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die bank 01 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING Spezialistin

ó BANKING Spezialistin für Innovationen GESCHÄFTSMODELLE Sieben traditionsreiche Wertpapierbörsen ringen in Deutschland um das Geld der Anleger: Hamburg und Hannover im Norden, Berlin im Osten, München und Stuttgart im Süden, Düsseldorf im Westen und allen voran Frankfurt am Main in der Mitte der Republik. Nur Bremen musste 2007 aufgeben. Seit dem Start von Tradegate Exchange im Jahr 2010 hat Berlin sogar zwei Handelsplätze. Die regionalen Zwerge müssen sich nicht nur untereinander und gegen das dominante Frankfurter Parkett behaupten, sondern auch gegen den stark wachsenden Newcomer. Mit der Spezialisierung auf bestimmte Nischen versuchen die Regionalen ihr Überleben zu sichern. Dr. Sandra Reich ist Vorstand der BÖAG Börsen AG, der Trägergesellschaft der Börsen in Hamburg und Hannover. diebank sprach mit ihr über die Strategie für den Norden. Eli Hamacher Keywords: Kapitalmärkte, innovative Investments, Frauenquote An Hartnäckigkeit und Mut mangelt es Sandra Reich nicht. Ohne diese beiden Eigenschaften hätte es die 38-Jährige auch kaum schaffen können, ungewöhnlich früh Karriere zu machen, sich mit zwei kleinen Kindern an der Spitze der Börsen Hannover und Hamburg zu behaupten und gleichzeitig mit Innovationen in einem immer härter werdenden Wettbewerbsumfeld gegen die mächtige Konkurrenz zu punkten. „Ich bin wohl recht konsequent einen Schritt nach dem anderen gegangen und habe zum Glück nie den Mut oder das Engagement verloren, auch neue Herausforderungen anzugehen“, sagt Reich. Sie wurde 2009 mit nur 31 Jahren jüngste Börsenchefin Deutschlands und ist auch heute noch eine der wenigen Führungsfrauen in der stark von Männern dominierten Finanzbranche. An Abwechslung hat es in dieser Zeit nicht gefehlt, weder privat noch beruflich. Im Spätsommer kam Sohn Nummer zwei zur Welt, nur acht Wochen später sitzt Sandra Reich schon wieder in ihrem Arbeitszimmer im ersten Stock der Börse Hannover. Zum Interview erscheint die blonde Wirtschaftsjuristin in typisch weiblichem Businesslook: blauer Hosenanzug, weißes Shirt, dazu dezenter Schmuck. Anders als Kollegen anderer Börsen führt sie das Gespräch allein, ohne ihren Pressesprecher. Mit Blick auf die dünne Personaldecke –die beiden Börsenplätze beschäftigen nur 18 Mitarbeiter – scheint die Chefin die Ressourcen optimal nutzen zu wollen. Angesichts politischer Spannungen, Nervosität an den Märkten und Herausforderungen durch die Dauerniedrigzinsphase halten sich auch in Hannover und Hamburg die Anleger zurück. Für die private Klientel gilt das allemal. Rund eine halbe Million Menschen trennten sich im vergangenen Jahr in Deutschland laut Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) von Aktien oder Anteilen an Aktienfonds. Trotz steigender Kurse an den Börsen sank die Zahl der Aktienanleger das zweite Jahr in Folge. Lediglich 8,4 Millionen Deutsche, also rund 13 Prozent der Bevölkerung, sind am Aktienmarkt engagiert. Von einem „herben Rückschlag“ spricht DAI-Chefin Christine Bortenlänger (siehe Interview). Auch Sandra Reich treibt die Entwicklung um. „Die aktuelle Achterbahnfahrt der Kurse wird Aktiengegner eher in ihrer Haltung bestärken.“ Für den Vermögensaufbau insbesondere mit Blick auf die Altersvorsorge hält sie jedoch Dividendentitel für einen sehr wichtigen Bestandteil. Mit attraktiven Konditionen für den Kauf von Aktien und Fonds versuchen die beiden Handelsplätze im Norden die Anleger zu locken. So fällt bis zu einem Volumen von 50.000 € pro Aktienorder beim Kauf der DAX 30-Werte keine Maklercourtage an, beim Handel mit Werten des MDAX und des EuroStoxx 50 bleiben Aufträge bis zu 25.000 € courtagefrei. Mit dem im Jahr 2011 gestarteten Fondsservice Hannover können Anleger zudem Investmentfonds zum Rücknahmepreis (NAV) der Fondsgesellschaft kaufen. Sie erhalten diese Anteile ohne Ausgabeaufschlag, den üblicherweise die Fondshäuser als Kaufgebühr verlangen. Unabhängig vom Ordervolumen fallen 15 € für die Ausführung an der Börse Hannover an. „Anders als im börslichen Fondshandel haben die untertägigen Marktschwankungen beim Fondsservice keinen Einfluss auf den Ausführungspreis“, unterstreicht Reich. Vielmehr sammelten die Makler die Aufträge bis zum individuellen Orderannahmeschluss und führten sie nach Veröffentlichung des neuen NAV durch die Fondsgesellschaft aus. Dieses Angebot richte sich an den eher konservativen Anleger. Wer jedoch auf die täglichen Schwankungen reagieren wolle, kaufe im Fondshandel der Börse Ham- 36 diebank 01.2016

