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die bank 01 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BERUF & KARRIERE

ó BERUF & KARRIERE JAMES EDWARD “JES” STALEY Mit allen Wassern gewaschen fi AT THE TOP Banken haben die Finanzkrise noch immer nicht vollständig aufgearbeitet. Die Branche befindet sich in einer unverändert sehr schwierigen Lage. Die Wirren der Krise wirken weiter nach und drohen nicht selten, sogar den Blick in die Zukunft zu verschleiern. Nicht nur die von den Aufsichts- und Kontrollbehörden ausgesprochenen Milliarden-Strafen als Folge zahlreicher Skandale (wie z. B. bei denen um den Libor oder das Goldfixing) zeugen von einer allgemeinen Unsicherheit. Auch die unzähligen Wechsel im Bereich des Top-Managements von „Too-bigto-fail“-Banken sind Ausdruck der teilweise noch immer existierenden Orientierunglosigkeit. Beispielhaft für das Stühlerücken im Management sind die Entwicklungen bei der britischen Bank Barclays plc, die jetzt schon den vierten CEO Der neue CEO von Barclays plc ist Absolvent des Bowdoin College und hat einen B. A.-Abschluss in Ökonomie. Der 59-jährige Banker bringt mehr als dreieinhalb Jahrzehnte Erfahrungen in der Finanzbranche und zahlreiche Voraussetzungen mit, um seine neue Rolle erfolgreich zu gestalten. Staley war als Berater unter anderem bei Code Advisors, bei UBS sowie als Board-Mitglied der Federal Reserve Bank of New York ein gefragter Mann. Zuletzt war er Managing Partner beim Hedgefonds Blue Mountain Capital. innerhalb nur weniger Jahre mit der Aufgabe zur Leitung des Finanzinstituts betraut hat. „Bei Barclays wechseln sie die Vorstandschefs so oft und rasch wie einige Menschen ihre Unterhosen“, wurde in der Londoner City über viele Monate hinweg gewitzelt. Jetzt, so hofft die inzwischen zahlenmäßig bereits stark reduzierte Belegschaft, soll endlich Ruhe einkehren. Denn James Edward Staley, ein erfahrene Banker und Hedgefonds-Manager, der im letzten Monat gerade 59 Jahre alt geworden ist, soll die Bank in ein ruhigeres Fahrwasser und auf den Erfolgspfad zurückführen. Glaubt man den Lobeshymnen von Gremien-Mitgliedern der Bank und von Staleys Weggefährten, dann scheint dieser für zahlreiche der aktuellen Problemfelder bei Barclays eine perfekte Lösung zu sein. Der Mann, den in der Finanzwelt alle nur „Jes“ nennen, ist beileibe kein Ja-Sager – ganz im Gegenteil. Als seit mehr als dreieinhalb Jahrzehnten in der Finanzszene tätiger Banker, der zuletzt Managing Partner beim Hedgefonds Blue Mountain Capital war, hat Staley zahlreiche Voraussetzungen, um die Rolle erfolgreich zu gestalten und die Bank wieder auf den Erfolgsweg zu bringen. Bei seiner Berufung zum 1. Dezember 2015 bewies er sogleich viel Realismus und meinte: „Der Weg ist lang und steinig.“ Wie sehr man den seit 1979 als Banker aktiven Mann aus Boston in der Finanzbranche schätzt, zeigt sich auch daran, dass er bei JP Morgan lange Zeit als möglicher Kandidat für die Nachfolge von Jamie Dimon im Gespräch war. Staley ist einer von zahlreichen Vertretern einer neuen Top-Manager-Generation, die bei führenden Banken erst seit kurzem das Zepter schwingen. Offensichtlich haben immer mehr Führungsgremien von Top- Banken erkannt, dass in dieser zerrissen erscheinenden Welt sehr unterschiedlich mit von der Öffentlichkeit als sensibel empfundenen Themen, wie gesellschaftlicher Verantwortung, umgegangen werden sollte. In der Wertegemeinschaft der westlichen Welt geht es bei der Lösung der zahlreichen Probleme inzwischen längst nicht mehr nur um finanzielle Aspekte. Vielmehr stehen bei immer mehr Banken gerade auch übergeordnete Ziele im Fokus. Das weiß auch Jes Staley sehr genau. Noch immer richten die meisten Unternehmensführer in der Finanzszene ihr Handeln vor allem an pekuniären Zielen aus, doch orientieren andererseits immer mehr Leitfiguren ihre Aktivitäten auf der anderen Seite nicht nur an harten monetären Aspekten, sondern auch an sozialen Gesichtspunkten. 76 diebank 01.2016

