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die bank 01 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING fi INTERVIEW

ó BANKING fi INTERVIEW mit Christine Bortenlänger Protokolle, nein danke! Nur acht Millionen Deutsche besitzen Aktien. Zu wenig, findet Christine Bortenlänger, die seit 2012 als Geschäftsführender Vorstand das Deutsche Aktieninstitut e. V. (DAI) in Frankfurt leitet. Unzureichende Grundkenntnisse bei den Anlegern ebenso wie steuerliche Rahmenbedingungen seien dafür verantwortlich. Auch die Regulierung wirke wie ein Hemmschuh. „Der regulierungsbedingte Exodus der Banken aus der Aktienberatung kann nicht gestoppt werden – zulasten der Privatanleger und der Aktienkultur in Deutschland“, fürchtet die 49-Jährige, die von 2000 bis 2012 die Börse München geführt hatte. Was sich ändern müsste, erläutert die Bankkauffrau und promovierte Betriebswirtin im Gespräch. diebank: Die Deutschen gelten als Aktienmuffel. Rund eine halbe Million Menschen trennten sich 2014 von Aktien oder Anteilen an Aktienfonds. In diesem Zusammenhang haben Sie von einem „herben Rückschlag“ gesprochen. Wo sehen Sie die Ursachen? Bortenlänger: Vor allem unzureichende Grundkenntnisse bei Geldthemen und die geringe Erfahrung mit der Aktienanlage spielen eine große Rolle. Während in anderen Ländern wie den USA oder Schweden die Bürger im Rahmen der Altersvorsorge an das Aktiensparen herangeführt werden, lässt das Rentensystem in Deutschland wenig Spielraum für die aktienbasierte Kapitalanlage. Daneben sind steuer- und verbraucherschutzrechtliche Rahmenbedingungen relevant, etwa die Doppelbesteuerung von Aktien auf Unternehmens- und Anlegerseite sowie die detaillierten Vorgaben zur Anlageberatung bei Banken. Viele Kunden haben schlicht keine Lust auf das wiederholte Ausfüllen des Beratungsprotokolls und weichen auf andere Anlagen aus. diebank: Welche Auswirkungen wird die Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie MiFID II auf die Aktien-Anlageberatung der Banken haben? Bereits 2014 hatte das DAI in einer Studie ermittelt, dass 22 Prozent der befragten Kreditinstitute gar keine Aktienberatung mehr anbieten würden. Bei 65 Prozent der befragten Banken ist die Zahl der Kundengespräche zu Aktien größtenteils deutlich gesunken. Bortenlänger: Mit unserer Studie, an der sich mehr als 500 deutsche Banken beteiligt haben, konnten wir empirisch nachweisen, dass die Regulierung der Bankberatung unerwünschte Nebenwirkungen hat. Insbesondere der Aufwand bei der Erstellung von Beratungsprotokollen und Produktinformationsblättern führt dazu, dass immer weniger Banken Wertpapier- und Aktienberatung anbieten. Unsere Studie hat dazu beigetragen, die Politik in Bezug auf dieses Thema zu sensibilisieren – mit dem Ergebnis, dass in Deutschland über Erleichterungen bei der aufwendigen Protokollierung der Beratungsgespräche diskutiert wird. diebank: Welche Erleichterungen sollte es geben? Bortenlänger: Erfahrene Kunden sollen die Möglichkeit erhalten, auf diese Aufzeichnungen verzichten zu dürfen. Leider konterkariert die Einführung von MiFID II, die ebenfalls Vorgaben für ein Beratungsprotokoll vorsieht, diese Diskussion. Eine Verzichtsmöglichkeit, für die wir uns stark gemacht hatten, ist hier nicht vorgesehen. Daher ist zu befürchten, dass der regulierungsbedingte Exodus der Banken aus der Aktienberatung nicht gestoppt werden kann – zulasten der Privatanleger und der Aktienkultur in Deutschland. diebank: Im Mai 2015 haben zehn namhafte Verbände, darunter BDI, BDA und SdK, in einem Appell von der Politik gefordert, die Rahmenbedingungen für die Mitarbeiterkapitalbeteiligung zu verbessern und sich so für deren stärkere Verbreitung in deutschen Unternehmen einzusetzen. Auch das DAI gehört zu den Mitinitiatoren. Bortenlänger: Im September wurde das Thema Mitarbeiterkapitalbeteiligung / Mitarbeiteraktien im Abschlussbericht des Round Table aufgegriffen, den Bundeswirtschaftsminister Gabriel zur Förderung von mehr Börsengängen ins Leben gerufen hat. Die Mitglieder des Round Table – unter ihnen das Deutsche Aktieninstitut – sehen eine stärkere Verbreitung der Belegschaftsaktie als wichtigen Beitrag zur Aktienkultur in Deutschland an. Die Maßnahmen, die der Round Table vorschlägt, um Belegschaftsaktien in Deutschland populärer zu machen, entsprechen weitgehend den Forderungen des DAI. 40 diebank 01.2016