BANKING ó burg, der Anlegern rund 4500 Fonds – ebenfalls ohne Ausgabeaufschlag – zur Auswahl bietet, während es beim Fondsservice rund 1000 sind. „So bieten wir zwei Preisfeststellungsmodelle unter einem Dach an.“ Neben dem Angebot von günstigen Konditionen für Einsteiger versuchen die norddeutschen Regionalbörsen, die rund 130 in- und ausländische Kreditinstitute sowie Finanzdienstleister zu den Handelsteilnehmern zählen, mit Börsentagen, Einsteigerseminaren, Anlegerforen, Newslettern und Führungen für Schulen Vorbehalte zu senken und das Börsen- Know-how zu steigern. Besucher kommen dann auch im Börsensaal in Hannover zusammen, aus dem 2005 die letzten Makler auszogen. Hier erinnert nur noch ein Video aus den 1970er-Jahren daran, wie turbulent es einst auf dem Parkett zuging. Wie alle Regionalbörsen haben Hamburg und Hannover die Privatanleger im Blick. Innovativ ist ein Adjektiv, das die Geschäftsführerin in diesem Zusammenhang gern und häufig benutzt. „Wir sind der Spezialist für offene und geschlossene Fonds und für Innovationen.“ Die heute wie ein Wirtschaftsunternehmen geführten traditionsreichen Börsen – Hamburg wurde 1558 gegründet, Hannover folgte 1785 – könnten sich nur behaupten, wenn sie flexibel und zügig auf Marktveränderungen reagieren würden. Gleich zweimal lancierten die Norddeutschen in diesem Jahr „in dieser Form in Deutschland einzigartige Produkte“. Den Anfang machte im Februar 2015 die Sparbriefbörse Deutschland, die es Inhabern von Sparbriefen ermöglicht, vor Ablauf der Vertragsfrist aus dem Produkt auszusteigen. Über eine Online-Plattform können sie die Papiere zum Kauf anbieten und so Geld flüssig machen, sei es für wichtige Anschaffungen oder auch, um das Vermögen umzuschichten. Über ein Kontaktformular gibt der Verkäufer einige Daten wie Name des Kreditinstituts, Laufzeit, Verzinsung, Fälligkeitstermin ein. Zur Orientierung erhält er einen unverbindlichen Vorschlag für einen Auktions-Startpreis. Der Verkäufer kann aber auch selbst einen Startpreis festlegen. Von der Börsen AG beauftragte Makler überprüfen die Anfrage und stellen sie auf der Plattform ein. Fünf Tage lang läuft dann die Bieterphase, an deren Ende der Bieter mit dem höchsten Gebot den vereinbarten Preis auf ein Treuhandkonto zahlt. Zum Abschluss erhält der Verkäufer nach Unterzeichnung des Kauf- und Übertragungsvertrags den Kaufpreis. „Damit führen wir konsequent den Weg fort, Zweitmärkte für sonst kaum fungible Produkte zu organisieren“, unterstreicht Reich. Ein außerbörslicher Zweitmarkt für den Kauf und Verkauf geschlossener Fonds wurde bereits 1998 am Finanzplatz Hamburg gestartet. Nur zwei Monate nach der Sparbriefbörse lancierte Hannover das nächste Produkt: den German Gender Index, der abbilden soll, wie sich Unternehmen mit einer hohen geschlechtsspezifischen Diversität in Vorstand und Aufsichtsrat entwickeln. Das Alleinstellungsmerkmal besteht für Reich darin, dass dies der einzige investierbare Index sei, „der die Performance der größten deutschen börsennotierten Unternehmen abbildet, welche sich in punkto Gender-Diversität am fortschrittlichsten positioniert haben“. 50 Mitglieder zählt die Gender-Familie, darunter die Aareal Bank mit vier Aufsichtsrätinnen und einem weiblichen Vorstandsmitglied, die Deutsche Börse mit immerhin einer Frau im Vorstand sowie die Deutsche Bank, die aktuell zwar nur eine Frau im Vorstand hat, aber im Aufsichtsrat bereits die neue gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent erfüllt. Wer es mit der Frauenförderung übertreibt, ist dabei keinesfalls im Vorteil. „Es wird nicht auf einen möglichst hohen Frauenanteil innerhalb der Unternehmen abgezielt. Beim German Gender Index steht im Vordergrund, dass weder das männliche noch das weibliche Geschlecht Die traditionsreichen Börsen (hier Hamburg) können sich nur behaupten, wenn sie flexibel und zügig auf Marktveränderungen reagieren. innerhalb einer Organisation unterrepräsentiert ist“, betont Reich. Zum Start im letzten April konnte die Börse mit der Ampega Investment GmbH einen der größten bankenunabhängigen Asset-Manager ins Boot holen. Der Finanzdienstleister von Deutschlands drittgrößter Versicherungsgruppe Talanx AG emittierte den Ampega GenderPlus Aktienfonds, über den Anleger an der Indexentwicklung partizipieren können. Weitere Fondsanbieter haben sich für die Idee der frauenfreundlichen Anlage allerdings noch nicht erwärmen können. Eine erste Bilanz der Wertentwicklung fällt nicht schlecht aus. Nach knapp sechs Monaten hatte der Frauenindex 6,7 Prozent verloren, der DAX allerdings 9,1 Prozent. Für ein Urteil sei es jedoch zu früh, sagt Börsenchefin Reich. Manfred Köberlein sieht das ähnlich. „Generell warten die meisten Investoren zunächst die Entwicklung eines neuen Fondskonzepts nach der Auflage ab. Insbesondere natürlich bei einem öffentlich sehr breit disku- 01.2016 diebank 37

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