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die bank 01 // 2017

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT

MARKT KREDITRISIKOMANAGEMENT Anatomie der Überschuldung Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland ist 2016 zum dritten Mal in Folge, und deutlicher als erwartet, angestiegen. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform misst für die gesamte Bundesrepublik eine Überschuldungsquote von mehr als 10 Prozent. Damit sind rund 6,8 Mio. Bürger über 18 Jahre überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Das Kreditrisiko steigt in der Folge deutlich an. Der Welt-Suizidpräventionsbericht der World Health Organization (WHO) sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen Geldproblemen und Suizid. 20 01 // 2017

MARKT 1 | Schuldner und Schuldnerquoten Überschuldung in Deutschland 2006 bis 2016: 7,19 7,34 10,68 10,85 6,87 6,19 6,49 6,41 6,59 6,58 6,67 6,72 6,85 10,11 9,90 9,92 10,06 9,81 9,65 9,50 9,38 9,09 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 überschuldete Personen in Millionen Überschuldungsquoten in Prozent Quelle: Creditreform/Boniversum/microm. Atlas/2016/02. Die Überschuldungssituation der Verbraucher in Deutschland hat sich in den letzten zwölf Monaten weiter verschlechtert. Zwar zeigte sich die konjunkturelle Lage in Deutschland trotz des globalen Krisenmodus und einer temporären Zunahme des Rezessionsrisikos zuletzt erfreulich stabil, positive Impulse im Hinblick auf die Schuldnerquoten lassen sich jedoch nicht erkennen. Im Gegenteil: Nachdem die Überschuldung innerhalb der letzten zehn Jahre unmittelbare nach der Finanzkrise 2008 und 2009 stark gefallen war, baut sie sich seit 2012 kontinuierlich wieder auf ÿ 1. Trotz des Bevölkerungswachstums kommt es auch zu einem Zuwachs bei der Schuldnerquote – binnen Jahresfrist von 9,92 Prozent auf 10,06 Prozent. Die Flüchtlingskrise kann hierfür nicht als Erklärung herangezogen werden. Die von Creditreform ausgewerteten Daten lassen jedenfalls keinen Rückschluss darauf zu, dass der Anstieg der Überschuldungszahlen mit der Zunahme von Flüchtlingen in Verbindung steht. Zwar befindet sich laut Statistischem Bundesamt die Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf Rekordniveau und spiegelt sich im deutlichen Anstieg der Gesamtbevölkerung ein außergewöhnlich hoher Anteil ausländischer Zuwanderer wider, doch sind die Gründe für die aktuelle Entwicklung vielfältiger und auch vor dem Hintergrund meist zeitversetzter Wirkungsketten zu interpretieren. So nahmen die Überschuldungszahlen im Verlauf der letzten zwölf Monate trotz meist durchgehend positiver Konjunkturlage kontinuierlich zu. Außerdem beruht der aktuelle Anstieg der Überschuldungsfälle wiederum ausschließlich auf einer Zunahme der Fälle mit hoher Überschuldungsintensität, während die Zahl der Fälle mit geringer Überschuldungsintensität erneut zurückging (siehe Infokasten). Offensichtlich sind viele überschuldete Personen, die zunächst oft auch durch Konsumverschuldung verursachte » Die Flüchtlingskrise kann nicht als Erklärung für einen Zuwachs der Schuldnerquote herangezogen werden. « nachhaltige Zahlungsstörungen aufwiesen, in eine anhaltende Überschuldungskrise geraten. Zudem zeigt sich, dass auch das Phänomen Altersüberschuldung weiter an Bedeutung gewonnen hat. Hingegen hat die Zahl junger überschuldeter Verbraucher wiederum spürbar abgenommen. Perspektivisch ist daher laut Creditreform davon auszugehen, dass die Überschuldungszahlen in Deutschland auch in der näheren Zukunft weiter steigen werden. Für viele Verbraucher ist die Überschuldungsampel mittlerweile auf „dunkelrot“ gewechselt. Überschuldungsampel wechselt auf dunkelrot Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse, die seit 2008 kontinuierlich vom Statistischen Bundesamt erhoben werden, sind Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selbstständigkeit sowie Erkrankung, Sucht oder Unfall. Die Bedeutung des Auslösers unwirtschaftliche Haushaltsführung hat dagegen deutlich abgenommen (- 16 Prozent). Dieser bildet oft den Einstieg in eine Überschuldungsspirale und korreliert eher mit Fällen mit geringer Überschuldungsintensität. Beide Entwicklungen erklären zusammengenommen den aktuellen Basistrend: Harte Überschuldungsfälle steigen an – weiche Überschuldungsfälle gehen zurück. Erstere sind oft mit einer längeren Überschuldungskarriere und oft auch mit höheren Schuldenvolumina verbunden. Letztere sind mit eher geringeren Schuldensummen verbunden und bilden oft eine Vorstufe zum Überschuldungskarussell. Frauen holen auf Zwar zeigt sich Überschuldung mehrheitlich als ein männliches Phänomen, doch Frauen holen in jüngerer Zeit spürbar auf ÿ 2. Die Zunahme der Überschuldungsfälle innerhalb des letzten Jahres verteilt sich fast paritätisch auf die Geschlechter. Männer verursachten 2016 rund 68.000 Überschuldungsfälle (+ 1,6 Prozent) mehr als 2015. Bei Frauen betrug die Zunahme rund 63.000 Fälle (+ 2,4 Prozent). Ins- 01 // 2017 21

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