BERUF & KARRIERE ó Während einige Vorstandsvorsitzende in der Finanzszene Gehalt und Bonus nicht als entscheidende Glücklichmacher bezeichnen, wird anderswo der finanzielle Aspekt in der Rangliste der Prioritäten nach wie vor nach ganz weit nach oben geschoben. Und bei Barclays machen sie keinen Hehl daraus, dass der „Bostonian“ Staley mehr Geld verdienen wird als seine Vorgänger. Bei anderen Banken in der Welt wiederum steht das Wohl der Kunden bei den abgesteckten Zielen ganz weit oben. Eine andere Spezies von Bankern rückt darüber hinaus auch den Wohlfühlfaktor der Belegschaft als Zielgröße ganz weit nach vorn. Auch für Jes Staley wird das besonders wichtig sein; denn seine Bank hatte vor rund einem halben Jahr angekündigt, 30.000 Mitarbeitern die Kündigung ins Haus schicken zu müssen. Für den neuen CEO ist es möglicherweise eine glückliche Fügung des Schicksals gewesen, dass die Gremien von Barclays plc ihm in dieser Hinsicht also bereits einige Arbeit abgenommen haben. Denn mit solchen Nachrichten macht sich ein neuer CEO unter den Mitarbeitern keine Freunde. Bis Ende 2017 soll die Zahl der Barclays-Mitarbeiter weltweit unter die Marke von 100.000 fallen. In London war dieser Schritt wohl als unausweichlich gesehen worden, um die chronische Underperformance der Bank gegenüber der Konkurrenz aufzufangen. Jetzt hoffen sie darauf, dass das Sprichwort von den neuen Besen, die angeblich gut kehren, auch für Barclays zutrifft. Zu oft hatten sich die Führungsgremien des Instituts in den vergangenen Jahren an Donald Trumps wohl berühmtestes TV-Zitat „Guess what – you are fired“ erinnert und die Führungsspitze der britischen Bank mehrere Male ausgewechselt. Keiner schien für das Board of Directors wirklich die passende Lösung zu sein – weder Robert Diamond, der vor drei Jahren die Bank verlassen musste, noch der auf Diamond folgende Antony Jenkins oder die Zwischenlösung John McFarlane, der als Executive Officer zuletzt vorübergehend die Geschicke der Bank leitete, erschienen den Barclays-Gremien als die ideale Besetzung für den Posten des CEO. Auch bei der Suche nach einem Nachfolger von John McFarlane hatten sie sich sehr viel Zeit gelassen, bevor im Oktober dann die Entscheidung zugunsten von Staley fiel. Hier hat man sich auch daran erinnert, dass Staley vor seiner Zeit als Managing Parter bei Blue Mountain Capital über mehr als drei Dekaden hinweg bereits zahlreiche Führungspositionen bei JP Morgan ausgefüllt hatte – mit großem Erfolg im Übrigen. Er war schließlich über 13 Jahre hinweg CEO der JP Morgan Investment Bank sowie von JP Morgan Asset Management. Er füllte darüber hinaus auch wichtige Positionen im JP Morgans Operating and Executive Committee aus. Auch können wohl nur wenige Staley etwas im Bereich Alternative Investments vormachen, den er für JP Morgan gemeinsam mit Weggefährten aufgebaut hatte. Dabei initiierte Staley u. a. auch eine strategische Partnerschaft mit dem Hedgefonds Highbridge Capital Management. Bei Blue Mountain Capital müssen sie jetzt sehen, wie sie seinen Abgang als Managing Partner verkraften. Wenn er sich die Fähigkeit nicht längst angeeignet hatte, dann hat Staley hier in der Hedgefonds-Szene die oftmals „gnadenlose und unumkehrbare Jagd nach Rendite“ erlernt. Der Absolvent des Bowdoin College mit einem B. A.-Abschluss in Ökonomie ist bzw. war als Berater und Board-Mitglied in der Robin Hood Foundation, bei Code Advisors, bei UBS sowie als Board-Mitglied der Federal Reserve Bank of New York ein gefragter Mann. Zudem ist er Mitglied des Council on Foreign Relations. Man sollte meinen, da bleibt für die neue Aufgabe nur wenig Zeit. Aber weit gefehlt, Jes Staley ist Banker und Hedgefonds-Manager aus Überzeugung – und er gilt als „Arbeitstier“. Genau das war offensichtlich auch einer von vielen Gründen für seine Berufung zum Barclays-CEO. Der Vater zweier Kinder hat einige Zeit in Brasilien verbracht, hat eine brasilianische Ehefrau und gibt offen und ehrlich zu, dass er mit seinem Arbeitspensum wohl schon ein „Alptraum“ für seine Familie gewesen sein muss. Dass er Barclays nach dem Willen von Chairman John McFarlane jetzt auf den Weg einer alten, erfolgreichen Investmentbank zurückführen soll, ist kein Geheimnis. Antony Jenkins, der ehemalige Vorstandschef, sei dafür nicht die richtige Person gewesen, begründet McFarlane dessen Ablösung als CEO; denn Jenkins war eher ein Retail-Banker des alten Schlags. Jenkins hatte im Jahr 2012 den US-Banker Bob Diamond als CEO abgelöst. Bereits damals nach dem Rücktritt von Jenkins galt Staley nach Informationen aus dem Hause Barclays als einer der heißen Kandidaten für Jenkins’ Nachfolge. Schon kurze Zeit, nachdem er von der Entscheidung der Barclays-Gremien erfahren hatte, richtete sich Staley als erste Amtshandlung bereits an seine künftigen Mitarbeiter und legte u. a. seine Visionen für den Bereich Investment Banking offen. „Wir werden sowohl die notwendige Transformation und Neuausrichtung der Investmentbank hin zu einem weniger kapitalintensiven Modell als auch die kulturelle Wandlung vorantreiben“, so Staley. Es gebe keinen anderen Weg, man müsse als integre Bank auf einem von Werten getriebenen Weg voranschreiten, hat er den Mitarbeitern vorgegeben. „Wir müssen es schaffen, in der Finanzwelt wieder Vertrauen in Barclays herzustellen“, hat Staley die Belegschaft zum Mitmachen aufgefordert. Der Mann ist zudem klug genug, um zu wissen, dass man sich besser nicht mit den Aufsichtsbehörden anlegen sollte. Und so fordert er „mehr Respekt gegenüber den Regulatoren“. In der Londoner City hören sie diese Worte des mit allen Wassern gewaschenen Bankers gern – sie wissen aber auch, dass den Worten nun Taten folgen müssen. ó Jonas Dowen 01.2016 diebank 77

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