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die bank 01 // 2017

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG Ein

DIGITALISIERUNG Ein Beispiel für die Nutzung von Etherum ist Digix, ein Dienst, der den Goldhandel vereinfachen möchte. Digix lagert Gold in einem Tresor in Singapur. Für jedes Gramm Gold wird ein Token in der Ethereum-Blockchain registriert. Anteile an diesem Gold können grammweise gekauft und mit Bitcoin oder Ether bezahlt werden. Mithilfe der Tokens können die Besitzrechte am Gold in Sekundenschnelle weltweit übertragen werden. Digix kooperiert mit Börsen für Kryptowährungen, die Gold-Tokens können hier in alle angebotenen Währungen umgetauscht werden. Ein physikalischer Transport des Goldes entfällt. Die verwendeten Tokens sind flexibler und leichter konvertierbar als z. B. von Banken herausgegebene Goldzertifikate. Weiterentwicklungen der Bitcoin-Blockchain Die Bitcoin-Blockchain wurde mit dem Ziel konzipiert, eine dezentrale virtuelle Währung einzuführen. Es folgten einige Varianten, die ebenfalls das Ziel hatten, alternative Währungen zu kreieren. Diese erste Generation wird auch Blockchain 1.0 genannt. Prinzipiell eignen sich Blockchains aber zum Übertragen von Werten jeglicher Art. So wurde im Rahmen des Ethereum-Projekts eine Blockchain entwickelt, die es ermöglicht, Verträge zu digitalisieren und einzelne Klauseln automatisch auszuführen. Teil der Blockchain ist eine umfangreiche Skriptsprache, die eine verzögerte Auszahlung unter bestimmten Bedingungen ermöglicht. Diese Verträge, sogenannte Smart Contracts, werden in der Blockchain festgeschrieben. Anschließend wird fortlaufend geprüft, ob die vereinbarten Vertragsklauseln eingetreten sind. Ein einfaches Anwendungsbeispiel ist eine zeitversetzte Überweisung, z. B. für Gehaltszahlungen. Grundsätzlich sind aber auch selbstausführende Versicherungspolicen oder Smart Bonds denkbar, bei denen die Auszahlung des Coupons automatisch erfolgt. Im Gegensatz zur Bitcoin-Blockchain wird durchschnittlich alle 15 Sekunden ein neuer Block erzeugt. Alle Miner bilden eine verteilte virtuelle Maschine. Smart Contracts sind einfache Programme, die in dieser Infrastruktur ausgeführt werden und permanent prüfen, ob die programmierten Vertragsklauseln eingetroffen sind. Die zugrunde liegende Währung, Ether, hat den Zweck, die Miner für die Ausführung des Vertrags zu bezahlen. Die Höhe der Ausführungsgebühr hängt von der Komplexität ab. Je mehr Rechenleistung benötigt wird, desto höher sind die Gebühren. Private und Permissioned Blockchains Einige der Blockchain-typischen Eigenschaften erscheinen im Bankenumfeld eher ungewöhnlich. In der Regel möchte man hier eine gewisse zentralisierte Struktur bewahren – nicht zuletzt, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Auch die Verwendung einer neuen digitalen Währung als Anreiz zum Betrieb einer Blockchain mag im Interbankenumfeld überflüssig erscheinen. Die existierenden, zumeist öffentlichen, Blockchains eignen sich nicht für jeden Einsatz. Um private oder permissioned Blockchains zu entwickeln, existieren bereits generische Frameworks, mit denen individuelle Blockchains erstellt werden können. Beispiele für solche Enterprise Blockchains sind Rubix von Deloitte und Hyperledger, initiiert von einem branchenübergreifendem Konsortium einer Vielzahl führender Unternehmen. Solche Blockchains können privat innerhalb eines Unternehmensnetzwerkes betrieben werden oder semi-öffentlich als Permissioned Blockchain, was eine