

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