BANKING ó diebank: Was fordern Sie konkret? Bortenlänger: Dazu gehört, dass der steuer- und abgabenfreie Betrag, den die Mitarbeiter beim Erwerb von Belegschaftsaktien nutzen, von aktuell 360 € auf mindestens 1.000 € pro Jahr angehoben werden muss. Deutschland sollte sich dabei an anderen Ländern, etwa unserem Nachbarland Österreich, orientieren. Dort liegt der Förderbetrag bei 1.460 € und soll sogar auf 3.000 € angehoben werden. Außerdem ist es dringend notwendig, die Einführung von Mitarbeiteraktien zu entbürokratisieren. Dies betrifft insbesondere die Depotverwahrung und die Art und Weise, wie das Unternehmen die Aktien, die an die Mitarbeiter ausgegeben werden, beschaffen kann. diebank: Das DAI hat Anfang des Jahres eine Studie zur Einstellung der Deutschen zur Aktie vorgelegt. Was waren die zentralen Erkenntnisse? Bortenlänger: Zwar ist den Menschen vielfach bewusst, dass die Aktie als Sachwertanlage von den wirtschaftlichen Erfolgen der Unternehmen langfristig profitiert. Dennoch sind vor allem diejenigen, die noch nie Aktien besessen haben, unsicher, für wen sich Aktien als Geldanlage überhaupt eignen. Besonders hartnäckig hält sich die Vorstellung, dass die Aktienanlage ausgeprägte wirtschaftliche Kenntnisse voraussetzt. Über die Hälfte der Studienteilnehmer glaubt, dass die Aktienanlage bei kleineren Anlagebeträgen nicht sinnvoll ist. Fast jeder Zweite hält sie für unsicher und riskant. diebank: Gab es gar keine Lichtblicke? Bortenlänger: Doch, so hat immerhin fast jeder zweite Umfrageteilnehmer Interesse an einer langfristigen Aktienanlage. 2014 war aber nur jeder achte Deutsche in Aktien investiert, sodass ein deutliches Potenzial zur Gewinnung von mehr Aktionären zu erkennen ist. Um dieses Potenzial zu erschließen, ist allerdings eine intensive Aufklärungsarbeit notwendig. diebank: Frau Bortenlänger, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Eli Hamacher. 1 Zahl der Aktienbesitzer (alle Aktieninvestments) in Deutschland - Gesamtdeutschland Zahl der Aktienbesitzer über 14 Jahre in 1.000 Zahl der Aktionäre 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Aktionäre mit Belegschaftsaktien Aktionäre mit anderen Aktien darunter mit Belegschafts- und anderen Aktien nur Belegschaftsaktien nur andere Aktien 1.601 1.459 1.474 1.348 1.206 1.272 1.066 1.029 946 991 988 1.157 1.285 1.239 818 5.121 4.723 4.021 4.187 3.832 3.801 3.488 3.247 2.843 2.886 2.960 3.128 3.645 3.685 3.526 511 488 495 489 433 329 314 229 236 253 294 394 398 364 201 1.090 971 979 859 773 943 752 800 710 738 694 763 887 875 617 4.610 4.235 3.526 3.698 3.399 3.472 3.174 3.018 2.607 2.633 2.666 2.734 3.247 3.321 3.325 Aktionäre insgesamt 6.211 5.694 5.000 5.046 4.605 4.744 4.240 4.047 3.553 3.624 3.654 3.891 4.532 4.560 4.143 Zahl der Anleger in Aktienfonds 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Besitzer von Aktienfonds Besitzer von gemischten Fonds darunter mit Aktien- und gemischten Fonds nur Aktienfonds nur gemischten Fonds 6.601 7.133 6.062 5.244 5.165 5.292 5.176 5.261 3.991 3.869 3.623 3.859 3.987 3.692 3.719 2.716 3.730 3.752 3.787 3.520 3.749 3.705 3.434 3.689 3.299 3.044 2.919 3.211 3.109 3.036 952 1.097 1.177 864 842 975 933 748 551 576 631 658 578 691 788 5.649 6.036 4.885 4.380 4.323 4.317 4.243 4.513 3.440 3.293 2.992 3.201 3.409 3.001 2.931 1.764 2.633 2.575 2.923 2.678 2.774 2.772 2.686 3.138 2.723 2.413 2.261 2.633 2.418 2.248 Anleger in Aktienfonds insgesamt 8.365 9.766 8.637 8.167 7.843 8.066 7.948 7.947 7.129 6.592 6.036 6.120 6.620 6.110 5.967 Zahl der Aktienbesitzer (alle Aktieninvestments) 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Aktionäre Anleger in Aktienfonds darunter mit Aktien und Fonds nur Aktien nur Fonds 6.211 5.694 5.000 5.046 4.605 4.744 4.240 4.047 3.553 3.624 3.654 3.891 4.532 4.560 4.143 8.365 9.766 8.637 8.167 7.843 8.066 7.948 7.947 7.129 6.592 6.036 6.120 6.620 6.110 5.967 2.748 2.607 2.088 2.086 1.944 2.014 1.874 1.677 1.365 1.405 1.305 1.534 1.662 1.749 1.669 3.463 3.087 2.912 2.960 2.661 2.730 2.366 2.370 2.188 2.219 2.349 2.357 2.870 2.811 2.474 5.617 7.159 6.549 6.081 5.899 6.052 6.074 6.270 5.764 5.187 4.731 4.586 4.958 4.361 4.298 Aktienbesitzer insgesamt 11.828 12.853 11.549 11.127 10.504 10.796 10.314 10.317 9.317 8.811 8.385 8.477 9.490 8.921 8.441 Quelle: Infratest-Umfragen im Auftrag des Deutschen Aktieninstituts. 01.2016 diebank 41

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