vorherige Authentifizierung der Teilnehmer voraussetzt. Diese Frameworks vereinfachen die Entwicklung einer maßgeschneiderten Blockchain, die Hardware-Infrastruktur für das Mining der Blockchain muss allerdings separat aufgesetzt werden. Anknüpfungspunkte im Bankenumfeld Die Einsatzmöglichkeiten von Blockchains im Bankenumfeld sind sehr vielfältig. Die Blockchain als eine Komponente, die nie etwas vergisst, inspiriert zu visionären Gedankenspielen. Ein Beispiel ist die dreifache Buchführung. Die dreifache Buchführung ist eine Erweiterung der doppelten Buchführung, bei der Buchungen zusätzlich in einer Blockchain erfasst werden. Dadurch wären sie vor nachträglichen Manipulationen geschützt. Bilanzskandale wie bei Enron wären dann nicht mehr ohne weiteres möglich, Unternehmen wären deutlich transparenter. R3 CEV ist ein Konsortium, in dem sich Banken zusammengeschlossen haben, um aus der Blockchain-Technologie Branchenlösungen und Standards abzuleiten. Die erste vorgestellte Plattform ist Corda, mit deren Hilfe Verträge zwischen Banken geschlossen werden können. Austausch und Speicherung werden standardisiert und können über Schnittstellen in weiteren Applikationen verwendet werden. 58 01 // 2017

DIGITALISIERUNG Die Vision ist, ein einzelnes System zu schaffen, in dem alle Vereinbarungen abgelegt werden und so Transparenz über alle eingegangenen Verpflichtungen sowohl für die Bank als auch für Regulierungsbehörden zu gewährleistet. Corda ist von Blockchains inspiriert, jedoch wurden einige der eingangs genannten Eigenschaften einer Blockchain modifiziert. So werden Vereinbarungen nicht dezentral bei allen teilnehmenden Instituten gespeichert, sondern nur bei den jeweils beteiligten Vertragsparteien. Nur für die regulatorische Überwachung konzipierte Supernodes erhalten Einblick auf alle geschlossenen Vereinbarungen. Auf die Verwendung einer Kryptowährung als Treibstoff für den Betrieb der Plattform wurde ebenfalls verzichtet. So betonen die Entwickler selbst, dass Corda keine Blockchain ist. Kryptowährungen werden Transaktionsmedien Ripple ist ein dezentrales Zahlungsnetzwerk für die Abwicklung von internationalen Zahlungen. Die gleichnamige Kryptowährung wird als Transaktionsmedium verwendet. Globale Zahlungen können hier extrem schnell innerhalb von wenigen Sekunden abgewickelt werden. Das Netzwerk ist prinzipiell offen. Allerdings müssen sich Teilnehmer untereinander vertrauen, um Transaktionen durchzuführen. Gibt es keine direkte Vertrauensbeziehung zwischen zwei Teilnehmern, versucht das Netzwerk einen Pfad über vertraute Personen zu finden, sodass die Transaktion durchgeführt werden kann. Dieses Vertrauen ist notwendig, da Ripple selbst kein Settlement garantieren kann. Es obliegt den Teilnehmern, ihre individuellen Vereinbarungen zu erfüllen. Eine wichtige Rolle nehmen Liquiditätsprovider ein. Das sind Teilnehmer, die eine Konvertierung von Ripple in Fiat-Währungen vornehmen und so das Netzwerk mit Liquidität versorgen. Die dafür anfallenden Gebühren können die Teilnehmer selbst bestimmen. Mit Ripple ist es z. B. möglich, eine in Yen notierte Forderung mit US-$ zu erfüllen. Das Netzwerk sucht dafür automatisch die Route mit den niedrigsten Gebühren. Ripple stellt ein Protokoll zur Verfügung, durch das die Zahlungsfunktion leicht in externe Applikationen eingebunden werden kann. Das verwendete Konsensverfahren basiert auf Vertrauen, deswegen basiert Ripple ebenfalls nicht auf einer klassischen Blockchain. In einer zukünftigen Ausbaustufe soll Ripple zusätzlich als Devisenmarkt fungieren. SETLcoin wurde von Goldman Sachs entwickelt und hält ein Patent für Cryptographic Currency For Securities Settlement. Die Idee ist es, ähnlich wie bei Ripple, Settlements im Interbankenhandel zu beschleunigen und so das systemische Risiko eines Zahlungsausfalls zu reduzieren. SETLcoins sind programmierbar und können z. B. über das Netzwerk stellvertretend für eine bestimmte Anzahl von Aktien gehandelt werden. Das ist nicht nur schneller, es entfallen auch Gebühren von Börsen und Maklern. SETLcoin wurde für sehr hohe Transaktionsvolumina konzipiert: Es können bis zu 1 Mrd. Transaktionen pro Tag abgewickelt werden. Dies ist theoretisch ausreichend, um alle globalen elektronischen Transaktionen einschließlich der Kreditkartenumsätze abwickeln zu können. Möglich wird dies durch einen Parallelbetrieb mehrerer Blockchains, die untereinander kommunizieren. Keine Alternative, um Altsysteme zu ersetzen Es ist darüber hinaus wichtig zu erkennen, dass Blockchains keine günstige Alternative sind, um veraltete Infrastrukturen zu ersetzen oder hohe Kosten einzelner Systemkomponenten zu reduzieren. Blockchains sind im Vergleich zu klassischen IT-Lösungen teuer. Die auf Redundanz aufbauende Sicherheit ist per se ineffizient. Die Kosten für den Aufbau und Betrieb der Infrastruktur sind höher als in einem zentralisierten System, in dem sich die Teilnehmer untereinander vertrauen. Vertrauen sich Akteure bereits, ist es nicht notwendig zusätzlich für dezentralisiertes Vertrauen zu bezahlen. FAZIT Blockchains haben das Potenzial, den Zahlungsverkehr, die Bankenbranche und die etablierten Geschäftsmodelle grundlegend zu verändern. Sie liefern ein technologisches Framework, um einzelne Prozesse dezentral zu organisieren und global zu etablieren. Gleichzeitig wurden Blockchains entwickelt, um dritte Parteien wie Banken überflüssig zu machen. Eine öffentliche Blockchain gefährdet einen elementaren Baustein des Geschäftsmodells einer Bank: das exklusive Recht, Transaktionen auszuführen und damit Geld zu verdienen. Regulatorische Vorgaben bilden allerdings hohe Markteintrittsbarrieren für neue Marktteilnehmer. Gleichwohl hätte ein Verbot keine Konsequenz, denn es existiert kein zentraler Dienst, der abgeschaltet werden könnte. Ähnlich wie bei Peer-to-Peer-Filesharing wäre die konkrete Strafverfolgung auf Zufallstreffer beschränkt. Blockchains werden deshalb bleiben. Und sie werden ein Teil der Finanzbranche. Autor: Sebastian Seitz ist Cofounder der Bitalo AG, einer internationalen Holding für Bitcoin gestützte Dienstleistungsunternehmen, sowie Geschäftsführer der 4sxs Consulting GmbH. Quellenangaben: Brown, Richard (2016): Introducing R3 Corda: A Distributed Ledger Designed for Financial Services, http://r3cev. com/blog/2016/4/4/introducing-r3-corda-a-distributed-ledger-designed-for-financial-services (Abruf: 10.06.2016). Nakamoto, Satoshi (2008): Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System, https://bitcoin.org/bitcoin.pdf (Abruf: 01.06.2016). Nakamoto, Satoshi (2009): Bitcoin open source implementation of P2P currency, http://p2pfoundation.ning.com/ forum/topics/bitcoin-open-source (Abruf: 01.06.2016). Rowley, Jason (2015): The Bitcoin Network is 11000x Faster than the Top 500 Supercomputers Combined, http://jasondrowley.com/2015/12/04/the-bitcoin-network-is-11000x-faster-than-the-top-500-supercomputers-combined/ (Abruf: 05.06.2016). 01 // 2017 59

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